Hochleistungssamstag im Berchtesgadener Land

Vermisste Neunjährige und Bergunfälle beschäftigen Retter

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Landkreis - Zahlreiche Einsätze haben ehrenamtliche Retter am Wochenende beschäftigt. Darunter auch eine vermisste Neunjährige, die in der Weißbachschlucht ausgebüxt ist.

Am 28. Juli waren aufgrund des schönen Ausflugswetters die ehrenamtlichen Einsatzkräfte von Berg- und Wasserwacht enorm gefordert. Ab Mittag bis zum späten Abend mussten sie zu drei Rettungen am Hochkalter und im Göll-Alpeltal, einer Vermisstensuche nach einem neunjährigen Mädchen in der Weißbachschlucht und zum großen Sanitätsdienst beim Thumsee-Open-Air der Reichenhaller Philharmonie ausrücken.

Gegen 12.40 Uhr ging es los für die Bergwacht Ramsau, die zusammen mit der Besatzung des Traunsteiner Rettungshubschraubers "Christoph 14" eine Bergsteigerin mit gebrochenem Sprunggelenk vom Hochkalter-Abstieg ins Ofental retten musste. Der Pilot ließ nach dem Überflug den Arzt über die Kufe an der Einsatzstelle im Bereich der Sandreiße aussteigen und landete dann in der Ramsau. Der Notarzt versorgte die 47-Jährige und bereitete sie zum Abtransport mit dem Hubschrauber vor. Per Tau wurde die Berchtesgadenerin dann nach Ramsau zum Sportplatz geflogen – von dort aus ging es mit dem Rettungswagen des Roten Kreuzes weiter zur Kreisklinik Bad Reichenhall.

Gegen 14.40 Uhr meldete eine Urlauberfamilie aus Nordrhein-Westfalen über Notruf, dass ihre neunjährige Tochter beim Wandern durch die Weißbachschlucht zwischen Schneizlreuth und Weißbach an der Alpenstraße seit 20 Minuten verschwunden und nicht mehr aufgetaucht war. Die Eltern und die Schwester befürchteten, dass das Kind unbemerkt in den reißenden Gebirgsbach gestürzt und abgetrieben worden war. Die Einsatzleiterin der Reichenhaller Bergwacht veranlasste sofort eine große Vermisstensuche, an der neben den Bergwachten Bad Reichenhall und Teisendorf-Anger auch die gemeinsame Canyon-Rettungsgruppe von Berg- und Wasserwacht und die Schnell-Einsatz-Gruppe (SEG) der BRK-Wasserwacht Bad Reichenhall teilnahmen, die am nahen Thumsee gerade Wachdienst beim Badebetrieb leistete. Die Rettungshubschrauber in der Region waren aufgrund des schönen Wetters bereits alle gebunden, wobei "Christoph 14" auf dem Rückflug von Rosenheim war und nach einem Tankstopp in Traunstein ebenfalls ins Einsatzgebiet flog. Die nach nur wenigen Minuten eintreffenden ersten Retter suchten die Schlucht von allen Seiten aus in einer so genannten Zangentechnik ab und befragten andere Wanderer, die ebenfalls nach dem Kind Ausschau hielten und schließlich wertvolle Hinweise geben konnten. Eine Gruppe hatte das unverletzte Mädchen rund zehn Minuten zuvor alleine unterhalb des Mauthäusls am Wasser gesehen und dann verfolgt, wie es bachabwärts nach Osten weitergegangen war, wo es gegen 15.15 Uhr direkt einem Canyon-Retter der Reichenhaller Bergwacht in die Arme lief, der den Weißbach flussaufwärts abgesucht hatte. Der Bergwachtmann brachte das Mädchen zum Mauthäusl, wo bereits Mutter und Schwester warteten und suchte dann flussabwärts den Vater des Kinds, der noch immer auf der Suche in der Schlucht war und aufgrund des fehlenden Handynetzes erst verspätet erfahren hatte, dass seine Tochter unversehrt aufgetaucht war. Er brachte den erleichterten Mann dann per Fahrzeug zum Mauthäusl zurück, wo kurz nach 16 Uhr die komplette Familie wieder vereint war und erleichtert beim Wirt einkehren konnte.

Drei Einsätze bei "Der Thumsee brennt"

Zu dieser Zeit ging ein weiterer Notruf für die Ramsauer Bergwacht wegen Hilferufen in rund 2.450 Metern Höhe am Hochkalter-Abstieg ins Ofental ein. Der Pilot des Salzburger Notarzthubschraubers "Christophorus 6" suchte mit einem ortskundigen Ramsauer Bergretter nach der Einsatzstelle, wobei die Retter dann gegen 16.30 Uhr einen Bergsteiger fanden, der sich offenbar im freien Gelände verstiegen hatte und blockiert nach Hilfe rief. "Christophorus 6" montierte bei einer Zwischenlandung das Rettungstau und flog den Bergsteiger dann per Tau aus seiner misslichen Lage ins Tal aus.

Ab 17 Uhr waren zehn ehrenamtliche Kräfte der BRK-Bereitschaft inklusive Arzt und vier Einsatzkräfte der BRK-Wasserwacht Bad Reichenhall dann zur Absicherung des Open-Air-Konzertes "Der Thumsee brennt" im Einsatz. Sie mussten insgesamt drei Patienten mit einer Schulter- und einer Knieverletzung sowie einem Bienenstich versorgen. Insgesamt verlief der Sanitätsdienst harmonisch und ruhig.

Gegen 18.20 Uhr liefen gleichzeitig die nächsten beiden Berg-Notrufe in der Integrierten Leitstelle Traunstein auf: Auf dem Weg zur Toni-Lenz Hütte am Untersberg hatte sich ein Wanderer am Sprunggelenk verletzt. Die Marktschellenberger Bergretter fuhren mit dem Einsatzfahrzeug zur Patientin, die sich rund 20 Gehminuten vom Parkplatz entfernt auf der Forststraße befand, versorgten sie und brachten sie ins Tal.

Gleichzeitig war im Göll-Alpeltal im unteren Drittel des Steigs ein 48-jähriger Mann rund zwei Meter abgestürzt. Die Bergwacht Berchtesgaden und ihr Bergwacht-Notarzt machten sich zu Fuß auf den Weg zum Unfallort – kurze Zeit später landete auch "Christoph 14" an der Scharitzkehlalm und transportierte weitere Einsatzkräfte und Ausrüstung zum Patienten. Der Mann hatte sich unter anderem am Kopf und an der Hand verletzt und wurde am 25-Meter-Rettungstau in die Scharitzkehl ausgeflogen und dann von "Christoph 14" mit zum Klinikum Traunstein genommen.

Pressemitteilung des Bayerischen Roten Kreuzes - Kreisverband Berchtesgadener Land

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