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Christbaumschmuck mit Musik und Mokka

Barbara Moderegger fertigt ganzjährig dekorative Berchtesgadener War für die Weihnachtszeit

Gelernte Holzbildhauerin: Barbara Moderegger in ihrer kleinen Werkstatt in Bischofswiesen.
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Gelernte Holzbildhauerin: Barbara Moderegger in ihrer kleinen Werkstatt in Bischofswiesen.

Aus ovalen Holzstücken entstehen kleine Kunstwerke, die traditionsreiche Berchtesgadener War. Die Bischofswieser Holzbildhauerin Barbara Moderegger fertigt das ganze Jahr über von Hand den Christbaumschmuck, der im Berchtesgadener Raum einzigartig ist. Wo normalerweise Kugeln hängen, kann es hier schon ein Klohäuschen sein - und seit heuer auch mal eine Gießkanne.

Bischofswiesen - Auf dem kleinen Holzofen in der Ecke der Werkstatt steht meistens Barbara Modereggers Mokka-Kännchen. Heute ist es ein kleines Töpfchen, in dem maßgenau geschnittene Furnierstreifen vor sich hin köcheln. Die Streifen bringt Barbara Moderegger “in Form”. Dazu hat sie ein Holzmodell gefertigt, in das das Furnier gedrückt wird.

Künftig sind die zum “U” gebogenen Bänder die Henkel für die kleinen Gießkannen, die mit Expressleim befestigt werden. Jedes Holzspielzeug setzt sich aus vielen Arbeitsschritten zusammen, vom Holzrohling bis zum Endprodukt. Die Gießkanne ist Modereggers neueste Kreation. Ihre Freude darüber ist groß: “Wenn aus einer Idee Wirklichkeit wird und man den Kniff raus hat, wie man es am besten macht, ist das ein gutes Gefühl”, sagt sie. Künftig werden die roten, grünen oder weißen Gießkannen-Miniaturen an hunderten Christbäumen hängen, so viel ist sicher.

Holzkunst hat großen Wert

Auf den Fortbestand der Holzkunst wird im Landkreis Berchtesgadener Land großen Wert gelegt. Die Landkreisverwaltung betreibt die Berchtesgadener Handwerkskunst, die wiederum die Ware bei Künstlern wie Barbara Moderegger ordert. 

So kurz vor Weihnachten ist die Nachfrage nach der Berchtesgadener War enorm. Die holzhandwerklichen Erzeugnisse werden seit langem traditionell in Handarbeit gefertigt und bemalt. Berchtesgadener War ist eine seit Ende des 15. bis Anfang des 19. Jahrhunderts zu Fuß und auf Kraxen vertriebene Ware kunsthandwerklichen Holzspielzeugs. Gespielt wird damit kaum mehr. Am traditionellen Berchtesgadener Christbaum sind die Produkte aber noch zu finden. Die wohl bekannteste “War” ist das sogenannte Arschpfeifenrössl - ein Pferd samt Reiter. Der Schweif ist eine kleine Pfeife. “Klassisches Holzspielzeug”, sagt Barbara Moderegger. Vor ihr stehen dutzende, halbfertige Gießkannen. 

Prall gefüllter Terminkalender

Der Terminkalender der gelernten Holzbildhauerin ist prall gefüllt. Sie befindet sich auf der Zielgeraden, im Schlussspurt kurz vor Beginn der Vorweihnachtszeit. Auf dem Berchtesgadener Advent hat sie gemeinsam mit zwei weiteren Künstlerinnen eine Hütte gepachtet. Seit zwölf Jahren ist der Christkindlmarkt ihr zweites Zuhause. 

Im Jahr 2010 hat sie mit der Produktion des Holzspielzeugs begonnen. Jedes Jahr erweiterte sie ihr Angebot und ein neues Teil kam hinzu: Wäschemangel, Stehleiter, Standuhr und Koffer, alles aus Holz, alles im Kleinformat. Auch einen Bierkasten und eine Motorsäge hat Barbara Moderegger als weihnachtlichen Schmuck im Portfolio. Schließlich will sie mit der Zeit gehen. Die Kundschaft verlangt das. Trotz all der Tradition sind es vor allem die aktuellen, modernen Produkte, die das Handwerk am Leben erhalten, weiß die Künstlerin.  

Immer viele neue Ideen

Barbara Moderegger hat sich viele Gedanken gemacht, was sie für das Weihnachtsgeschäft neu ins Programm aufnehmen möchte. “Ideen habe ich immer viele. Die Frage ist nur, wie ich sie umsetze”, sagt sie. Schließlich fiel die Entscheidung auf eine Gießkanne. Tatsächlich war die Neugier bereits im Frühjahr groß, was dieses Jahr wohl neu am Berchtesgadener Christbaum zu finden ist: “Die Leute fragen mich häufig, woran ich gerade arbeite und was als nächstes an den Baum kommt”, sagt sie. Bis in den November hinein blieb die unverdächtige Gießkanne ihr Geheimnis. Erst jetzt hat sie es gelüftet. 

Dass Barbara Moderegger mit Herzblut bei der Sache ist, beweist die ehemalige Absolventin der Berufsfachschule für Holzschnitzerei und Schreinerei des Landkreises Berchtesgadener Land bei jedem der zahlreichen Arbeitsgänge, die im Christbaumschmuck stecken. Für die Motorsäge sind es etwa ein Dutzend, ähnlich viele sind es beim Gießgefäß. “In meiner Werkstatt ist es heimelig. Da fühle ich mich wohl”, sagt die Bischofswieserin. Die Zeit verfliegt dort wie im Flug. Aus dem Smartphone tönt währenddessen rockige Musik, während vor ihr die wenige Zentimeter großen Gießkannen im Dutzend auf weitere Bearbeitung warten. 

Musik und Mokka

Musik und Mokka - für die Handarbeitende machen sie das Werkstatt-Dasein perfekt. Das ganze Jahr über produziert Barbara Moderegger, die auch Volkshochschulkurse gibt, fleißig vor, damit in der Vorweihnachtszeit, wenn die Nachfrage am größten ist, ausreichend Teile zur Verfügung stehen. Die Gießkanne entsteht aus einem langen, ovalen Stück Holz, das mit der Fräse in Form gebracht und in Abschnitte aufgeteilt wird. Aus jedem einzelnen ergibt sich ein Gießkannenkörper.

Zwei Bohrlöcher zieren die Kanne, eines ist größer, das andere kleiner und schräg ins Holz getrieben. Dort hinein wird der Ausgießer verankert und das Brausemundstück der Miniatur-Gießkanne. Das Einzelteil ist in Drechselarbeit entstanden. In einer Plastikkiste lagern hunderte davon und warten darauf, verarbeitet zu werden. Mit Beize lässt Barbara Moderegger das Holz ein. Dabei bleibt die Maserung gewahrt, “anders als bei normaler Farbe.” 

Charakteristisch für den Christbaumschmuck sind die Blümchenstempel, die sich auf fast jedem Teil finden. Barbara Moderegger hat die Stempel aus Holz gefertigt. Diese sind mit mehreren “Stiften” bestückt, die in Farbe getaucht und dann auf der Gießkanne verewigt werden. 

Grobschnitzereien Buttnmandl.JPG

Freunde des Berchtesgadener Christbaumschmucks gibt es viele. “Ein paar kritische Stimmen gibt es aber auch”, weiß die Künstlerin. Ein Klohäuschen am Weihnachtsbaum? “Das Christkind muss auch mal”, entgegnet Barbara Moderegger dann mit einem Lächeln.

Um die Nachfrage für die Adventszeit stillen zu können, hat sie vorgesorgt. In einer Kiste warten ein paar Dutzend Mini-Kramperl und Buttnmandl. Entstanden sind die zwölf Zentimeter hohen Figuren als Grobschnitzarbeit, Nikolaus inklusive. Barbara Moderegger weiß, dass die Nachfrage größer sein wird als das Angebot. Wenn sie weg sind, sind sie weg. “Das ist schließlich alles Handarbeit.” 

kp 

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