Pressemitteilung Bündnis90/DieGrünen BGL

Mobilität zum Wohlfühlen

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Von links: Verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Bayerischen Landtag, Dr. Markus Büchler, Gisela Sengl MdL aus Traunstein und der Landratskandidat Dr. Bartl Wimmer, über dessen Verkehrspolitischen Betrachtungen für das Berchtesgadener Land gesondert berichtet wird.

Berchtesgadener Land - Mobilität bringt die Menschen zueinander und ermöglicht, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Gleichzeitig entstehen klimaschädliche CO2 - Emissionen durch Verbrennungsmotoren.

Vor allem die Jugend nimmt diesen Aspekt sehr ernst und immer mehr Jugendliche verzichten generell auf ein Auto, suchen nachhaltigere Alternativen. Dies erfordere ein grundlegendes Umdenken in der Verkehrspolitik, stellte Gisela Sengl in ihrem Grußwort dar.

Während Autofahrer im Stau stehen und keinen Parkplatz finden, wird der öffentliche Raum für Fußgänger und Radfahrer knapp. Mit der steigenden Bevölkerungsentwicklung, vor allem im Süden Bayerns, wird auch den Verkehr zunehmen, prognostizierte der Landtagsabgeordnete der Grünen, Dr. Markus Büchler.

Er skizzierte im vollbesetzten Freilassinger Lokschuppen Lösungsvorschläge, wie der Verkehr in Zukunft bewältigt werden kann und forderte eine"Mobilitätsgarantie auf dem Land", jedes Dorf müsse mindestens im Stundentakt zwischen fünf Uhr früh und Mitternacht erreichbar sein. Flächendeckende Verkehrsverbünde mit attraktiven Tarifen wären besonders wichtig. "Während diese im Nachbarland Österreich längst Standard sind und dort auch flächendeckend 365 Euro Jahreskarten angeboten werden, gibt es in Bayern viele verbundfreie Zonen, so auch das Berchtesgadener Land", so Büchler. Das Rückgrat einer nachhaltigen Mobilität müsse die Schiene sein. Statt Schienen „rauszureissen“, gehöre das Eisenbahnnetz erneuert, ergänzt und gefördert. Linienbusse, aber auch Rufbusse und autonom fahrende Kleinbusse sollten zur Ergänzung eingesetzt werden.

Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen Landtagsfraktion verwies anschaulich auf Beispiele im ländlichen Raum, in denen solche Maßnahmen bereits umgesetzt werden. Hierfür müsse aber zuerst viel Geld in die Hand genommen werden, Geld, das vorhanden sei, derzeit aber nur im Straßenbau vergraben werde. Hier müssten die politisch Verantwortlichen endlich eine Wende einleiten.

Ein weiterer Baustein einer zukunftsfähigen Verkehrspolitik sei das Fahrrad, so Büchler. Es sei schnell, praktisch und bequem. Einen klaren Handlungsauftrag bekämen die Kommunalpolitiker mit der enormen Zunahme des E-Bike Absatzes in Deutschland. Der Straßenraum gehöre entsprechend aufgeteilt. "Natürlich sind sichere Radwege und zeitgemäße Abstellflächen, aber auch ein entsprechender Winterdienst Voraussetzung, um die Menschen zum umsteigen zu bewegen. Weil hier noch vieles im argen liegt, fahren viele Menschen noch „unfreiwillig“ Auto." Verkehrserhebungen belegten zudem, dass die Hälfte der täglichen Pendlerfahrten unter fünf Kilometer Streckenlänge zurück gelegt würden, Entfernungen, die ideal durch das Rad ersetzt werden könnten.

Eine Möglichkeit, Städte lebenswerter zu gestalten, seien sogenannte Begegnungszonen, führte Büchler weiter aus. In Deutschland sind sie auch als Shared Space bekannt, aber in der Straßenverkehrsordnung nicht zugelassen.Sie können in Wohngebieten, Einkaufsstraßen v.a. aber in Dorf- und Stadtzentren für Verkehrsberuhigung und attraktivere öffentliche Räume und mehr Umsatz in lokalen Geschäften sorgen. In diesen Zonen verzichtet man auf Verkehrszeichen, Bordsteine, Bodenmarkierungen oder Signalanlagen. Alle Verkehrsteilnehmer sind gleichberechtigt und die Höchstgeschwindigkeit beträgt 20 Kilometer in der Stunde. Dieser „Shared Space“, mittlerweile in vielen europäischen Städten etabliert, wäre eine gelungene Alternative zur reinen Fussgängerzone und sollte in die Straßenverkehrsordnung aufgenommen werden. Die gleichberechtigte Nutzung der Verkehrsflächen durch alle Verkehrsteilnehmer mache den Straßenraum sicherer und die Verkehrsabläufe würden flüssiger. so Büchler abschließend.

In der anschließenden Diskussion stellte Markus Büchler klar, dass er von einer kostenlosen Nutzung des Öffentlichen Personen Verkehrs wenig halte. Da in den letzten Jahrzehnten ohnehin viel zu wenig in dessen Förderung investiert wurde, könne man auf Einnahmen durch den Fahrpreis nicht völlig verzichten. Die 365 Euro Jahrestickets seien hingegen ein faires Angebot. Auf die Frage, welche Antriebsart für die Autos künftig zu favorisieren sei, erläuterte Büchler, man benötige seiner Meinung nach einen Mix. Wasserstoff würde sicherlich mehr im Schwerverkehrsbereich eingesetzt werden, sauberere Batterien, mit erneuerbaren Energien geladen, vermehrt im motorisierten Individualverkehr zur Anwendung kommen. Auf alle Fälle solle man sich auch neuen Technologien nicht verschließen, sondern sie kritisch begleiten. Voll und ganz könne er sich der Forderung eines Salzburger Verkehrsexperten anschließen, der einen regelmäßigen "Jour fix" für alle Politiker beidseits der Grenze forderte, um einen grenzüberschreitenden Verkehrs- und Tarifverbund zu verwirklichen.

Pressemitteilung Bündnis90/DieGrünen BGL

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