Pressemitteilung Bernhard Kern/Rudi Koller

Weihnachtsschütze trifft auf Aperschnalzer

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Rudi Koller, Vorsitzender der Weihnachtsschützenvereinigung, traf sich am Wochenende mit Bernhard Kern, jahrzehntelanges Vorstandsmitglied bei der Vereinigung der Aperschnalzer im Rupertiwinkel.

Berchtesgadener Land - Kaum sind die Glocken der Buttnmandl verhallt, sind ab dem 17. Dezember die Weihnachtsschützen im Berchtesgadener Talkessel zu hören und kündigen mit lautstarken Salven die Geburt Christi an.

Im Rupertiwinkel dagegen steigt die Spannung auf den Stefanitag, an dem die Aperschnalzer mit ihren Goaßln beginnen, die Winterdämonen auszutreiben. Rudi Koller, Vorsitzender der Weihnachtsschützenvereinigung, traf sich am Wochenende mit Bernhard Kern, jahrzehntelanges Vorstandsmitglied bei der Vereinigung der Aperschnalzer im Rupertiwinkel. Bei der Zusammenkunft wurde deutlich, wie viel die beiden Vereinigungen gemeinsam haben.


Das Brauchtum in unserer Gegend, im Berchtesgadener Land, ist nicht nur einzigartig, sondern auch vielfältig.Im Talkessel beherrschen die Weihnachtsschützen den beginnenden Winter. Die Brauchkultur der Berchtesgadener Weihnachtsschützen besteht aus dem Schießen mit Hand- und Schaftböllern in der Weihnachtszeit und zu besonderen Anlässen. Es handelt sich hierbei um einen sogenannten Lärmbrauch. Die Schießen werden an hohen kirchlichen Feiertagen, besonders in der Weihnachtszeit, durchgeführt. Hierbei werden Salutschüsse zu Ehren Christi abgefeuert. Bereits im Jahr 1666 wurde das Berchtesgadener Weihnachtsschießen erstmals urkundlich erwähnt. Das Brauchtum der Berchtesgadener Weihnachtsschützen hat über Jahrhunderte seinen Wert und seine Tradition behalten. Neben dem Schießen an sich leisten die Weihnachtsschützen auch weitere Beiträge zum Erhalt der Berchtesgadener Kultur. So wird auf das Tragen der Berchtesgadener Tracht besonderer Wert gelegt. Außerdem kümmern sich die Vereinigten Weihnachtsschützen seit Jahrzehnten um den Erhalt der Mundart. 2018 wurde das Berchtesgadener Mundartbuch aus dem Jahr 1985 neu aufgelegt. In den nächsten 10 Jahren erhalten alle Grundschulabgänger ein Exemplar und sollen so für den heimischen Dialekt sensibilisiert werden.

Das Aperschnalzen im Rupertiwinkel entwickelte sich in seiner heutigen Form zwischen den beiden Weltkriegen. Das lateinische Wort "apere", das so viel wie "schneefrei machen" oder übertragen "den Frühling herbeilocken" bedeutet, gibt den Aperschnalzern die Richtung vor. Mit dem rhythmischen Schnalzen, das heute in Passen bestehend aus neun Schnalzern ausgeübt wird, sollen die Winterdämonen ausgetrieben werden. Eine weitere Deutung ist, dass die Goaßln in früheren Zeiten als Verständigungsmittel zwischen den einzelnen Orten verwendet wurden. So stärkt das Brauchtum des Aperschnalzens auch das gesellschaftliche Miteinander, was auch heute noch klar im Vordergrund steht. Das winterliche Brauchtum wird vom 2. Weihnachtsfeiertag, dem Stefanitag, bis zum Faschingsdienstag, ausgeübt. Schon 1954 fand in Saaldorf das erste Preisschnalzen statt, das sich mittlerweile zur größten Winterbrauchtumsveranstaltung in der Region entwickelt hat. Etwa 80 Kinder- und Jugendpassen mit 700 Teilnehmerinnen und Teilnehmern und rund 140 Erwachsenenpassen mit 1.250 aktiven Schnalzern beteiligen sich jährlich am Preisschnalzen.


Rudi Koller und Bernhard Kern, die ihre jeweiligen Vereinigungen in den letzten Jahrzehnten maßgeblich mitgeprägt haben, konnten sich beim Gespräch an der Bachmannkapelle über die zahlreichen Gemeinsamkeiten austauschen, die die beiden Vereine miteinander verbinden. Sowohl die Weihnachtsschützen als auch die Aperschnalzer gehören zum Bayerischen Trachtenverband und damit zum Gauverband I. Die beiden Organisationen nehmen neben den vielen Trachtenvereinen alleine wegen der herausragenden aktiven Brauchtumsausübung eine besondere Rolle ein. Das liegt auch an deren Größe: Die Vereinigten Weihnachtsschützen mit ihren etwa 3300 Mitgliedern und die Schnalzervereinigung Rupertiwinkel mit den etwa 2000 aktiven Schnalzern zählen zu den größten Verbänden im Gauverband I.

Sowohl die Berchtesgadener Weihnachtsschützen als auch die Schnalzervereinigung beabsichtigen, sich in das weltweite immaterielle Kulturerbeverzeichnis der UNESCO eintragen zu lassen. 2013 wurde das Aperschnalzen als immaterielles Kulturerbe in Österreich anerkannt und in das österreichische Kulturerbeverzeichnis aufgenommen. Die Weihnachtsschützen sind seit 2018 im Bayerischen Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes. In Deutschland läuft bei beiden Vereinen die Antragsstellung noch. Diese ist Voraussetzung für die Aufnahme im internationalen Verzeichnis der UNESCO.

Seit vielen Jahren steht Bernhard Kern mit Rudi Koller im regen Kontakt und Austausch. Die beiden Dachverbände der Weihnachtsschützen und der Aperschnalzer haben oft eine gemeinsame Interessenlage im Gauverband I und auch beispielsweise bei der Anerkennung als immaterielles Weltkulturerbe. Im Gespräch erzählte Rudi Koller auch von Aktionen im vergangenen Jahr: "Ein Höhepunkt war die Einladung durch die Landtagspräsidentin Ilse Aigner am 2. Dezember zum Tag der Verfassung im bayerischen Landtag. 50 Weihnachtsschützen aus 14 Vereinen haben den Ehrensalut vor dem Maximilianeum geschossen. Die Brauchkultur der Weihnachtsschützen erfreut sich bei Alt und Jung nach wie vor großer Beliebtheit", sagt Rudi Koller, "in meiner nun über zwölfjährigen Amtszeit ist die Mitgliederzahl der Vereinigung sogar um 300 Schützen gestiegen, zurzeit zählen wir über 3.300 Mitglieder." Auch Bernhard Kern wies auf die große Bedeutung und auch Verantwortung hin, die durch so mitgliederstarke Vereinigungen entstehen. "3300 Schützen und 2000 Schnalzer zeigen, wie begeistert bei uns im Landkreis noch das Brauchtum gelebt wird. Das soll auch weiterhin so bleiben."

Wichtig ist den beiden gleichermaßen, dass dieses gelebte Brauchtum unverfälscht an die kommenden Generationen weitergetragen wird. "Jung und Alt erfreuen sich ungebrochen unserer Traditionen und unseres überlieferten Brauchtums. Das gilt vielleicht gerade heute, in unserer schnelllebigen, technischen und digitalen Zeit noch mehr!", so Bernhard Kern.

Bernhard Kern/Rudi Koller

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