Bilanz des BRK BGL

Fast 23.000 Einsätze im Rettungsdienst und Krankentransport

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Berchtesgadener Land - Fast vier Prozent mehr Notarzteinsätze, gleich viele Notfalleinsätze und über sieben Prozent weniger Krankentransporte misst der Rettungsdienst und Krankentransport Berchtesgadener Land im Jahr 2019.

Die Pressemeldung im Wortlaut:


Der stabile Trend der letzten beiden Vorjahre setzt sich weiter fort: Der Rettungsdienst und Krankentransport des BRK-Kreisverbands Berchtesgadener Land war 2019 bei insgesamt 22.955 Einsätzen gefordert – 2,52 Prozent weniger als im Jahr davor. Von 2017 auf 2018 waren die Zahlen minimal um 0,62 Prozent angestiegen. Die Einsätze mit Notarzt haben um 3,83 Prozent auf 3.605 zugenommen, die Notfalleinsätze ohne Arzt sind mit einem Rückgang um 0,16 Prozent auf 3.027 weitgehend gleichgeblieben – genauso wie die nicht verrechnungsfähigen Einsätze, bei denen das Rote Kreuz einen minimalen Anstieg um 0,43 Prozent auf 6.562 verzeichnet. Die Krankentransporte sind um 7,13 Prozent auf 9.761 zurückgegangen. „Das liegt unter anderem daran, dass Rettungswagen nun weniger als früher für den Krankentransport mit verwendet werden, damit sie nicht mit einem Patienten belegt sind, wenn ein echter Notfall passiert“, erklärt Abteilungsleiter Markus Zekert. Seit 2018 werden die Krankentransporte von der Leitstelle in einer separaten Digitalfunk-Gruppe disponiert.

Fast 18 Erdumrundungen 

Das BRK betreibt im Landkreis acht Rettungswagen (RTW), fünf Krankenwagen (KTW) und drei Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF), darunter drei Ersatz-Fahrzeuge – alle sind mittlerweile mit Allrad ausgestattet, was sich vor allem im Januar 2019 während der massiven Schneefälle sehr bewährt hat. Den größten Anteil an Rettungsdienst-Einsätzen machen mit über 70 Prozent internistische Notfälle aus; Verkehrsunfälle und andere chirurgische Einsätze nehmen im Verhältnis einen immer geringeren Anteil ein. Die Retter haben vergangenes Jahr bei insgesamt 22.955 Einsätzen 707.189 Kilometer (1,36 Prozent weniger) zurückgelegt und damit fast 18 Mal die Erde umrundet.


Die Zahl der so genannten Gebietsabsicherungen ist mit 812 nahezu gleich hoch wie 2018 (814), was daran liegt, dass die Besatzungen mit ihren Patienten tendenziell länger und weiter (2018 und 2019 im Schnitt 31 Kilometer pro Einsatz) unterwegs waren als noch vor ein paar Jahren, da sich die Kliniken noch mehr spezialisiert haben. Sind beispielsweise alle Rettungsmittel aus Berchtesgaden bereits im Einsatz oder mit Patienten zu Kliniken unterwegs, schickt die Leitstelle einen Rettungswagen einer Nachbar-Wache präventiv nach Hallthurm oder Bischofswiesen, damit die Besatzung von dort aus das ansonsten nicht mehr optimal versorgte Gebiet im südlichen Landkreis bei möglichen Folge-Einsätzen rascher erreichen kann.

Viele nicht verrechenbare Einsätze 

Ebenfalls auf konstant hohem Level bewegen sich die nicht verrechnungsfähigen Einsätze: In 6.562 Fällen (2018: 6.534) rückte das Rote Kreuz aus, ohne das die Kosten für den Einsatz jemanden in Rechnung gestellt werden konnten – das ist dann der Fall, wenn sich vor Ort herausstellt, dass trotz des Notrufs überhaupt kein Notfall vorliegt, der Patient einen Transport verweigert oder wenn die Notfallsanitäter lediglich zur Absicherung ausrücken, wenn es beispielsweise brennt oder der Einsatz keinem konkreten Patienten zugeordnet werden kann. „Die Meldungen im Notruf weichen manchmal stark von dem ab, was unsere Mitarbeiter dann vor Ort feststellen; das liegt daran, dass die Situation oft sehr subjektiv empfunden und bewertet wird und nicht immer einfach einzuschätzen ist, aber auch daran, dass die Hemmschwelle, die 112 in allen Lebenslagen zu wählen, definitiv gesunken ist“, erklärt Zekert. Die Retter müssen im Zweifelsfall bei unklaren oder fehlenden Informationen auf Nummer Sicher gehen, den Schilderungen im Notruf zunächst einmal glauben und immer ein Fahrzeug schicken; viele Einsätze stellen sich dann vor Ort aber rasch als weniger dramatisch dar. Problematisch ist aber, dass durch die hohe Zahl dieser Fehleinsätze Rettungsmittel gebunden sind, die womöglich dann bei echten Notfällen fehlen oder erst später eintreffen.

41 Spitzen-Abdeckungen durch die ehrenamtlichen BRK-Bereitschaften 

Im Schnitt rückt der Rettungsdienst des Landkreises pro Tag 63 Mal aus. Bedingt durch Wetter, Tourismus, Verkehr und weitere Faktoren gibt es mehrmals im Jahr so genannte Einsatzspitzen mit besonders vielen Notfällen gleichzeitig, wobei die ehrenamtlichen BRK-Bereitschaften dann die reguläre Vorhaltung mit ihren eigenen Fahrzeugen ergänzen - 2019 mehr als doppelt so oft wie im Vorjahr: Für insgesamt 41 Patienten (2018: 18) mussten sie bei Spitzen-Abdeckung des regulären Rettungsdienstes und Krankentransports ausrücken, die akuten Notfälle versorgen und die Kranken und Verletzten meist auch in Kliniken transportieren. Während der Schnee-Katastrophe im Januar 2019 ergänzten die Ehrenamtlichen tagelang die reguläre Vorhaltung mit zusätzlichen Fahrzeugen und stellten somit die rettungsdienstliche Versorgung der durch Lawinengefahr und winterliche Straßen abgeschnittenen Orte und Ortsteile sicher. „Dieses sinnvolle Plus an Sicherheit für die Menschen im Landkreis leisten wir ausschließlich ehrenamtlich; die zusätzlichen Fahrzeuge und Ausrüstung müssen aber nahezu komplett mit Spenden aus der Bevölkerung finanziert werden“, betont Kreisbereitschaftsleiter Florian Halter. Bei der Spitzenabdeckung des regulären Rettungsdienstes und Krankentransports hat sich die 2011 durchgeführte Aufteilung in kleinere Einheiten wie SEG Behandlung und Transport bereits mehrfach bewährt. „Die Besatzungen sind sehr schnell einsatzklar und können den Rettungsdienst bei Engpässen rasch und effektiv ergänzen“, freut sich Halter. Geografisch ist das Berchtesgadener Land aufgrund der Berge gerade im südlichen Landkreis von den Nachbarregionen abgeschnitten. Wenn alle regulären Rettungsmittel bereits im Einsatz sind, kann die Leitstelle deshalb auf die SEG´n zurückgreifen. Die BRK-Bereitschaften im Landkreis halten zur Ergänzung des Rettungsdienstes und für Großschadensfälle aller Art 21 zusätzliche Fahrzeuge, neun Anhänger und umfangreiche Ausrüstung bereit, die - genauso wie die Aus- und Fortbildung der freiwilligen Sanitäter - fast ausschließlich über Spendengelder finanziert werden.

Bisher 45 Notfallsanitäter ausgebildet – Medikamentengabe delegiert 

Aktuell 87 hauptamtliche Sanitäter, neun Auszubildende und im Schnitt 35 Ehrenamtliche der BRK-Gemeinschaften besetzten im Schichtdienst bis zu 16 Fahrzeuge der regulären Vorhaltung. Um den Rettungsdienst im Gebirge und an Gewässern kümmern sich die Ehrenamtlichen der Bergwacht im BRK und der BRK-Wasserwacht. Damit leistet das BRK im Berchtesgadener Land 100 Prozent der Einsätze und garantiert eine optimale Notfallversorgung der Bevölkerung. Bis Ende 2019 hat der BRK-Kreisverband 40 seiner bisherigen Rettungsassistenten mit bestandenen Ergänzungslehrgängen zum Notfallsanitäter weiterqualifiziert, wobei zusätzlich fünf Kollegen die dreijährige Berufsausbildung durchlaufen und alle Prüfungen mit Bravour bestanden haben – drei davon allein 2019.

Seit Dezember 2019 hat ihnen der Ärztliche Leiter Rettungsdienst (ÄLRD) offiziell geschulte und geprüfte Maßnahmen delegiert, darunter die eigenständige Gabe von ausgewählten Medikamenten – mit strengen Vorgaben zur Dokumentation und nachträglichen Überprüfung durch den ÄLRD. So dürfen die Notfallsanitäter bei oft sehr schmerzhaften isolierten Verletzungen der Extremitäten, wie einem Knochenbruch am Arm oder Bein, dem Notfallpatienten selbständig Schmerzmittel verabreichen oder bei akuten Atembeschwerden vernebelte Medikamente einatmen lassen. „Unsere Notfallsanitäter können damit wesentlich effektiver helfen als zuvor und müssen nicht warten, bis manchmal von weit her ein Notarzt eintrifft“, freut sich Ausbildungsleiter Hermann Scherer.

Um dem bayernweiten Mangel an Fahrern von Einsatzfahrzeugen entgegenzuwirken, hat der BRK-Kreisverband im ersten Halbjahr 2019 auch einen Fachlehrgang für angehende Rettungssanitäter durchgeführt, bei dem 13 Freiwillige aus den BRK-Gemeinschaften entsprechend ausgebildet wurden, um als Einsatzkräfte im Rettungsdienst, Krankentransport, Sanitätsdienst und Katastrophenschutz mitzuwirken. Sie fahren mittlerweile ehrenamtlich im regulären Rettungsdienst und absolvieren die weiteren Ausbildungsabschnitte mit einem 160-stündigem Klinik-Praktikum, 160 Stunden Wachpraktikum im Rettungsdienst und einem einwöchigen Abschlusslehrgang mit Prüfung.Sie werden als Fahrer von Rettungswagen, Krankenwagen und Notarzteinsatzfahrzeugen eingeteilt und arbeiten unter der Leitung eines verantwortlichen Notfallsanitäters, Rettungsassistenten oder Notarztes bei der Patientenversorgung mit.

2018 wurde der Weiterbetrieb des zweiten Rettungswagens in Berchtesgaden nach einer Laufzeit von fünf Jahren erneut vom Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) Traunstein ausgeschrieben und vergeben. Der BRK-Kreisverband Berchtesgadener Land erhielt mit seinem Konzept zum Betrieb erneut den Zuschlag für weitere fünf Jahre.

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