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Biosphärenregion Berchtesgadener Land und VHS Rupertiwinkel 

Online-Vortrag: Ist Mikroplastik überall?

Plastikteilchen liegen an einem Strand im Sand.
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Jährlich werden mit Wind und Wasser ca. 20 Millionen Tonnen Plastik in die Weltmeere eingetragen.

Berchtesgadener Land - Kunststoffe sind aus einer modernen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Aber warum ist der einstige Problemlöser zum Umweltproblem geworden?

Die Pressemitteilung im Wortlaut

Im Rahmen des Interreg-Projekts „Grenzenlos Nachhaltigkeit lernen“ organisierte die Biosphärenregion Berchtesgadener Land gemeinsam mit der VHS Rupertiwinkel einen Online-Vortrag zum Thema „Mikroplastik in der Umwelt“.

Kunststoffe sind aus einer modernen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Aber warum ist der einstige Problemlöser zum Umweltproblem geworden? In einem hochinteressanten Vortrag stellte der Referent Prof. Dr. Christian Laforsch von der Universität Bayreuth aktuelle Erkenntnisse der Wissenschaft zum Thema vor. Die jährliche weltweite Plastikproduktion betrug im Jahr 2018 400 Millionen Tonnen. Nach Schätzungen wird davon weltweit rund ein Drittel achtlos in der Umwelt entsorgt. Durch mechanische Belastung und UV-Licht zerfällt es dort zu Mikro- und Nanoplastik. Der Mikroplastikexperte betonte, dass auch Bioplastik sehr schlecht abgebaut werde und die städtischen Kompostieranlagen überfordere.

Jährlich werden mit Wind und Wasser ca. 20 Millionen Tonnen Plastik in die Weltmeere eingetragen. Ergebnisse der Arbeitsgruppe von Prof. Laforsch zeigen, dass sich auch in Süßgewässern genauso viel Plastik wie in marinen Ökosystemen befindet. Laut dem Referenten ist Plastik mittlerweile weltweit verbreitet – ob in der Tiefsee in 4000 m unter dem Meeresspiegel, in abgelegenen Seen in der Mongolei oder auf dem höchsten Gletscher – Plastik ist überall. Das Schneiden mit einem Küchenmesser auf einem Plastikbrettchen oder der Reifenabrieb beim Autofahren sind Beispiele für Quellen von kleinsten Plastikteilchen. In den Kläranlagen können diese nicht herausgefiltert werden, so dass Klärschlamm oft mit Mikroplastik belastet ist. Wird dieser auf unseren Äckern ausgebracht, landet das Plastik im Boden und in den Pflanzen und damit in unserer Nahrung. Wissenschaftler aus der Schweiz haben herausgefunden, dass in unseren Böden bis zu 40-mal mehr Plastik als in den Weltmeeren ist. 

Die weltweite Plastikverschmutzung hat direkte und indirekte Auswirkungen. Zum einen sterben Tiere, die den Müll mit Nahrung verwechseln. Zum anderen hat z.B. Plastik im Boden Auswirkungen auf Bodeneigenschaften, die Mikrofauna und das Pflanzenwachstum. Außerdem können sich auf Plastikfragmenten pathogene Keime befinden und Schadstoffe anreichern. Auch wir Menschen nehmen Plastik mit der Nahrung auf. Die Universität Wien schätzt, dass jeder Mensch bis zu 50.000 Mikroplastikteilchen pro Jahr aufnimmt. Die meisten Teilchen gehen wohl durch den menschlichen Verdauungstrakt hindurch, ohne Schaden anzurichten.Aber Stoffe wie Polymere und Additive stehen im Verdacht, toxisch zu sein oder eine hormonelle Wirkung zu entfalten. Auch über die Luft werden kleinste Plastikteilchen eingeatmet. Was in der Lunge damit passiert, ist noch nicht erforscht. In einem Sonderforschungsbereich Mikroplastik der Universität Bayreuth befassen sich über 100 Wissenschaftler mit dem Thema Mikroplastik. Ziel ist, das Umweltrisiko von Mikroplastik besser einschätzen zu können. Laut Prof. Laforsch, Sprecher dieses Sonderforschungsbereichs, sind in den nächsten Jahren neue Forschungsergebnisse zu erwarten, die Lösungsansätze für das weltweite Plastikmüllproblem bieten sollen.

Alle können aber schon jetzt etwas gegen die Plastikflut tun, indem Einwegprodukte und überflüssige Verpackungen vermieden werden. Unumgänglich sei die Weiterentwicklung von der heutigen Wegwerfgesellschaft zu einer Kreislaufwirtschaft. Das große Ziel müsse sein, möglichst viel Plastik zu vermeiden, und nachhaltiges Plastik zu entwickeln, das nicht giftig, gut recycelbar und bestenfalls biologisch abbaubar ist. 

Pressemitteilung Biosphärenregion Berchtesgadener Land

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