Nikolaus kommt auch dieses Jahr zu den Kindern, aber...

Landrat und Polizei appellieren: „Aktuelle Regelungen unbedingt einhalten!“

Der Nikolaus in Begleitung von Buttenmandl und Ganggerl in Schönau am Königssee
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So wie 2000 in Schönau am Königssee kann der Nikolaus 2020 nicht unterwegs sein. Lediglich ein Kramperl oder Ganggerl darf ihn begleiten.

Berchtesgadener Land - Seit November ist klar, dass sich die geltenden Corona-Schutzmaßnahmen auch auf das Brauchtum auswirken. Trotzdem kann der Nikolaus zu den Kindern kommen. Landrat Bernhard Kern und die Polizei appellieren aber an die Bevölkerung im Landkreis.

Update, 4. Dezember:


„Ich bitte die Bürgerinnen und Bürger im Berchtesgadener Land darauf zu achten, dass beim Nikolaus-Hausbesuch die Anzahl von zwei Hausständen und maximal fünf Personen, die älter als 14 Jahre sind, nicht überschritten wird. Die Mindestabstände und die allgemeinen Hygieneregeln, kein Berühren, kein Händeschütteln usw. sind außerdem unbedingt einzuhalten,“ appelliert Landrat Bernhard Kern für das kommende Nikolaus-Wochenende.

Trotz Verständnis für Brauchtumstraditionen - Hygienemaßnahmen gelten auch an Nikolaus


Kern verweist in diesem Zusammenhang auf die Neunte Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung (9. BayIfSMV). Diese gilt auch für den Nikolaus-Hausbesuch, so dass sich nicht mehr als zwei Hausstände gemeinsam aufhalten dürfen. Die Kontaktbeschränkung gilt auch auf dem privaten Grundstück und folglich auch im Freien.

Darauf verweist auch das Polizeipräsidium Oberbayern Süd. „Die Polizei hat grundsätzlich Verständnis für Brauchtumstraditionen“, teilt die Pressestelle mit. „Wir alle bedauern, dass die Corona-Pandemie aber leider auch hier erhebliche Einschränkungen erforderlich macht. Es wird auch bei den Nikolaus-Hausbesuchen im Berchtesgadener Land deshalb viel darauf ankommen, wie sehr die Menschen bereit sind, sich verantwortungsvoll zu zeigen und mitzuhelfen, die Pandemie zu bewältigen.“

Gleichwohl werde die Polizeiinspektion Berchtesgaden im Lichte des aktuellen Infektionsgeschehens am anstehenden Nikolaus-Wochenende mit Unterstützungskräften des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd verstärkt Präsenz im öffentlichen Raum zeigen. Der Fokus der Polizei liege darauf, die Einhaltung der geltenden Hygiene- und Abstandsvorschriften sowie der Kontaktbeschränkungen zu überwachen.

Erstmeldung, 27. November:

„Nikolaus wird in diesem Jahr anders sein“, bestätigte der Bürgermeister von Schönau am Königssee, Hannes Rasp, bereits Mitte November gegenüber BGLand24.de. „Nach aktueller Rechtslage (8. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung des Freistaates Bayern) sind Nikolaus mit Buttnmandlumzüge in diesem Jahr nicht zulässig.“

Trotz hohem Stellenwert im Berchtesgadener Tal: Nikolaus darf nur von einem Kramperl begleitet werden

Diese Rechtslage hat sich Mitte dieser Woche bestätigt. Die Infektionsschutzmaßnahmenverordnung wurde verlängert. Der Besuch vom Nikolaus alleine ist somit zulässig, da er den zweiten Haushalt darstellt, der derzeit erlaubt ist. Sollte der Besuch vor dem Haus stattfinden, kann der Nikolaus auch von einem Kramperl oder Ganggerl begleitet werden.

„Das Brauchtum und die Tradition zum Nikolaustag hat einen sehr hohen Stellenwert im Berchtesgadener Talkessel“, bekräftigte Marktschellenbergs Bürgermeister Michael Ernst. Deshalb seien er und seine Kollegen im ständigen Austausch mit dem Landratsamt. Dessen Pressesprecher Stefan Neiber verweist ebenfalls auf die Infektionsschutzmaßnahmenverordnung die dahingehend verschärft wird, dass sich in privaten Räumen nur fünf Personen aus zwei Haushalten aufhalten dürfen.

Diese Verordnung ist auch für Ramsaus Bürgermeister Herbert Gschoßmann bindend: „Ich für meine Person, und da bin ich wohl nicht alleine, haben kein Interesse und keine Absicht, auch nur ansatzweise gelebtes Brauchtum zu verhindern. Sehr wohl aber will ich im Rahmen meiner Möglichkeiten beitragen, das Tempo der Verbreitung zu reduzieren, eine Überlastung des Gesundheitssystem zu vermeiden.“

Brauchtum im Berchtesgadener Tal durch Corona besonders eingeschränkt

In den vergangenen Wochen haben einige Passen mit selbstgebauten Strohbuttenmandln und Kramperl darauf aufmerksam gemacht, wie wichtig das Brauchtum vor allem im Berchtesgadener Talkessel ist. „Sitt und Brauch der Alten müssen wir erhalten“ war genauso zu lesen wie „Der Brauch darf nicht verboten werden“. Da der Einkehrbrauch des Nikolaus an sich nicht verboten wird, wurde auch in den sozialen Netzwerken darüber intensiv diskutiert, ob der Besuch bei den Kindern wichtig ist, oder das Kramperllaufen.

Die Bad Reichenhaller Berger Bass hat dagegen schon auf Facebook verkündet, dass sie mit Nikolaus und einem Kramperl Hausbesuche macht. Auch die Floriani Krampein und die Salinen-Pass haben Hausbesuche angekündigt. Selbst in Österreich soll der Nikolaus trotz des derzeit geltenden Lockdowns zu den Kindern kommen dürfen.

cz

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