Bilanz nach drei Monaten Biotonne im Berchtesgadener Land

"Auch die Bürger müssen lernen, mit dem neuen System umzugehen"

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Landkreis - Vor der Einführung der Biotonne wurden immer wieder "entsetzlicher Verwesungsgeruch" und ein „Feuchtbiotop“ vor jedem Haus samt Gestank und Maden als Ablehnungsgrund ins Spiel gebracht. Seit drei Monaten gibt es die Biotonne jetzt. Das sagt der Entsorger zu den Kritikpunkten.

"Ihr wisst gar nicht, was die Leute dort alles reinkippen. Nach zwei Wochen lebt so eine Tonne", hatte Thilo Schöne von den Republikanern in den Diskussionen um die Einführung der Biotonne angekündigt. "Der Landkreis hat dann vor jedem Haus ein „Feuchtbiotop“ samt Gestank und Maden." FDP-Kreisrat Armin Nowak hatte vor einem "entsetzlichen Verwesungsgeruch"gewarnt.

Ein Grund für BGLand24.de nach drei Monaten einmal nachzufragen, wie es denn so aussieht, in den Biotonnen im Berchtesgadener Land? "Es gibt im Sommer in jeder Biotonne Maden, weil der Deckel zu ist", bestätigt Roman Hausner von der Wurzer Umwelt GmbH. "Es sind zu viele Speisereste in den Tonnen, da kommen die Maden nach drei Tagen."

Deshalb appelliert das Landratsamt Berchtesgadener Land: "Der jeweilige Zustand der Biotonne ist ganz wesentlich von der richtigen Handhabung beim Befüllen abhängig (s. Hinweise in den Abfallzeitungen, in der Presse und auf der Website www.lra-bgl.de). Wickelt man die Bioabfälle sorgfältig in Zeitungspapier ein, oder gibt diese in Papiertüten in die Tonne, kann eine Madenbildung reduziert werden. Weiterhin ist hier schon die Vorsortierung in der Küche ein wichtiger Schritt. Das Vorsortiergefäß sollte auf jeden Fall einen Deckel besitzen. Schimmel bildet sich häufig in Biotonnen, dies hängt mit der Feuchtigkeit der Bioabfälle und den hohen Temperaturen im Sommer zusammen."

"Rote Karte" für Fehlbefüllung

Erste Beschwerden bezüglich der regelmäßigen Abholung gab es bereits. Einige Tonnen wurden stehen gelassen. "Diese Tonnen sind fehlbefüllt", betont Hausner. "Es dürfen auf keinen Fall so genannte kompostierbare Plastiktüten benutzt werden, da bekommen wir Probleme mit dem Kompostieren, da die Kompostierzeit der Plastiktüten deutlich länger ist." Sollten die Abfallentsorger solche Tüten in den Tonnen entdecken, bleibt die Tonne stehen. Auch dann, wenn sich andere Gegenstände darin befinden, die dort nicht hineingehören.

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"Die Fahrer heben den Deckel, wenn ihnen da gleich etwas auffällt, bleibt die Tonne stehen und bekommt einen roten Aufkleber mit dem Hinweis, dass Stoffe in der Tonne sind, die da nicht hineingehören", erläutert Roman Hausner das Prozedere. Wenn beim nächsten Mal die Befüllung in Ordnung ist, wird die Tonne mitgenommen. "Auch wir müssen nachsortieren", bekräftigt Hausner die Vorgehensweise. Das Landratsamt wird erst beim zweiten oder dritten Mal über eine "rote Karte" informiert, um tätig zu werden. Das kann in Form einer Abfallberatung zur Abfalltrennung oder der Wahl einer größeren Tonne oder anderes sein.

Allerdings lag es nicht nur an der Fehlbefüllung, dass Tonnen nicht abgeholt wurden. "Vor allem im inneren Landkreis Berchtesgadener Land gibt es Straßen, die wir nur mit einem speziellen Fahrzeug befahren können. Dieses Fahrzeug wurde uns bist jetzt nicht geliefert." Eine Tatsache, die dafür sorgt, dass die Tonnen zwar abgeholt werden, aber nicht so termingerecht, wie es vor allem die Betroffenen gern hätten. "Wir sind dort mit zwei kleineren Autos unterwegs, die wir aber während der Leerung zweimal entleeren müssen", erklärt Roman Hausner. Durch diese zweimalige Leerung stößt die Firma Wurzer an ihre arbeitsrechtlichen Grenzen. Es kann also passieren, dass Tonnen stehen bleiben, weil die Fahrer ihre Zeiten hinterm Steuer nicht überschreiten dürfen.

Überfüllte Mülltonnen und undurchsichtige Säcke

Ein Problem, das sich laut Hausner spätestens Anfang Oktober gelöst haben sollte, dann sollte das neue Fahrzeug nicht nur geliefert, sondern auch mit dem richtigen Aufbau versehen und im Einsatz sein. Bis dahin bittet das Landratsamt die Bürger, "sofort darüber zu informieren, wenn die Entleerung der Bioabfalltonnen nicht nach Plan verlaufen ist. Dies kann entweder direkt über die Firma Wurzer, Tel.: 0800-0987937, E-Mail: bgl@wurzer-umwelt.de oder aber auch über das Landratsamt Berchtesgadener Land, Tel.: 08651-773-123, E-Mail Adresse tonnendienst@lra-bgl.de erfolgen. In solch einem Fall nehmen wir postwendend Kontakt mit der Firma Wurzer auf und veranlassen eine Nachleerung, die in der Regel innerhalb der nächsten zwei Werktage erfolgt."

"Auch die Bürger müssen lernen, mit dem neuen System umzugehen", resümiert Hausner abschließend. "Wir befinden uns noch in der Umstellungsphase." Die Mülltonnen seien noch immer massiv überfüllt, alte Restmülltonnen werden zum Entleeren hingestellt und Gelber Sack und Restmüll werden in neutralen, undurchsichtigen Säcken an die Straße gestellt. "Wir entleeren nur die neuen Restmülltonnen und nehmen nur die bei der Gemeinde erworbenen zusätzliche Müllsäcke mit. Ein undurchsichtiger gelber Sack bleibt liegen."

Dennoch erfülle die Wurzer Umwelt GmbH nach drei Monaten weit mehr als 90 Prozent der versprochenen Leistungen, die Beschwerden würden sich im Promille Bereich bewegen. "Es handelt sich bei den restlichen nicht mal zehn Prozent um normale Anfangsschwierigkeiten, die nur von der verspäteten Lieferung des Spezialfahrzeugs getoppt werden." Hausner hofft, dass sich bis zum Ende des Jahres alle Probleme erledigt haben.

cz

Rubriklistenbild: © picture alliance / Arno Burgi/dp

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