Wie sich die Werte der Kommunen entwickeln

Die Inzidenzen im BGL: Eine Gemeinde explodiert auf 400 - andere völlig „Corona-frei“

Die Sieben-Tages-Inzidenz im Landkreis liegt seit voriger Woche wieder stabil über 100, doch in den einzelnen Kommunen schaut die Corona-Lage teils völlig unterschiedlich aus - vor allem die Entwicklung einer Gemeinde sticht besonders negativ heraus.

Landkreis Berchtesgadener Land - Es verläuft momentan eine unsichtbare Grenze durch den Landkreis: Während vier Nachbargemeinden im Talkessel (so gut wie) keine Neuinfektionen zu vermelden haben, ist der Wert in einer anderen Kommune nun förmlich „explodiert“: In Ainring liegt die Inzidenz jetzt bei 398,3 - der mit großem Abstand höchste Wert im Berchtesgadener Land (siehe Grafik unten). Im Laufe der jüngsten sieben Tage waren es in Ainring alleine 39 Neuinfektionen. Die Zahlen stammen vom Landratsamt, Stand: Montag, 12. April.

Inzidenzen der Gemeinden im Berchtesgadener Land

Die Orte mit den zweit- bzw. dritthöchsten Inzidenzwerten sind Teisendorf mit 236 und Schneizlreuth mit 234 - jedoch reichen bei der niedrigen Einwohnerzahl von Schneizlreuth bereits drei Neuinfektionen in den jüngsten sieben Tagen, um auf einen solch hohen Wert zu kommen. In Teisendorf sind es 22 Menschen, die sich in diesem Zeitraum mit dem Coronavirus neu infiziert haben. Auf den Plätzen 4 und 5 folgen Bayerisch Gmain und Bad Reichenhall. Der Landkreis-Schnitt, also der Inzidenzwert fürs ganze Berchtesgadener Land, lag laut Robert-Koch-Institut am 12. April bei 155 - seit dem heutigen Dienstag gelten wieder neue Maßnahmen.

Die Sieben-Tages-Inzidenzen der Kommunen im Berchtesgadener Land, Stand 12. April. Quelle: Landratsamt und eigene Berechnungen.

In weiten Teilen des Landkreis-Südens schaut es dagegen ganz anders aus: Ramsau und Marktschellenberg melden eine Inzidenz von null, in Berchtesgaden und in der Schönau wurde im Laufe der vorigen sieben Tage jeweils nur ein Bewohner positiv aufs Virus getestet - macht einen Inzidenzwert von 13 für Berchtesgaden und 18 für Schönau. Im Talkessel tanzt nur Bischofswiesen mit einem Wert von 123 aus der Reihe. Auch vorige Woche war der Süden des Landkreises weniger belastet.

Corona-Neuinfektionen der vergangenen sieben Tage im Berchtesgadener Land je Kommune.

Vergleicht man die aktuellen Corona-Gemeindezahlen im Berchtesgadener Land aber mit jenen von Mitte März, hat sich die Lage im Landkreis inzwischen völlig umgekehrt: damals hatten alle Talkessel-Gemeinden Inzidenzwerte von über 100, vor allem Berchtesgaden fiel mit einer Sieben-Tages-Inzidenz von 325 besonders auf. Im Rupertiwinkel waren damals die Zahlen dagegen viel niedriger, vor allem Ainring, Laufen oder Freilassing waren unauffällig.

Kaum Neuinfektionen bei Über-70-Jährigen, dafür bei „Kindern der 90er“

Die Zahl in einer Kommune lässt aber keinen generellen Rückschluss auf die Ansteckungsgefahr vor Ort zu. Denn die Zahl sagt nichts darüber aus, wo sich eine Person mit dem Virus infiziert hat - ob im Gemeindegebiet oder nicht. Zudem sagen die Zahlen nichts über den Zusammenhang einer Ansteckung aus, also ob sich mehrere Personen beispielsweise unabhängig voneinander infiziert haben oder ob sich mehrere Personen innerhalb einer Familie infiziert haben.

Aktuell gibt es 200 aktive Covid-19-Fälle im Landkreis. Der Anteil der britischen Virusmutation liegt bei 62 Prozent der aktuellen Fälle. 305 Menschen im Landkreis Berchtesgadener Land befinden sich aktuell in häuslicher Quarantäne, alleine, weil sie direkte Kontaktpersonen von Infizierten sind. Die meisten Neuinfektionen wurden in den vergangenen sieben Tagen in der Altersgruppe mit den Jahrgängen 1991 bis 2000 festgestellt, nämlich 39. Bei den Jahrgängen 1921 bis 1950 waren es dagegen nur drei. In den Kliniken im Berchtesgadener Land liegen derzeit drei Covid-19-Patienten auf einer Intensivstation.

xe

Rubriklistenbild: © WFG/Unterhauser

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