Pressemeldung der Bundeswehr

Von Nordnorwegen über die Göllwestwand nach Mali

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Der Anmarsch des Bravo-Zuges. Im Hintergrund die Göllwestwand.

Bischofswiesen / Berchtesgaden - Innerhalb eines Jahres stehen für die 2. Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 232 aus Bischofswiesen Einsatz- und Ausbildungsetappen an, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Von eisiger Kälte über schwindelerregende Höhen und steiles, alpines Gelände bis hin zu Hitze und Trockenheit. Hier wird das Fähigkeitsprofil der Gebirgsjäger im vollen Spektrum deutlich. Zwischen der Ausbildung in Nordnorwegen vergangenen März und dem anstehenden Einsatz in Mali im kommenden Jahr steht nun die Gebirgsausbildung auf dem Ausbildungsprogramm. Am 7. Juli führte die 2. Kompanie die Ausbildung „Begehen Seilgeländer“ in der Göllwestwand durch.


Das Vorkommando beim Spannen und Kontrollieren des Seilgeländers.

Im März ist die 2. Kompanie aus Nordnorwegen von der NATO-Gefechtsübung Cold Response zurückgekehrt. Trotz vorzeitigem Abbruch der Übung durch die Corona-Krise konnte sich die 2. Kompanie bei einem zweiwöchigen Biwak unter arktischen Bedingungen – bei durchschnittlich minus 20 Grad Celsius - beweisen. Nun müssen die Soldaten und Soldatinnen ihre Trittsicherheit und Schwindelfreiheit unter Beweis stellen. Aber auch bei der Gebirgsausbildung müssen die „AHA- Regeln“ zur Prävention vor Ansteckung eingehalten werden. Nicht, wie üblich, geht an diesem Tag die ganze Kompanie durch das Seilgeländer, sondern „zugweise“ an mehreren Tagen verteilt. Auflockern, wo immer es geht und wenn es nicht geht – gilt auch in der Ausbildung draußen Maskenpflicht.

Trittsicherheit und Konzentration ist bei der Ausbildung „Begehen Seilgeländer“ stets gefragt.

Nun zur eigentlichen Gebirgsausbildung… Einen Tag vor Ausbildungsbeginn hat ein Vorkommando - bestehend aus zwei Mannschaftssoldaten, dem Kompanietruppführer und dem Kompaniechef - das Seilgeländer mit einer Länge von knapp 300 Metern und vier hintereinander folgenden Abseilstellen in die Göllwestwand unterhalb des großen Trichters aufgebaut. Neben 300 Meter Statikseil und acht Halbsträngen zum Abseilen gehören natürlich unter anderem noch Schlaghaken, Hammer, Reepschnur, Bandschlingen sowie Karabiner in den Rucksack, um das Seilgeländer anlegen zu können.


Trittsicherheit und Konzentration ist bei der Ausbildung „Begehen Seilgeländer“ stets gefragt.

„Ich habe zwar schon einmal in der Spezialgrundausbildung ein Seilgeländer begangen, aber beim Aufbau war ich noch nie dabei. Eine sehr interessante Erfahrung“, so Frau Oberstabsgefreiter Laura Teubner, die als Materialträgerin das Vorkommando begleitete. Beim Aufbau des Seilgeländers wird ein Seil an mehreren Fixpunkten befestigt und gespannt, so dass die nachfolgenden Soldaten – ausgestattet mit Klettergurt und Selbstsicherung - gesichert durch dieses Gelände gehen können. Durch das zusätzliche Anfertigen von Aufstiegshilfen wie Tritt- und Griffschlingen werden schwerere Kletterstellen „entschärft“.

Mittels Steigklemme wird der Aufstieg mit schweren Gepäck und Waffe erleichtert.

Die eigentliche Herausforderung beim Aufbau des Seilgeländers ist es, den möglichst einfachsten Weg durch die Wand zu finden. Dadurch werden die Gebirgssoldaten – ausgestattet mit Waffe, Munition und Gepäck – etwas weniger körperlich beansprucht. „Denn die Ausbildung Begehen Seilgeländer dient lediglich dazu, dass sich die Soldaten im schwierigen Gelände problemlos bewegen können, um im Fall des Falles ihren vorgesehenen Einsatzraum erreichen zu können“, erklärt Major Rudolf Hofmann, Kompaniechef der 2. Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 232.

An den schwierigen Geländeabschnitten gab es durch die Kompanieführung Hilfestellung.

Die Gebirgstruppe zeichnet aus, dass sie Soldaten in Gelände verbringt, wo der Feind sie nicht erwartet. Der Ausbildungstag Gegen 5.30 Uhr hieß es für das Vorkommando Abmarsch. Noch einmal Seile nachspannen und das Seilgeländer auf Schäden kontrollieren. Um 7.30 Uhr kam dann der Bravo-Zug vom Parkplatz in der Scharitzkehl über das Endstal zur Göllwestwand marschiert. Unter dem Motto „train as you fight“ wurde nicht nur das G36, sondern auch die Panzerfaust und das Maschinengewehr mitgeführt. Zu Beginn war das Gelände recht einfach zu begehen. Darauf folgten immer wieder steile zum Teil senkrechte Aufschwünge in der Wand, die die Struber Jager überwinden mussten. Hohe körperliche Leistungsfähigkeit ist Grundvoraussetzung für jeden Gebirgsjäger.

Das Maschinengewehr durch dieses Gelände zu bringen – eine Herausforderung.

Jeder Soldat hatte etwa 25 Kilogramm auf den Rücken mitzuschleppen. Bei teilweise nassem Fels eine Herausforderung, Halt für die Füße zu finden. An schwierigen Stellen unterstützten die Führer ihre Soldaten und Soldatinnen. Denn gerade am Berg ist Kameradschaft und Vertrauen in Mensch und Material grundlegend, um den Auftrag in schwindelerregenden Höhen und Ausgesetztheit durchführen zu können. Denn das Bewegen im unwegsamen, exponierten Gelände gehört nun einmal zum Fähigkeitsprofil der Gebirgsjäger, um letztlich den Kernauftrag - den Kampf im schwierigen Gelände - erfüllen zu können.

Am Ende des Seilgeländers war noch einmal Schwindelfreiheit und Konzentration gefragt. Wie für einen Gebirgsjäger üblich, wurde abgeseilt mittels einer Abseilpiste und Standplatzwechsel. Die Soldaten mussten etwa 200 Meter selbstständig, hintereinander abseilen. An jedem Standplatz stand ein Ausbilder, natürlich mit Maske, um das Vorgehen zu überwachen. Am Ende des Ausbildungstages resümierte Major Rudolf Hofmann: „Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung meiner Soldaten.

Schwindelfreiheit im exponierten Gelände ist obligatorisch für einen Gebirgsjäger.

Sie haben sich heute sehr gut geschlagen. Das Gelände war nicht einfach und sie sind daran gewachsen.“ Der Ausblick Ab September wird die 2. Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 232 in die einsatzvorbereitende Ausbildung gehen. Ein erster grundlegender Baustein wurde dabei auf dem Truppenübungsplatz in Wildflecken bei einer zweiwöchigen Schießausbildung im Mai gelegt. Die Einsatzvorausbildung mündet dann in einer Abschlussübung im Gefechtsübungszentrum in der Letzlinger Heide im Februar 2021. Im März 2021 wird die Kompanie dann ihren Einsatzauftrag in Mali bei 60 Grad Temperaturunterschied - im Vorjahr in Nordnorwegen - wahrnehmen.

Pressemitteilung der Bundeswehr / Hauptmann Sarah Hofmann

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