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Nachgefragt: Wie ist das BGL vorbereitet?

Extremsituationen wie Blackout: Rettungsdienst sieht auch Bürger in Verantwortung

BRK, Gebirgsjäger und Landratsamt berichteten uns, wie sie für Extremfälle wie einen „Blackout“ im Berchtesgadener Land vorbereitet wären.
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BRK, Gebirgsjäger und Landratsamt berichteten uns, wie sie für Extremfälle wie einen „Blackout“ im Berchtesgadener Land vorbereitet wären.

Das Extremszenario eines „Blackouts“, also eines großflächigen und länger andauernden Ausfall des Stromnetzes vorbereiten sollte, sorgt weiterhin für Diskussionsstoff. Das Landratsamt Berchtesgadener Land, das BRK aber auch die Gebirgsjäger sind diejenigen, die bei Extremlagen wie beispielsweise einem Hochwasser handeln beziehungsweise helfen müssen. Wir haben uns erkundigt, wie sie sich auf solch eine Lage einstellen.

Landkreis Berchtesgadener Land - „Die Krisen-Bewältigung bei einem Blackout scheitert sicher nicht am Akteur Rettungsdienst, weil wir bei unseren Einsätzen regelmäßig mit Ausnahme-Situationen zu tun haben und es gewohnt sind, dass wir auf uns allein gestellt sind und auch improvisieren müssen“, betont Markus Leitner, Pressesprecher des BRK-Kreisverbands Berchtesgadener Land. „Der Rettungsdienst wird aber als einer von vielen Akteuren immer nur so gut funktionieren, wie die Gesellschaft insgesamt mit einem Blackout umgehen kann. Ich sehe hier vor allem ein Risiko durch eingeschränkte Resilienz, weil es ganz entscheidend sein wird, wie besonnen der einzelne Bürger mit so einer für viele Menschen neuen Situation umgeht und sich auch mal selbst oder seinen Nachbarn helfen kann.“

„In anderen Ländern ist es völlig normal, dass der Strom immer wieder über längere Zeit ausfällt oder in bestimmten Regionen gar nicht zur Verfügung steht“, führt Leitner weiter aus, „Wenn jeder seine aufgeladene Taschenlampe am Nachttisch stehen hat und Essen und Getränke für mehrere Tage zu Hause hat, sind wir zumindest nicht mit einer Vielzahl an Verletzten gefordert, weil die Leute nachts auf dem Weg zur Toilette stolpern und stürzen und müssen uns auch nicht um Menschen kümmern, die aufgrund von Hunger oder Durst gesundheitliche Probleme bekommen.“

Rosenheimer Blackout-Flyer sorgt für Diskussionen - Landkreise in Südostbayern lassen Studie ausarbeiten

Besorgte Anrufer, eine bundesweite Berichterstattung und viel Kritik in den sozialen Medien: Ein Informations-Flyer der Stadt Rosenheim, der Bürgerinnen und Bürger der Stadt für den Fall eines sogenannten „Blackouts“, also eines großflächigen und länger andauernden Ausfall des Stromnetzes vorbereiten sollte, sorgt weiterhin für Diskussionsstoff. Nicht nur in der jüngsten Sitzung des Stadtrates, sondern auch in Expertenkreisen, wie die OVB-Heimatzeitungen berichten. Unterdessen haben sich die Landkreise Traunstein und Mühldorf am Inn, Altötting und Berchtesgadener Land zusammengeschlossen und eine Studie zum Thema großflächiger und länger währender Stromausfall in Auftrag gegeben.

Fachexperten hätten in diesem Rahmen für alle Landkreise eine „Kommunale Impact Analyse“ (KIA) ausgearbeitet. Die bereits vorliegenden Ergebnisse verwendeten die Katastrophenschutzbehörden der Landratsämter, um weitere zielgerichtete Maßnahmen präventiv zu treffen, so die Landratsämter in einer gemeinsamen Mitteilung. „Hier stimmen sich die Landkreise untereinander ab und arbeiten eng mit den Gemeinden, Feuerwehren, Rettungsdiensten und Versorgungsnetzwerken zusammen. So wird die landkreisübergreifende Notfallplanung gemeinsam weiter ausgebaut.“ Vorrangiges Ziel sei dabei, dass kritische Infrastruktur über einen längeren Zeitraum sichergestellt wird. „Dazu gehören unter anderem Kliniken, Rettungsdienste, Pflegeheime, digitale Kommunikation, Wasserversorgung, Behörden, Bezahlsysteme und Logistik. Ein Blackout kann durch Naturkatastrophen, Energieknappheit, Extremwetterereignisse, Sabotageakte und Cyberangriffe hervorgerufen werden.“

Landratsamt verweist auf Zusammenarbeit und Koordination bei Hochwasser 2021

Zu Details der Vorsorgen und Planungen beispielsweise für Kliniken, den Rettungsdienst oder die Wasserversorgung könne keine Auskunft gegeben werden, so Alexandra Rothenbuchner, Pressesprecherin des Landratsamts Berchtesgadener Land. „Es handelt sich hier um sensible Daten.“ Auch andere Landratsämter hatten auf Nachfrage bereits hierauf verwiesen. Allerdings kann sie grundsätzlich zum Vorgehen bei Extremsituationen an Hand eines aktuellen Beispiels berichten: „Im Juli 2021 kam es deutschlandweit zu Hochwasserereignissen besonderen Ausmaßes, so auch im Berchtesgadener Land. Aufgrund der Wassermassen wurde der Katastrophenfall festgestellt, da durch die Fluten unter anderem das Leben oder die Gesundheit einer Vielzahl von Menschen gefährdet war. Aufgrund der Größe des Schadensereignisses war die Bewältigung beziehungsweise Koordinierung des Hochwasserszenarios nur durch die Einrichtung einer übergeordneten Einsatzleitung möglich.“

„Die übergeordnete Einsatzleitung mit einem Örtlichen Einsatzleiter und der Führungsgruppe Katastrophenschutz gewährleistete den reibungslosen und aufeinander abgestimmten Einsatz aller verfügbaren Hilfs- und Rettungskräfte sowie die Nachforderung von Personal und Material. Dabei zeigte sich abermals, wie auch schon bei vergangenen Katastrophenfällen, dass sich diese Führungsstruktur bei der Bewältigung von Katastrophenlagen bewährte und eine koordinierte Abarbeitung der einzelnen Aufträge sicherstellte“, fährt Rothenbuchner fort. „Ungeachtet dessen werden die bestehenden Strukturen fortlaufend überprüft und optimiert, wie zum Beispiel die Melde- und Kommunikationswege von den Einsatzstellen zu den kommunalen Einsatzleitungen und weiter zum Örtlichen Einsatzleiter und der Führungsgruppe Katastrophenschutz, um jederzeit handlungsfähig zu sein.“ Zur den Möglichkeiten der persönlichen Vorsorge könnten sich Bürgerinnen und Bürger auf der Website des Bundesamtes für Bevölkerungs- und Katastrophenschutz informieren. „Dort sind umfangreiche Informationen zu den Themen Vorsorge und Verhalten im Notfall aufgeführt.“

Gebirgsjäger würden wie gewohnt in Extremlagen Hilfe leisten

Doch nicht nur die Landratsämter beschäftigt dieses Thema. Wie auch, als im Rahmen der Corona-Pandemie bereits ein großflächiger Ausfall an Personal diskutiert wurde, müssen auch andere Organisationen, die Teile der sogenannten „Kritischen Infrastruktur“ sind, für Extremsituationen planen. „Die Amtshilfe wird grundsätzlich im Rahmen der etablierten Verfahren durch die Landeskommandos der Bundeswehr sowie das Kommando Territoriale Aufgaben koordiniert. Dabei werden durch die jeweiligen Behörden, Gemeinden, Landratsämter und so weiter Anträge gestellt, die dann geprüft und gemäß abgestimmter Einzelfallentscheidungen umgesetzt werden. Diese unterliegen den bekannten Vorgaben und Auflagen was den Einsatz der Streitkräfte im Inland betrifft“, berichtet Hauptmann Thomas Schmaus, Presseoffizier der Gebirgsjägerbrigade 23 „Bayern“, die in der Hochstaufen-Kaserne in Bad Reichenhall stationiert ist.

„Dabei erfolgt, wie bereits in der Vergangenheit beispielweise bei den Flut- und Schneekatastrophen oder Amtshilfe für COVID-19 praktiziert, eine enge Abstimmung mit den zuständigen zivilen Behörden. Die Bundeswehr unterstützt dann mit den erforderlichen Kräften und Material. Die Führungsrolle liegt dabei immer bei den jeweiligen zuständigen zivilen Behörden“, betont Schmaus, „Die Thematik Katastrophenschutz wird ebenfalls regelmäßig in unterschiedlichen Formaten, wie etwa dem Reichenhaller Sicherheitsgespräch, diskutiert, sodass auch die Gebirgsjägerbrigade im regen Austausch mit den relevanten Verantwortlichen und Entscheidungsträgern steht.“

BRK sieht sich grundsätzlich für Blackout bereit

Auch die Rettungs- und Einsatzkräfte des BRK müssen in jeder Lage bereits sein. „Das Rote Kreuz führt aktuell im Berchtesgadener Land den kompletten Rettungsdienst am Land, in Form der BRK-Wasserwacht am und im Wasser, durch die Bergwacht im BRK im unwegsamen und alpinen Gelände und in der Luft mittels dem Rettungshubschrauber ‚Christoph 14‘ durch. Wir sind bei einem länger anhaltendem Stromausfall wie alle anderen Einrichtungen natürlich auch betroffen, allerdings durch unsere sehr auf Mobilität ausgelegte Arbeitsweise mehr von Fahrzeugen und damit Kraftstoff und deutlich weniger von Gebäuden und damit Strom abhängig“, erklärt wiederum Markus Leitner, Pressesprecher des BRK-Kreisverbands Berchtesgadener Land. „Wir sind es auch gewohnt, abseits vorhandener Infrastruktur autark zu retten und zu versorgen, können dabei auch gut improvisieren, müssen aber dennoch die Patienten zwangsläufig dann auch irgendwann in eine Klinik bringen, damit das Rettungsmittel wieder frei für weitere Einsätze wird. Medizinische Geräte und mobile Funkgeräte können zumindest eine Zeit lang im Auto wieder aufgeladen werden.“

„Wir können temporär über Notstrom-Aggregate Strom in ausgewählte Räume unserer Dienststellen einspeisen, die Beleuchtung aufrechterhalten und unsere eigenen Kommunikationseinrichtungen weiter betreiben, was aber nur Sinn macht, wenn Telefon und Internet nicht insgesamt großflächig ausgefallen und andere für uns wichtige Akteure noch erreichbar sind. Die Kommunikation unserer Einheiten läuft im Wesentlichen über Funk. Wir lehren und üben mit unseren Einsatzkräften deshalb regelmäßig alternative Funk-Kommunikation, die nicht von den strombetriebenen Sendemasten abhängig ist“, führt Leitner weiter aus, „Digitalfunk-Geräte können über kürzere Distanzen von einigen Kilometern auch ohne Relais direkt von Gerät zu Gerät betrieben werden; darüber hinaus nutzen wir mit einer eigenen Sende- und Empfangsstation das vom Stromnetz unabhängige Kurzwellen-Funknetz des DRK (DRK-HFnet) zum digitalen Datentransfer und E-Mail-Versand bei Katastrophenlagen und Satelliten-Funk, darunter auch das neue Starlink-System von Elon Musk. Diese vergleichsweise kostengünstige, auch stromunabhängige Internet-Zugriffmöglichkeit ist ein wichtiges Backup für den Katastrophenschutz.“

hs

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