Nach einsatzreichen Pfingstferien im Berchtesgadener Land

Bergwacht appelliert: "Bergsteigen muss man lernen wie schwimmen"

David Pichler bestätigt: Bergwacht muss auch wegen Selbstüberschätzung ausrücken.
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Auch in Corona-Zeiten ist die Bergwacht-Region Chiemgau wie immer im Einsatz. Geschäftsführer David Pichler appelliert an die Bergsteiger, sich selbst richtig einzuschätzen.

Berchtesgadener Land - Sobald das Wetter schön ist, treibt es Autokolonnen in Richtung Berge. Die Ausflugsregionen in Oberbayern können ein Lied davon singen. Auch bei uns sind die Wanderparkplätze überbelegt. Doch nicht jeder ist auf seine Tour ausreichend vorbereitet. Immer wieder muss die Bergwacht ausrücken.

"Es ist in unseren Einsätzen spürbar, dass die Leute die Lockerungen der Corona-Maßnahmen genutzt haben, um in die Berge zu fahren", erklärt David Pichler, der Geschäftsführer der Bergwacht-Region Chiemgau, gegenüber BGLand24.de. Wie seine Kameraden weiß er, dass der Bergsport seit Jahren boomt, aber Corona habe den Trend noch weiter verstärkt. "Viele haben durch die strikten Maßnahmen den Zugang zur Natur gefunden, angefangen Sport zu machen", vermutet Pichler.


In Pfingstferien über 25 Einsätze am Berg

Doch genau da liegt das Problem. "Bergsteigen muss man lernen wie schwimmen. Ich kann nicht im Meer baden, wenn ich Nichtschwimmer bin", zieht der Bergwacht-Geschäftsführer den Vergleich. "Du kannst auch nicht auf die höchsten Berge steigen, wenn du es nicht trainiert hast." Mehr als 25 Einsätze hatte die Bergwacht im Berchtesgadener Land in den Pfingstferien, vom Kreislaufkollaps bis zum tödlichen Absturz.

Bergunfall am Hohen Göll - BRK im Großeinsatz - Urlauber (57) trotz Bemühungen verstorben

 © BRK Kreisverband Berchtesgaden
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"Das Phänomen Altschneefelder haben wir im Frühjahr immer, aber in diesem Jahr war es besonders dramatisch", muss auch David Pichler zugeben. Innerhalb von vier Tagen mussten die Einsatzkräfte dreimal an den Hohen Göll ausrücken, um Urlauber zu retten, die aufgrund des Schnees nicht mehr weiterkamen. "Beim dritten Einsatz konnten wir den Bergsteiger nur noch tot bergen", bedauert Pichler.

Bergwacht gefordert: 4 Tage, 4 Einsätze, 1 Toter

Danach hatten die Pächter des Purtschellerhauses am Hohen Göll in einem Facebook-Post eine klare Warnung veröffentlicht: "Leute, bitte passt auf!!! 4 Tage, 4 Einsätze, 1 TOTER!! Der Hohe Göll, sowie der Weg zum oder vom Kehlsteinhaus ist NICHT begehbar!!! LEBENSGEFAHR!!!" Der Post wurde über 1000 Mal geteilt.

An den Hohen Göll musste die Bergwacht dann erstmal nicht mehr ausrücken, aber sobald das Wetter schön, die Wanderparkplätze voll und die Gäste auf den Bergen waren, hatten auch die Retter immer was zu tun. Deshalb hat der Bergwacht-Geschäftsführer eine Bitte und ein paar Tipps: "Bitte holen sie sich vernünftige Informationen über ihre geplante Route ein. Klären sie vorher ab, ob die Wege begehbar sind."

Wie bei allem sind die sozialen Medien in diesem Bereich sowohl Fluch als auch Segen. "In den sozialen Medien kursieren viele Tipps über Bergtouren. Es gibt Tipps, die man sonst nicht wissen könnte, wenn ein Weg nicht begehbar ist, weil eine Brücke eingestürzt ist beispielsweise." Aber durch die vielen Informationen ist es für die User auch oft schwer einzuschätzen, wie die Tipps gemeint sind. Darum appelliert David Pichler: "Hinterfragen Sie die Informationen aus den sozialen Medien.Oft weiß man nicht, ob es ein vernünftiger Weg ist." Denn auch Geheimtipps sind somit für jeden zugänglich.

Nötige Vernunft bei Tourenplanung gefordert

Grundsätzlich appelliert die Bergwacht an die Eigenverantwortung der Bergsteiger. "Bitte gehen Sie mit der nötigen Vernunft an die Sache ran!" Anständige Tourenplanung, richtige Ausrüstung, ausreichend Proviant sind dabei nur einige Tipps, die die Wanderer beachten sollten. Denn auch die Retter bereiten sich vor.

Bergwacht Ramsau und zwei Helikopter wegen medizinischen Notfällen im Einsatz

 © BRK Kreisverband Berchtesgadener Land
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"Seit 1. Juni dürfen wir unter Einhaltung eines Hygienekonzepts und bestimmter Auflagen wieder Übungen abhalten", bestätigt David Pichler. "So sind unsere Retter alle wieder auf dem Stand." Vor allem, da der Infektionsschutz mittlerweile genauso zum Risikokonzept gehört wie der Steinschlag. Zu Helm und Klettergurt gesellt sich deshalb seit Mitte März auch der Mund-Nasen-Schutz.

Den werden die Bergwachtler diesen Sommer sicher noch öfter benötigen. Die Berchtesgadener Land Tourismus GmbH geht davon aus, dass der Sommer ähnlich gut gebucht sein wird wie im vergangenen Jahr. Da waren die Bergretter von Januar bis Dezember insgesamt 1152 Mal gefordert.

cz

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