Pressemitteilung Max Aicher Stiftung

Schülerehrungen - Gutes Deutsch öffnet Türen

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Im fünften Jahr seines Bestehens wurden bereits mehr als 600 der Zuwanderer im Landkreis über das Max Aicher Unterrichtsprojekt beschult.

Berchtesgadener Land - Fast 100 Zuwanderer dürfen sich in diesen Wochen über das erfolgreiche Abschneiden in Deutschkursen sowie der Mieterschulung im Max Aicher Bildungszentrum für Integration freuen.

Sie erhalten die wohlverdienten Zertifikate aus den Händen von Angela Aicher, von Astrid Kaeswurm, Integrationslotsin des Landratsamtes BGL, Mag. Gabriele Bauer-Stadler, Koordinatorin des Max Aicher Bildungszentrums BGL für Integration sowie Renate Kirschke, der leitenden Lehrkraft der Schulung.


Die Auszeichnungen werden in den Unterrichtsräumen des Max Aicher Businesscenters sowie in der Zollhäuslstr. in Freilassing oder per Post überreicht. Aufgrund der aktuellen Situation ist heuer, im Gegensatz zu den letzten Jahren, eine große Feierlichkeit für die Ehrungen nicht möglich.

Im fünften Jahr seines Bestehens wurden bereits mehr als 600 der Zuwanderer im Landkreis über das Max Aicher Unterrichtsprojekt beschult. Damit hat rund die Hälfte aller Zugewanderten im Landkreis Berchtesgadener Land an einem der angebotenen Deutsch- und Fachkurse des Max Aicher Bildungszentrum teilgenommen und einen weiteren Schritt in Richtung Integration gemacht.


Sprache - wichtigste Grundlage zur Integration 

Der Multiunternehmer Max Aicher schuf dieses Unterrichtsangebot für Deutsch- und Fachkurse im Herbst 2015.So können ausnahmslos alle Zuwanderer unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus, Frauen wie Männer Deutsch von ABC bis B1 lernen oder an Fachschulungen wie der Mieterschulung gemäß dem Neusässer Konzept teilnehmen. Das Max Aicher Bildungszentrum führte diese Schulung bereits zum 8. Mal in Kooperation mit den Landratsämtern BGL und Traunstein durch.

Zu seiner Motivation für dieses Angebot findet Max Aicher klare Worte: "Sprache ist der Schlüssel zur Integration. Dies muss vom ersten Tag an gefördert werden. Staatliche Kurse können nur einige anerkannte Nationalitäten in Anspruch nehmen - in unserem Bildungszentrum dürfen alle lernen. Ein Großteil der Neubürger hat keinerlei Zugang zum Spracherwerb, somit keine oder schlechte Chancen auf ein Praktikum, ein Arbeitsverhältnis oder ein Leben in (teilweise) finanzieller Unabhängigkeit." und er fügt hinzu:

"Wir müssen und wollen Bildung für alle bieten - Bildung ist unser höchstes Gut. Wir wollen allen, wo immer es möglich ist, Bildung weitergeben - in der Region und über die Regionsgrenzen hinaus. Mir ist es ein besonderes persönliches Anliegen, die guten Ergebnisse, die nur mit Fleiß, Zielstrebigkeit und Ausdauer zu erreichen sind, zu würdigen."

In 12 Kursgruppen von Berchtesgaden über Bad Reichenhall bis Freilassing und Tittmoning pauk(t)en die Männer und Frauen in Deutschgruppen von einfachen bis fortgeschrittenen Anfängern sowie in speziellen Abendkursen für Auszubildende und Berufstätige. Sprachliche und kulturelle Unterschiede, keine bis unterschiedliche Schulbildung in den Herkunftsländern… vielfältig und bunt gemischt, legten sie viel Fleiß und durchgehende Anwesenheiten an den Tag, um die monatlichen Tests zu bestehen.

Einheitliches Lehrkonzept

Bereits seit September 2015 findet der Deutschunterricht im Unterrichtsprojekt nach einem einheitlichen Lehrkonzept statt. Dies beinhaltet auch Unterricht in Mathematik und sozialen Lehrbereichen: die Teilnehmer vieler Nationen lernen unser Zahlensystem, erfahren wie unsere Gesellschaft funktioniert, erhalten Kenntnisse über unsere Werte, über Gleichberechtigung und Religionsfreiheit und üben diese im Unterricht sehr praxisnah. In sehr offenen und lebendigen Kursen kommen sich die unterschiedlichen Staatsangehörigen näher, lernen miteinander und gestalten ihren Alltag: Hausaufgaben und Musik verbinden, sie absolvieren Prüfungen, feiern Feste wie Weihnachten und den bayerischen Fasching gemeinsam. MIT-SPRACHE für alle heißt: dazu gehören und mit - gestalten.

Dazu tragen auch Praxisvorträge und Lehrexkursionen bei: Vorträge zur Sicherheit durch den Präventionsbeauftragten der Polizei, Vorträge zu bayerischen Gewässern und Baden, Besuche bei Feuerwehr, bei der Firma Pletschacher, Stahlwerk Annahütte und Bauernhofbesuche sind u.a. hier zu nennen. Mit der Corona - Krise wurde der Präsenzunterricht mit Online-Unterricht und Blended Learning ergänzt: nicht warten, sondern starten und auch digitale Kompetenz für den Alltag erwerben waren hierzu die treibenden Überlegungen.

Wohnen will gelernt sein - Fachschulung 

Auch die 18 Teilnehmer der beiden Fachschulungen "Fit für die Wohnung" erhielten ihre Zertifikate. Sie hat zum Ziel, neuen und allen interessierten Mitbürgern das selbständige Finden und Mieten von Wohnungen zu erleichtern und den Umgang mit Vermietern zu lernen. Umgekehrt soll sie auch Vermietern mehr Sicherheit bei Neumietern vermitteln. Die Schulung wird entsprechend dem Neusässer Konzept durchgeführt. Nach der nunmehr 8. Mieterschulung wurden mehr als 110 Neubürger fit für die Wohnung gemacht.

In 12 theoretischen Modulen, sowie einem praktischen Teil, werden viele Fragen rund um das Thema "Wohnen in Deutschland" behandelt. Ordnungsgemäße Mülltrennung, richtiges Heizen und Lüften, das Lesen einer Hausordnung, Rechte und Pflichten bei der Unterzeichnung eines Mietvertrages, sind ebenso Bestandteil der Schulung, wie das Erstellen einer Vorstellungsmappe und die Klärung der Frage, wie ich eine Haftpflichtversicherung abschließe. Das über allem stehende Motto dabei ist: Hilfe zur Selbsthilfe zu erlernen - sich aktiv auf Wohnungssuche begeben.

Grundlegende Kenntnisse 

In den Arbeitsmodulen der Mieterqualifizierung erhalten die TeilnehmerInnen grundlegende Kenntnisse zum Thema Wohnen und Leben - so haben auch Vermieter eine gewisse Sicherheit bei Neumietern. Bauer-Stadler zu den Herausforderungen für die Lernenden: "Wir können uns nicht vorstellen, vor welchen Herausforderungen unsere Neubürger stehen. Was ist ein Wasserstandszähler? Was heißt Infrastruktur? Wieso habe ich 3 Monate Kündigungsfrist? Warum bezahle ich eine Kaution? Schufa? Was ist eine Provision? Was muss ich tun, wenn in der Wohnung etwas kaputtgeht? Für uns sind das alltägliche Situationen und Bedingungen, für die Zuwanderer ist das Neuland. Es geht dabei auch um kulturelle Aspekte wie das Händeschütteln oder dass ich jemanden ansehe, wenn ich mit ihm rede."

Voraussetzungen für die Teilnahme an der Mieterschulung sind sehr gute Deutschkenntnisse, die vollständige Anwesenheit im Unterricht, Erstellen einer Vorstellungsmappe sowie ein positives Abschneiden im Abschlusstest.

Verpflichtendes Praxismodul 

Ein verpflichtendes Sicherheits- und Brandschutzmodul rundet die Schulung ab. Haushaltsführung und eine Brandschutzübung mit und bei der Feuerwehr sind hier Gegenstand des praktischen Lernens.

Wann rufe ich die Feuerwehr, unter welcher Nummer erreiche ich sie, welche Angaben muss ich machen oder die Frage wie ein Feuerlöscher funktioniert, sind nur einige der Unterrichtsinhalte, die in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr erlernt werden. Stefan Hurter von der freiwilligen Feuerwehr in Marktschellenberg kümmerte sich hierbei um die Reichenhaller Teilnehmer. In Freilassing führte der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Freilassing selbst, Rochus Häuslmann, die Schulung und Praxisübungen dazu im eigenen Feuerwehrhaus durch.

Für die Integrationslotsin des Landkreises, Astrid Kaeswurm, ist dieser Praxisteil wichtiger Bestandteil der Mieterschulung. "Durch diesen Praxisteil beziehen wir die lokalen Strukturen ein. Die Freiwillige Feuerwehr ist in jeder Gemeinde und in jeder Stadt wichtiger Bestandteil einer funktionierenden sozialen Gemeinschaft. Umso dankbarer sind wir, dass der Kommandant sich neben seinem ehrenamtlichen Engagement, auch bereit erklärt hat, diese Schulung durchzuführen. Die Haushaltsgeräteschulung führe ich immer gerne selbst durch, auch um mir ein eigenes Bild über die Kurs-Teilnehmenden machen zu können."

Großartiges Netzwerk 

Max Aicher und die Partner sind sich einig, dass diese große Herausforderung zur Integration der Geflüchteten im Landkreis nur in Partnerschaft gut zu lösen ist.

Gabriele Bauer-Stadler als Koordinatorin des Max Aicher Bildungszentrums resümiert: "Dank der guten Zusammenarbeit in einem weiten Netzwerk für Integration steht dieses Unterrichtsprojekt gemeinsam mit starken Partnern nunmehr in seinem fünften Jahr. Zu danken ist hierbei v.a. der Caritas BGL/ der Erzdiözese München-Freising/dem katholischen Bildungswerk, Startklar Soziale Arbeit, der AWO sowie dem Landratsamt BGL. Nur in enger Vernetzung dieser unterschiedlichen Partner ist dieses Angebot sichergestellt." Und: "Ein herzlicher Dank gilt dem Lehrerteam für seinen Einsatz."

Der Grundstein für die Lernenden für eine gute Zukunft in ihrer neuen Heimat ist somit gelegt und trägt zu einem friedlichen Zusammenleben aller bei - ein großartiges soziales Integrationsprojekt.

Ausblick 

Internationale Studien bestätigen, "dass der Deutscherwerb und die Förderung dazu weiter Priorität haben muss, um Integration zu gewährleisten", so Gabriele Bauer-Stadler. "Es braucht vor allem eine weitere Diversifizierung der Kurse, um den vielen unterschiedlichen Lernbedürfnissen der Neubürger gerecht zu werden. Und: Sie müssen rasch und ohne lange Wartezeiten die Sprache, soziale Kompetenzen und Werte erlernen. Noch immer warten viele mindestens 6-8 Monate auf einen staatlichen Kurs. Wir unterstützen bis dahin mit unserem Unterrichtsangebot und erleichtern den Umstieg," resümiert BauerStadler.

Daher sollen und müssen gemeinschaftliche Modellprojekte wie diese weitergeführt werden. Max Aicher betont: "Eine Ausweitung auf zusätzliche Partner ist wünschenswert, denn professioneller Deutsch- und Fachunterricht muss weiter verstärkt koordiniert mit allen relevanten Institutionen angeboten werden. Er ist einheitlich für alle Zuwanderer, Flüchtlinge und Asylbewerber zu erweitern und in der Grundstruktur aus öffentlichen Mitteln zu finanzieren. Hier sind gemeinsames Vorgehen und gemeinsame Finanzierungsmodelle zu planen und umzusetzen. Die Max Aicher Stiftung wird weiterhin Modellprojekte wie diese in der Region fördern."

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