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Auch kostenlose Angebote für Bürger geplant

Wasserstoff, PV-Anlagen, Solarthermie: BGL plant massive Investition in Energie und Klimaschutz

Wasserstoff PV-Anlage Windkraft
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Ein massiver Ausbau der erneuerbaren Energien und eine Wasserstoff-Strategie - das Berchtesgadener Land will in die Energiewende und den Klimaschutz investieren.

Von „wir werden kläglich scheitern“ bis „eine riesen Chance“: Der Umwelt-Kreisausschuss konkretisiert weitere Maßnahmen für die Energiewende und den Klimaschutz im Berchtesgadener Land. Mit dabei: eine grüne Wasserstoff-Strategie und kostenlose Angebote für Bürger.

Bad Reichenhall/Berchtesgadener Land - 965.300 Euro. Diese Summe soll der Kreis Berchtesgadener Land 2023 in den Klimaschutz investieren. Das hat zumindest der Umwelt-Kreisausschuss am Mittwoch (30. November) beschlossen. Der Ukraine-Krieg und die Energiekrise hätten die Rahmenbedingungen verändert, so Landrat Bernhard Kern (CSU). Deswegen werde der Kreis die Energiestrategie überarbeiten. Dazu gehört neben Wasserstoff auch die Windkraftpotenziale neu zu bewerten und die Biomasse als weiteren Baustein auszubauen. Zustimmen muss nun noch der Kreistag.

Am Mittwoch beschloss der Ausschuss - vorbehaltlich der Zustimmung des Kreistags - zahlreiche Einzelprojekte. Einige davon entstammen Anträgen der Grünen-Fraktion.

Wegen Lieferengpässen: Bau von PV-Anlagen verschiebt sich auf 2023

Der Kreis soll 2023 100.000 Euro in eine weitere Photovoltaik-Anlage investieren. Damit sind für 2023 insgesamt fünf PV-Anlagen auf kreiseigenen Gebäuden geplant: Auf der Realschule in Freilassing, dem Rottmayr-Gymnasium in Laufen, dem Sonderpädagogischen Förderzentrum St. Zeno in Bad Reichenhall, der Staatlichen Landwirtschaftsschule in Laufen und neu dazu: auf dem Ostflügel des Landratsamts in Bad Reichenhall.

Eigentlich sollten drei der Anlagen bereits 2022 gebaut werden. Doch die Aufträge konnten an keine Unternehmen vergeben werden. Der Grund: Lieferengpässe. Die PV-Anlagen sollen erneut Anfang 2023 ausgeschrieben werden. Klimaschutzmanager Manuel Münch hofft auf eine gewisse Entspannung am Markt. „Wir müssen aber deutlich längere Errichtungszeiten einplanen, etwa im kompletten Jahr 2023, um überhaupt Angebote zu bekommen“, so Münch. Somit plant das Berchtesgadener Land, sofern der Haushalt dies zulässt und der Kreistag die Aufträge beschließt, für 2023 eine Investitionssumme von rund 570.000 Euro nur für PV-Anlagen.

Grüner Wasserstoff für das Berchtesgadener Land

Der Energienutzungsplan soll um die Erstellung einer Wasserstoff-Strategie für den Landkreis erweitert werden. Das fordern die Grünen in einem Antrag, dem der Ausschuss zugestimmt hat.

Wasserstoff werde für die Energiewende zu einem immer wichtigeren Baustein, so Münch in seinem Sachvortrag. „Mithilfe der Elektrolyse kann aus Wasser und mit dem Einsatz von grünem Strom Wasserstoff als speicherbarer Energieträger gewonnen werden.“ Dieser könne wiederum als Brennstoff in Strom umgewandelt werden. Der Nachteil: „Bei jeder Umwandlung geht Energie in Form von nicht nutzbarerer Energie für den Nutzungszweck verloren.“

Auch Deutschland und Bayern verfolgt eine Wasserstoffstrategie. Der Landkreis wolle diese ergänzen: durch regionale Erzeugung, Verteilung und Nutzung von Wasserstoff, mit dem Ziel Wirtschaftskreisläufe und die regionale Wertschöpfung zu stärken. Sinn mache nur grüner Wasserstoff, so Münch. Dieser kann nur durch erneuerbare Energien erzeugt werden, was wiederum einen massiven Ausbau von Sonnenenergie, Wind- und Wasserkraft voraussetzt. Deswegen soll die Wasserstoffstrategie eng in den Energienutzungsplan des Landkreises einbezogen werden. 2024 könnten bereits erste konkrete Projekte entwickelt werden.

Simon Köppl (Grüne) sieht den Aufbau einer Wasserstoffstrategie als eine riesen Chance für die Wirtschaft. „Da entsteht ein neuer Industriezweig.“

Regenerativ Wärme gewinnen: Anreize für Bürger, Firmen und Kommunen

Ein Fünf-Punkte-Maßnahmenpaket soll bei Bürgern, Unternehmen und Kommunen Anreize schaffen, selbst Geld in die Hand zu nehmen und in regenerative Wärmeerzeugung zu investieren. Arbeitet meine Solarthermieanlage - meine Heizung - noch effizient oder gehört diese überholt? Der Kreis will 500 kostenlose Vor-Ort-Checks in den Häusern der Bürger fördern.

Für Unternehmen soll eine Veranstaltungsreihe zur effizienten Wärme und Kälteerzeugung organisiert werden - samt kostenloser Erstberatung. Für Kommunen plant der Kreis einen Leitfaden, wie Energieeffizienz und erneuerbare Energien in eine Bauleitplanung integriert werden können. Landkreiseigene Gebäude sollen außerdem zeitnah vollständig durch erneuerbare Energien versorgt werden. Und unter allen Gruppen sollen jährlich Preise an zwei besondere Maßnahmen vergeben werden.

Zwischen Kritik und Optimismus: „Wir werden kläglich scheitern“

Zweifel an den Klimazielen des Landkreises hat Bernhard Heitauer (CSU): „Wenn wir 1955 hätten, dann wäre ich überzeugt, dass wir die Maßnahmen auch in kürzester Zeit umsetzen würden. Aber im Jahr 2022 behaupte ich: Wir werden mit den ganzen Projekten kläglich scheitern. Wir werden in den nächsten Jahren eine solche Bauchlandung machen.“ Elektromobilität, grüner Wasserstoff, der Bau von Wasserkraftwerken oder PV-Anlagen auf Freiflächen. Sowohl die Vorgaben durch den Staat als auch die Meinung der Bevölkerung werde die Projekte verhindern, so Heitauer.

„Ich bin überrascht, wie schlecht die Energiewende immer geredet wird“, so Köppl. Er sehe halbwegs optimistisch in die nächsten Jahre - trotz der riesigen Herausforderungen. Auch Landrat Kern und Roman Niederberger (SPD) sehen optimistischer in die Zukunft. „Die Aufmerksamkeit für diese Themen ist jetzt eine ganz andere als vor fünf Jahren“, so Niederberger, Wichtig sei, die Vorhaben auch entsprechend an die Bevölkerung zu kommunizieren.

ce

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