Pressemitteilung BRK Berchtesgadener Land

BRK schult 20 Fahrdienst-Mitarbeiter als Personalreserve

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Ressourcenschonender Einsatz von Helfern und Material: Auch bei möglichen Personalausfällen in den eigenen Reihen soll in den kommenden Wochen jeder im Landkreis gut versorgt sein.

Berchtesgadener Land - Außergewöhnliche Zeiten wie die COVID-19-Krise erfordern besondere und unkomplizierte Maßnahmen, die in der Praxis bei entsprechender Eskalationsstufe gut funktionieren, angemessen sind und sofort greifen:

Der BRK-Kreisverband Berchtesgadener Land hat deshalb am Mittwoch die ersten 20 Mitarbeiter des Betreuten Fahrdienstes mit einer Hygiene-Schulung und einer praktischen Einweisung nach Vorgaben des Medizinproduktegesetzes (MPG) und des Bayerischen Rettungsdienstgesetzes (BayRDG) für den Einsatz als Fahrer von Krankentransportwagen (KTW) vorbereitet.


An der Schulung nahmen auch drei Ehrenamtliche teil; ein Helfer von der Bergwacht Bad Reichenhall und Hans Ebner und seine Tochter Anna; der Wirt des Gasthauses Windbeutelbaron aus Berchtesgaden hat derzeit wegen der Krise geschlossen, will aber trotz der eigenen Probleme ebenfalls helfen. Seine Tochter ist medizinische Fachangestellte, und er verfügt als mit damals 17 Jahren Bayerns jüngster geprüfter Rettungssanitäter und langjähriger ehrenamtlicher Rettungsassistent über sehr viel Praxis-Erfahrung.

In einem umfangreichen E-Learning bereiteten sich die Teilnehmer ohne Infektionsgefahr von zu Hause aus auf die Schulung vor, die vor Ort bewusst in sehr kleinen Gruppen von maximal zehn Teilnehmern durchgeführt wurde. Diplom-Mikrobiologe Chris Steube von der Rettungswache Berchtesgaden vermittelte den Fahrern alles, was sie über Hygiene und infektiöse Keime generell, Reinigen und Desinfizieren und speziell das SARS-CoV-2-Virus wissen müssen und wie sie im Einsatz mit der Schutzausrüstung richtig umgehen. Notfallsanitäter Peter Mayer erklärte und übte mit den Fahrern, wie man den KTW und vor allem die Fahrtrage und den Tragestuhl richtig bedient. Sowohl Kliniken als auch der Rettungsdienst brauchen jetzt rasch realisierbare Backups, die bei entsprechender Lageentwicklung in der Praxis gut funktionieren und sofort greifen; die Fahrdienst-Fahrer haben viel Routine, kennen die Abläufe in den stationären Einrichtungen, sind nach dem MPG eingewiesen und haben viel Erfahrung in der Betreuung und im Transport von Patienten. Vor allem sind sie immer in einem Team an der Seite eines erfahrenen Rettungssanitäters.


Die Maßnahme ist bis jetzt nur präventiv für eine mögliche Eskalationsstufe, in der die generelle Einsatzfähigkeit des Rettungsdienstes im Landkreis durch entsprechend viele COVID-19-Personalausfälle gefährdet wäre. "Wir hoffen, dass es gar nicht so weit kommt, bereiten uns aber so gut wie nur möglich auf denkbare Szenarien vor", erklärt Kreisgeschäftsführer Tobias Kurz, der vor allem die elementaren Dienste für die Daseinsvorsorge gewährleisten will: "Uns ist wichtig, dass trotz der Krise auch über viele Wochen hinweg alle möglichst gut versorgt sind!" Aktuell bewertet er mit seinem Krisenstab im Kreisverband täglich mehrmals die Lage neu, passt bestehende Prozesse laufend an und realisiert Lösungen für konkrete Probleme. Beispielsweise produziert die heimische Firma Trans-Textil aus Freilassing nun vor Ort ohne abgeschnittene Lieferwege aus Fernost Mehrweg-Schutzmasken und Kittel, die auch vor Ort autark täglich gereinigt und desinfiziert werden; der Kontakt kam deshalb zustande, weil der Sohn des Eigentümers und dessen Cousine ehrenamtlich und hauptamtlich beim Roten Kreuz im Einsatz sind. Die Krisenstäbe der BRK-Kreisverbände sind mit weiteren Stäben auf Bezirks- und Landesebene eng vernetzt, tauschen sich laufend aus und steuern so auch gezielt über einen zentralen Einkauf die bestmögliche Versorgung mit aktuell knappem Verbrauchsmaterial wie Desinfektionsmittel und Schutzausrüstung.

Ressourcenschonender Einsatz von Personal und Ausrüstung Die oberste Devise ist dabei, dass sowohl Helfer als auch Ausrüstung ressourcenschonend und der jeweiligen Lage entsprechend angemessen eingesetzt werden. "Es bringt nichts, wenn wir jetzt alle für nicht besonders dringliche Aufgaben rausschicken, einer alle anderen ansteckt und dann bei erhöhtem Bedarf niemand mehr einsatzbereit ist, wenn wirklich ernste Personalengpässe drohen sollten", erklärt Kurz. Bis Mitte vergangener Woche gab es noch Probleme, da die Bergwacht vermehrt zu schweren Einsätzen ausrücken musste, da wegen des schönen Wetters und der freien Zeit wesentlich mehr Leute unterwegs waren, die die Maßnahmen falsch als Corona-Urlaub verstanden hatten und sich oft gar nicht bewusst waren, dass sie mit einem eigentlich vermeidbaren Unfall kritische Infrastruktur binden und schwächen, die in den kommenden Wochen zur Bewältigung der COVID-19-Krise benötigt wird.

Deshalb ist auch beim Roten Kreuz aktuell in den eigenen Reihen angesagt, dass derjenige am meisten hilft und zur Lagebewältigung beiträgt, der zu Hause bleibt, sich im E-Learning weiterbildet und dann noch gesund und einsatzklar ist, wenn andere vielleicht ausgefallen sind. "Einfach ist das in der Praxis nicht immer zu vermitteln und mit erhöhtem Verwaltungsaufwand verbunden, da jeder der Helfer aus den Medien erfährt, was durch die Krise weltweit passiert und mit guter Absicht seinen persönlichen Beitrag bei der Bewältigung leisten will", berichtet Kreisbereitschaftsleiter Florian Halter, der speziell Ansprechpartner für alle Ehrenamtlichen ist und deren Einsatz koordiniert. Auch viele Externe bieten ihre Hilfe an und müssen eingebunden und koordiniert werden - einige verstehen nicht, wieso sie jetzt nicht sofort gebraucht werden und sich nur auf Abruf bereithalten sollen. "Einsatztaktisch ist aber nur das alternativlos sinnvoll", betont Halter. Die heimischen Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz und der Malteser Hilfsdienst (MHD) arbeiten auch in den Sozialen Diensten unkompliziert zusammen und helfen sich bei Personalausfällen gegenseitig weiter.

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