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„Ein Meilenstein“ im Berchtesgadener Land

Räder kostenlos in der Bahn mitnehmen: Landkreis investiert jährlich 80.000 Euro in praktisches Angebot

Zum Schienenfahrplanwechsel Mitte Dezember dieses Jahres löst die Bayerische Regiobahn (BRB) die Berchtesgadener Land Bahn (im Bild) ab. Räder können dann auf der gesamten Strecke im Berchtesgadener Land kostenfrei mitgeführt werden.
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Zum Schienenfahrplanwechsel Mitte Dezember dieses Jahres löst die Bayerische Regiobahn (BRB) die Berchtesgadener Land Bahn (im Bild) ab. Räder können dann auf der gesamten Strecke im Berchtesgadener Land kostenfrei mitgeführt werden.

Kostenlose Fahrräder auf allen Bahnstrecken im Berchtesgadener Land? Das soll nun Wirklichkeit werden. Landrat Bernhard Kern kündigte im Kreistag an, Gespräche mit dem Landkreis Traunstein führen zu wollen: „Wir bleiben dran, dass das kostenlose Angebot auch grenzübergreifend nach Traunstein möglich ist.“

Berchtesgadener Land - Mit dem Einsatz möchten die Verantwortlichen die „umwelt- und klimafreundliche Mobilität im Berchtesgadener Land“ vorantreiben. Zum Schienenfahrplanwechsel Mitte Dezember dieses Jahres wird die Bayerische Regiobahn (BRB) den Betrieb auf der Bahnstrecke Berchtesgaden-Freilassing übernehmen. Im Vorfeld seien bereits Verhandlungen zwischen dem Landkreis und der BRB zur Weiterführung der bisher mit der Berchtesgadener Land Bahn vereinbarten kostenfreien Radmitnahme geführt worden, heißt es.

Allerdings ist das noch nicht alles: In diese Verhandlungen wurde auch die schon jetzt von der BRB bediente Bahnstrecke Teisendorf-Freilassing-Salzburg Hauptbahnhof miteinbezogen. Denn bislang existiert dafür noch keine Vereinbarung, um Räder kostenlos transportieren zu können. 

Dem Landkreis sei es gelungen, die BRB davon zu überzeugen, informierte die Verwaltung. Auf dem Streckenabschnitt soll es also ebenfalls eine kostenfreie Radbeförderung geben - gegen eine pauschale Abgeltung durch den Landkreis. Damit wäre der Streckenabschnitt Teisendorf-Freilassing-Salzburg Hauptbahnhof der erste Streckenabschnitt der Hauptverbindung München-Salzburg Hauptbahnhof, auf dem Bahnfahrer ihre Fahrräder kostenfrei mitnehmen können. Die Gratisbeförderung soll in den nächsten fünf Jahren sowohl für die Strecke Berchtesgaden-Freilassing als auch Teisendorf-Freilassing-Salzburg gelten.

Für den Landkreis wäre dies „ein Meilenstein“, weil dann im gesamten Kreisgebiet, „lückenlos in allen Nahverkehrszügen“, Räder ohne weitere Kosten mitgeführt werden könnten. Für den bislang in dieser Hinsicht benachteiligten Bahnhof Teisendorf könnte dadurch „eine Attraktivitätssteigerung des Bahnverkehrs“ - zumindest in Richtung Freilassing/Salzburg - erreicht werden. Für die Bahnverbindung Freilassing-Berchtesgaden ist es möglich, die beförderten Fahrräder exakt zu ermitteln und abzurechnen.

Im Jahr 2018, dem letzten repräsentativen Erhebungsjahr, wurden auf dieser Strecke 22.359 Räder transportiert, 2020 schrumpfte die Zahl wegen der Corona-Pandemie und etlichen Streckensperrungen auf 10.269 Räder. Bis Ende Juli dieses Jahres zählte die Bahn bis Ende Juli auf der Strecke nur noch 5184 Räder. In der Verwaltung geht man davon aus, dass Bahnfahrer in Zukunft wieder deutlich mehr Räder mitnehmen werden.

Sofern die Anzahl der Fahrräder im Jahr 2022 wieder dem Niveau vor Corona entspricht, müssten nach dem Verhandlungsergebnis mit der BRB 41.625 Euro für die kostenfreie Fahrradbeförderung aufgebracht werden, sagt Johann Wick, Verkehrsexperte im Landratsamt. Die Abrechnung erfolgt jedoch auf Basis der tatsächlich beförderten Fahrräder.

Damit würden im Vergleich zur bisherigen Vereinbarung mit der Berchtesgadener Land Bahn, die eine Abgeltung mittels eines pauschalen Fixbetrages pro Jahr vorgesehen hatte, „Nachfrageschwankungen besser abgebildet bei gleichzeitiger Kostensicherheit für beide Vertragspartner“, heißt es. 

Landkreis lässt sich Angebot 80.000 Euro jährlich kosten

Bei der Bahnverbindung Teisendorf-Salzburg Hauptbahnhof liegen aufgrund der bislang kostenpflichtigen Radbeförderung noch keine Vergleichswerte für das Beförderungsaufkommen bei der Gratis-Fahrradmitnahme vor. Geeinigt hat man sich auf einen Pauschalwert von 20.000 Euro, der dem Erlösvolumen aus Fahrradtickets im Jahr 2019 für diesen Streckenabschnitt entspricht.

Für beide Bahnstrecken plant der Landkreis insgesamt 61.600 Euro ein. Der Betrag für den Vertragszeitraum von Anfang 2022 bis Ende 2026 beläuft sich auf rund 221.000 Euro für die Strecke Berchtesgaden-Freilassing. Bei der Bahnstrecke Teisendorf-Salzburg kommen die Vertragspartner auf 107.000 Euro.

Darüber hinaus existieren bereits bestehende Verträge: Für die Bahnverbindung Laufen-Freilassing-Salzburg Hauptbahnhof besteht mit der Südostbayernbahn bis 8. Dezember 2024 eine vertragliche Vereinbarung mit einer jährlich gleichbleibenden Ausgleichszahlung in Höhe von 8500 Euro für die kostenlose Radmitnahme. Für die Bahnverbindung Freilassing-Salzburg Hbf existiert mit der Salzburger Verkehrsverbund GmbH ebenfalls eine vertragliche Vereinbarung bis Ende 2024. Pro Jahr zahlt der Landkreis hier 10.000 Euro. Im Gesamten lässt sich der Landkreis die Gratis-Räder in der Bahn ab 2022 rund 80.000 Euro jährlich kosten.

„Das ist ein Angebot, das nicht selbstverständlich ist“, sagte Georg Wetzelsperger (CSU). Er hoffe, dass die kostenfreie Radmitnahme in Zukunft wieder deutlich häufiger genutzt werde. Wetzelsperger machte darauf aufmerksam, dass die Strecke Berchtesgaden-Freilassing „seit rund zwei Jahren so gut wie tot“ sei. „Das ist wirklich ein Drama.“ Etliche Baustellen in den vergangenen Jahren, die Schneekatastrophe sowie das Hochwasser im Juli - und damit verbundene Sperrungen - sind der Grund, dass die Strecke noch bis voraussichtlich November dicht bleibt. 

Landrat Bernhard Kern kündigte an, Gespräch mit dem Landkreis Traunstein aufnehmen zu wollen. Die kostenlose Radbeförderung soll ausgeweitet werden.  

Landrat Bernhard Kern äußerte seine Freude über die verhandelten Verträge. Sein Wunsch: Dass auch eine Landkreis-übergreifende Fahrradmitnahme ohne Mehrkosten möglich sein wird. Kern kündigte an, mit Vertretern des Landkreises Traunstein Gespräche führen zu wollen. „Es kann ja nicht sein, dass wir das Angebot in Richtung Österreich zwar haben, mit dem Nachbarlandkreis Traunstein aber noch nicht.“

kp

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