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Berchtesgadener Land: Stand der Dinge ein Jahr nach verheerendem Hochwasser

„Ereignisse wie im Sommer 2021 können jederzeit wieder auftreten!“

Heftige Regenschauer: So sah das Grundstück am Samstag (17. Juli) aus.
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Ein Bild, das um die Welt ging. Am 17. und 18. Juli wurde das Berchtesgadener Land von schweren Unwettern getroffen. Es kam zu Überschwemmungen - wie hier in Bischofswiesen - und Murenabgängen (Archivbild).

Vor knapp einem Jahr wurde Bischofswiesen von einem verheerenden Unwetter heimgesucht. Einen Monat darauf kam es im gesamten Landkreis Berchtesgadener Land zu einem derartigen Hochwasser, dass der Katastrophenfall ausgerufen wurde. Wir haben uns erkundigt, was sich seitdem getan hat.

Bischofswiesen/Landkreis Berchtesgadener Land - „Alle bekannten Schäden an Gewässern und Anlagen sind weitgehend behoben. Die wichtigsten Schäden konnten wir zeitnah noch in 2021 sanieren. Noch ausstehende Restarbeiten werden bis Herbst 2022 erledigt. Die Schutzwirkung der Anlagen ist in vollem Umfang wiederhergestellt“, berichtet Rainer Stemmer, Abteilungsleiter für den Landkreis Berchtesgadener Land des Wasserwirtschaftsamts Traunstein. „Am Grünstein im Bereich Waldhauser- und Vorbergsiedlung in der Gemeinde Schönau am Königssee haben wir nach dem Ereignis vom Juli 21 kurzfristig geschiebelenkende und -rückhaltende Maßnahmen umgesetzt, um den Schutz der Bebauung zu verbessern. Mittelfristig soll dort ein Hochwasserschutz umgesetzt werden. Die Planungen hierfür sind bereits angelaufen.“

Massive Hochwasser im Juni und Juli 2021 im Berchtesgadener Land

Am 9. Juni des vergangenen Jahres fegte ein heftiges Unwetter über Bischofswiesen hinweg. Durch den Starkregen entstand eine Sturzflut. Straßen wurden überflutet, Keller liefen voll und Schlamm drang in Häuser ein. An diesem Abend waren rund 130 Ehrenamtliche der Freiwilligen Feuerwehren im Einsatz. Doch es kommt im folgenden Monat noch schlimmer. Am 16. Juli fahren noch BRK-Wasserretter nach Nordrheinwestfalen, um bei der Flutkatastrophe den Betroffenen zu helfen. Am nächsten Tag erreicht ein Unwetter dann das Berchtesgadener Land und hinterlässt Schäden, die kaum vorstellbar sind. Landrat Kern ruft den Katastrophenfall aus. Die Lage im südlichen Landkreis ist dramatisch und eskaliert - zwei Menschen sterben. Am Samstag und in der Nacht auf Sonntag sind hunderte Einsatzkräfte in den betroffenen Gebieten und versuchen zu retten, was noch zu retten ist. Die Schwerpunkte: Bischofswiesen, Berchtesgaden, Marktschellenberg und Schönau am Königssee. Die Pegel der Flüsse erreichen Rekordhöhen, weit über den Pegelständen vom Hochwasser 2013.

Die Politik sagt den Betroffenen Unterstützung zu. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder macht sich gemeinsam mit damals nur Kandidat, jetzt Bundeskanzler, Olaf Scholz ein Bild der Zerstörung. Sie besuchen die schwer getroffene Vorbergsiedlung und die vollkommen zerstörte Bob- und Rodelbahn in Schönau am Königssee. Söder richtet sich mit persönlichen Worten an die Betroffenen. Im Fall der Bobbahn laufen weiterhin Planungen dazu, die weltweit älteste Anlage ihrer Art wieder herzustellen. Ereignisse wie im Sommer 2021 können jederzeit wieder auftreten!“, mahnt unterdessen Rainer Stemmer vom Traunsteiner Wasserwirtschaftsamt.

Zahlreiche Projekte zum Hochwasserschutz in Arbeit

„Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz hat uns aufgrund des Ereignisses vom Juli 2021 befristet Stellen zur Verfügung gestellt. Dadurch war es uns möglich im Talkessel von Berchtesgaden, zusätzlich zu den bereits laufenden Hochwasserschutzprojekten mehrere Projekte neu zu beginnen“, fährt Stemmer fort. Im Juli 2021 liefen bereits Hochwasserschutzprojekte an der Berchtesgadener Ache und am Gerner Bach in Berchtesgaden, am Maiswandgraben in Bischofswiesen und am Klausbach in Ramsau. Neu begonnen wiederum seien Planungen am Freidinger Graben in der Gemeinde Ramsau, am Reißenbach in der Gemeinde Bischofswiesen, an der Berchtesgadener Ache in Marktschellenberg, am Höllgraben im Markt Berchtesgaden und an der Nordflanke am Grünstein in Schönau am Königssee. „Unabhängig davon wurden und werden auch eine Vielzahl von Maßnahmen durch die jeweiligen Kommunen an Gewässern in deren eigener Zuständigkeit umgesetzt.“

Neuer Hochwasserschutz mit Ausbau des jeweiligen Gewässers braucht Zeit und besteht im Wesentlichen aus drei Schritten“, so Stemmer, „Erstens Planung und naturschutzfachliche Erhebungen, zweitens Genehmigungsverfahren und drittens Ausschreibung und Bau.“ Bei „normalem“ Verlauf rechne die Behörde vom Beginn der Planung bis zur Umsetzung mit einem Zeitraum von 5 bis 10 Jahren. „Voraussetzung ist auch, dass der Bayerische Landtag ausreichend Finanzmittel für den Hochwasserschutz bewilligt und damit das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz die Projekte finanzieren kann. Extremereignisse wie zuletzt im Juli 2021 und Personalfluktuation wirken sich darüber hinaus unplanmäßig auf die Bearbeitung von bereits laufenden Projekten aus.“

Infos und Rat im Netz zum Hochwasserschutz mit Empfehlung des Wasserwirtschaftsamts:

Hinweise für Bürger zur Eigenvorsorge

Hochwasser-Info für Bayern

Der Umgang mit Naturgefahren ist ein gesellschaftliches Thema. Staat und Bürger sind gemeinsam gefordert. So trägt ein größeres Risikobewusstsein durch angepasstes Verhalten zu einer Minimierung von Schäden bei“, betont Stemmer. Gerade bei Planung und Bau von Infrastruktur und Bebauung seien Hochwassergefahren von Anfang an zu berücksichtigen. „So kann beispielsweise bei der Bauleitplanung und durch hochwasserangepasstes Bauen das Schadenspotenzial erheblich verringert werden. Dies gilt umso mehr, da die Hochwassergefahr infolge des Klimawandels zunehmen wird.“ Er schließt: „Jeder kann selbst dazu beitragen, sein Risiko vor Naturgefahren zu vermindern beziehungsweise zu vermeiden. So finden sich im Internet zahlreiche informative staatliche Veröffentlichungen.“

hs

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