Freunde treffen, Biergarten, Brotzeit machen

Umfrage im Landkreis Berchtesgadener Land: „Was machen Sie als Erstes, wäre Corona morgen Geschichte?“

Corona-Umfrage: Franz Schmid und Robert
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Corona-Umfrage: Franz Schmid und Robert

Was würden die Bürger im Berchtesgadener Land gerne machen, wenn Corona morgen vorbei wäre? Wir haben nachgefragt.

Berchtesgadener Land - Am vergangenen Mittwoch waren es 20 Wochen Lockdown im Berchtesgadener Land, Ende nächster Woche werden es fünf Monate. Langsam kehren Lockerungen ein. Doch vermutlich wird es noch lange dauern, bis die Menschen hier wieder halbwegs Normalität genießen dürfen. Wir haben uns im Berchtesgadener Land umgehört, was die Menschen als Erstes machen würden, wäre die Pandemie morgen Geschichte und wieder „alles“ möglich.

Dabei kam – freilich nicht repräsentativ – heraus, dass vor allem das Gemeinschaftliche, also das Gesellige fehlt: „Freunde treffen, in den Biergarten gehen, dort gemütlich Brotzeit machen“, waren die häufigen Antworten und sind zentrale Dinge, die den Menschen im Landkreis offenbar am meisten fehlen. Es zeigt sich eines ganz deutlich: Die tatsächlichen sozialen Kontakte – nicht jene im Internet – sind das, was die Menschen am meisten vermissen, in diesen schwierigen Zeiten.

Die Reichenhaller Franz Schmid (50) und Robert Richter (65) würden als Erstes sofort in einen Biergarten gehen, um an einem sonnigen Tag eine kühle Maß zu genießen und gemütlich Brotzeit zu machen. „Und die Leute anschauen“, schiebt Richter, ehemaliger Fußball-Schiedsrichter, hinterher.

Alexander Schug aus Laufen schlägt in die gleiche Kerbe: „Freunde treffen, draußen sitzen, ein Bier trinken“, darauf freut sich der 51-Jährige erstmal am meisten. Danach will er einfach nur „frei einkaufen“ gehen, ungehemmt ohne Limitierungen oder andere Corona-Regeln.

Corona-Umfrage - Alexander Schug

Leni Rasp aus Karlstein freut sich einfach, wenn das alles vorbei ist: „Es wäre schön, einfach irgendwo zum Essen hinzugehen, wann ich will – und nicht, wann es mir erlaubt wird.“ Mit ihrem Mann Max geht sie am liebsten in die Berge und sitzt nach der Tour gemütlich vor einer Almhütte. „Wir hoffen, dass das bald wieder möglich sein wird.“

Christoph Ennemoser (41) aus Bad Reichenhall sagt, er müsse jetzt keine neue Kleidung kaufen: „Da hab ich noch genug“, schmunzelt der Raumausstatter. „Aber das Treffen mit Freunden fehlt schon sehr, das gemütliche Zusammensitzen“.

Seine Mitarbeiterin Mathea Schuhbeck (22) aus Teisendorf würde „so gern mal wieder ins Kino gehen und sich mit Leuten treffen, um einfach ungezwungen wegzugehen“.

Frauke Rieder (58) würde einen lauten „Juhuuu“-Jubelschrei vom Stapel lassen, wäre Corona morgen wie weggeblasen. „Ich freue mich erstmal riesig, wenn ich wieder arbeiten dürfte.“ Die Reichenhallerin ist in der Gastronomie beschäftigt und sitzt seit über 20 Wochen auf dem Trockenen. „Das geht schon brutal an die Substanz“, sagt sie mit reichlich Wehmut in der Stimme. „Die Gefühlsschwankungen, was das betrifft, sind extrem – und dann geht es mir überhaupt nicht gut.“

Corona-Umfrage - Frauke Rieder

Heike Gruner (49) aus Schönau am Königssee fällt bei unserer Frage sofort das Schlagwort „Reisen“ ein. Sie vermisst ihre Freunde in Norddeutschland und würde sie so gerne schnellstmöglich besuchen. Im Winter ist sie als Pressesprecherin des deutschen Bob- und Schlittenverbandes (BSD) fast jedes Wochenende unterwegs. Wenn morgen alles vorbei wäre, mit dieser Pandemie, würde sie jedoch sofort auf ein „liebgewonnenes, sommerliches Ritual“ zurückgreifen: „Nach Bad Reichenhall fahren und ein paar Runden im Gradierwerk drehen. Dann gemütlich bei Kaffee und Kuchen das Leben in der Fußgängerzone beobachten und schließlich einen schönen Film im wunderbaren Park-Kino anschauen“.

Robert Ullrich möchte einfach mal wieder mit seinen Freunden Fußballspielen, der Zehnjährige kickt bei der E2-Jugend des TSV Bad Reichenhall. Seine Schwester Sara (7) wäre schon froh, ihre ganzen Mitschülerinnen und -schüler „auf einmal“ zu sehen. Vor allem das Maskentragen nervt die Nachwuchsmusikerin. Die Geschwister sehnen sich danach, wieder zu reisen, zur Oma nach Thüringen oder nach Kroatien, dem Geburtsland ihrer Mama, um wieder im Meer zu schwimmen.

Corona-Umfrage - OB Christoph Lung

Kurstadt-Oberbürgermeister Dr. Christoph Lung (31) sagt spontan: „Wenn morgen alles wieder möglich wäre, würde ich als erstes mit Freunden in einem Reichenhaller Lokal einen gemütlichen Abend verbringen – bei gutem Essen und genussvollen Getränken. Corona zeigt uns den Wert von Dingen, die man sonst als selbstverständlich nimmt – vor allem die Geselligkeit, Gemeinschaft und den Zusammenhalt. Ich freue ich deshalb wieder auf die vielen Veranstaltungen und Angebote in unserer Stadt.“

bit

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