BGL-Landrat Kern zu aktueller Lage und 15-Kilometer-Regel

„Es sind für die momentan angespannte Infektionslage zu viele Tagestouristen!“

„Festzuhalten ist, dass es jedenfalls für die momentan angespannte Infektionslage zu viele Tagestouristen sind“, erklärt Berchtesgadens Landrat Bernhard Kern (CSU) gegenüber BGLand24.de.
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„Festzuhalten ist, dass es jedenfalls für die momentan angespannte Infektionslage zu viele Tagestouristen sind“, erklärt Berchtesgadens Landrat Bernhard Kern (CSU) gegenüber BGLand24.de.

Wie sieht Bernhard Kern, Landrat des Kreises Berchtesgadener Land, die aktuelle Lage und die ab Montag für seinen Landkreis geltenden 15-Kilometer-Regelung? BGLand24.de hat mit ihm darüber gesprochen.

Landkreis Berchtesgadener Land - Ab kommenden Montag, den 11. Januar tritt für Hotspots die 15km-Regelung in Kraft. Derzeit sieht es so aus, als würde sich dadurch für Bewohner des Berchtesgadener Lands eine bizarre Situation ergeben: Sie selbst dürften sich nur noch 15 km von ihrem Wohnort entfernen. Ausflügler aus ganz Bayern dürften dagegen weiterhin, theoretisch, in die Berge fahren.


Aufgrund der weiterhin hohen Corona-Infektionszahlen im Berchtesgadener Land fordert das Landratsamt bereits in einer Pressemitteilung dringend dazu auf, von Tagesausflügen in den Landkreis abzusehen. Um hohe Besucherzahlen an touristischen Hotspots zu vermeiden, wird die Polizei in den kommenden Tagen vermehrt an den Grenzübergängen, Zufahrtsstraßen und Ausflugszielen im Berchtesgadener Land Schwerpunktkontrollen durchführen. BGLand24.de hat mit Berchtesgadens Landrat Bernhard Kern (CSU) über die aktuelle Lage gesprochen.

BGland24.de: Sehen Sie die aktuelle Gestaltung der 15 Kilometer-Regel als anstehendes Problem, vor allem hinsichtlich der Akzeptanz für die Maßnahmen in der Bevölkerung?


Kern: Es besteht natürlich die Möglichkeit, dass eine weitere Verschärfung der Regelungen zu Unmut führen kann, ein tiefgreifendes Akzeptanzproblem ist aber nicht ersichtlich. Hier ist abzuwarten, wie die Regelungen dann konkret ausgestaltet sind.

Wie stellt sich allgemein aus Ihrer Sicht die Situation hinsichtlich auswärtiger Ausflügler dar: Ist sie genauso wie immer oder kommen ungewöhnlich viele Leute?

Meist an Wochenenden ist eine stärkere Frequentierung der einschlägigen Ausflugsziele zu beobachten. Bei gutem Wetter sind natürlich mehr Ausflügler unterwegs, als bei schlechtem. Festzuhalten ist, dass es jedenfalls für die momentan angespannte Infektionslage zu viele Tagestouristen sind.

Wie ging es dem Landratsamt bisher mit der Situation?

Die Bevölkerung wurde bisher auf das erhöhte Infektionsrisiko und die Einhaltung der Hygieneregeln hingewiesen, auch die Polizei führte regelmäßig Kontrollen durch. Nach bestehender Rechtslage sind solche Tagesausflüge jedoch unter Einhaltung der Hygieneregeln noch erlaubt. 

Gibt es bereits Überlegungen, einem Ansturm während der 15km-Regelung in irgendeiner Form entgegenzuwirken?

Es ist in der jetzigen Situation nicht vorhersehbar ,ob überhaupt ein Ansturm kommen wird. Aufgrund der aktuell hohen Inzidenz im Landkreis BGL werden jedoch die Kontrollen durch die Polizei deutlich verstärkt. Wenn erforderlich, bietet die neue Verordnung des Freistaates Bayern die Möglichkeit, für den Landkreis eine erneute Allgemeinverfügung zu erlassen, mit der der Quellverkehr unterbunden wird.

Gemeinden der Region erleben unterschiedliche Mengen von Ausflüglern

Kürzlich sorgten Zustände am Schliersee und dem Spitzingsee für Schlagzeilen. Diese erlebten am Wochenende einen Ansturm von Ausflüglern. Auch am Sonntag war die Situation stellenweise außer Kontrolle. Der Ansturm ist enorm“, sagte der Bürgermeister von Schliersee, Franz Schnitzenbaumer. Hunderte Schlittenfahrer tummelten sich selbst auf kleinen Hügeln und die Skipisten wurden von Tourengehern bevölkert. Auf Nachfrage von chiemgau24.de berichtete Michael Holzner, stellvertretender Regionalleiter der Bergwacht Chiemgau, das Einsatzgeschehen halte sich noch in Grenzen für die Retter der Wacht. Mit Besorgnis werde allerdings das verstärkte Risiko schlimmer Rodel-Unfälle aufgrund der Vereisung der Rodelpisten gesehen.

Die Gemeinden der Region berichteten unterdessen gegenüber rosenheim24.de verschiedene Eindrücke der aktuellen Lage. „Die Berge sind offenbar für manche Leute mittlerweile eine riesengroße Fun-Arena! Leider!“, klagte der Bürgermeister von Aschau im Chiemgau, Simon Frank (Zukunft für Aschau). Auch von der Winklmoosalm wurde ein erheblicher Ausflügler-Ansturm berichtet, welcher bereits zur vorübergehenden Schließung des dortigen Parkplatzes führte. Dagegen berichteten etwa Bergen, Siegsdorf und Ruhpolding keinen nennenswerten Anstieg der Ausflügler-Zahlen oder Probleme mit ihnen.

Ein weiterer Artikel mit Stellungnahmen aus anderen Landkreisen und Gemeinden folgt voraussichtlich am Montag.

hs

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