Noch kein kompletter Lockdown im Berchtesgadener Land

Landrat Bernhard Kern will Corona-Pandemie die Stirn bieten

Bernhard Kern Landrat Berchtesgadener Land
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Der Landrat des Landkreises Berchtesgadener Land, Bernhard Kern (CSU).

Berchtesgadener Land - Mit einer 7-Tage-Inzidenz von 272,8 steht der Landkreis an der Spitze der Infektionskette in Deutschland. Um das Infektionsgeschehen zu unterbinden, sah sich Landrat Bernhard Kern gezwungen zu handeln, von einem Lockdown will er aber nicht reden.

„Es sind Einschränkungen, die uns jetzt letztlich im Berchtesgadener Land erreicht haben“, erklärte Landrat Bernhard Kern gegenüber BGLand24.de. Einschränkungen, die neben der eigenen Familie, die Schulen, Kindertagesstätten, Kindergärten, Vereine und sämtliche öffentlichen Einrichtungen treffen.


Notbetrieb in Schulen und Kindertagesstätten im Berchtesgadener Land

Ab Dienstag (20. Oktober) um 14 Uhr sind nicht nur die Schulen, Kindergärten und Kindertagesstätten bis auf einen Notbetrieb geschlossen, auch sämtliche Veranstaltungen im Landkreis sind abgesagt. Jedem einzelnen ist es erlaubt, in die Arbeit zu gehen und sich mit den notwendigen Dingen zu versorgen. Ansonsten gilt, zuhause bleiben und unnötige Kontakte vermeiden. Einzig bei der Bewegung an der frischen Luft ist eine haushaltsfremde Person erlaubt, aber keine Gruppenbildung.


So lässt sich die Allgemeinverfügung, die im Berchtesgadener Land nach dem 14. Oktober noch einmal deutlich verschärft wurde, zusammenfassen. Freizeit-, Sport und Kultureinrichtungen müssen ab sofort genau so schließen wie Hotel-, Gaststätten- und Beherbergungsbetriebe. Alle Gäste müssen um spätestens 14 Uhr abreisen. Gastronomiebetrieb ist nur noch zum Mitnehmen bis 20 Uhr erlaubt.

Besuchsverbot und Maskenpflicht: Das gilt jetzt im Berchtesgadener Land

In Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Altenheimen gilt ein Besuchsverbot. „Ausgenommen hiervon sind Geburts- und Palliativstationen, sowie Hospize“, bekräftigte Landrat Bernhard Kern. In den Fußgängerzonen in Freilassing, Bad Reichenhall und Berchtesgaden, sowie in der Seestraße in Schönau am Königssee gilt von 6 bis 23 Uhr eine allgemeine Maskenpflicht.

„Ich denke wir haben alle noch leidvoll in Erinnerung, wie die erste große Welle im März angeklungen ist“, versuchte Staatsministerin Michaela Kaniber an die Vernunft der Bürger zu appellieren. „Keiner von uns wünscht sich a) eine Grenzschließung oder b) eine Quarantänestellung eines ganzen Landkreises. Deswegen meine große Bitte, sich jetzt wirklich in den nächsten 14 Tagen daran zu halten, an diese Ausgangsbeschränkung.“

Herber Rückschlag für Tourismusbranche im Berchtesgadener Land

Alle Dinge der Grundversorgung seien im Landkreis verfügbar. Der Einzelhandel sei von den Maßnahmen noch nicht betroffen, so Kaniber. Wen es allerdings durchaus trifft, ist die Tourismusbranche. Für die Geschäftsführerin der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH, Brigitte Schlögl ist das ein herber Rückschlag, „denn der Sommer ist ganz gut gelaufen, die Betriebe waren ganz gut gebucht und wir waren eigentlich mit unseren Kampagnen gut unterwegs. Und jetzt heißt es wieder ein bisschen zurück zum Start.“

Es sei eine bittere Entscheidung, erklärte sie gegenüber BGLand24.de, aber im Sinne des ganzen Landkreises müssten die Betriebe Folge tragen. Allerdings bleibe die Frage, „wer bucht jetzt für Weihnachten und für die Wintersaison“? Den Imageschaden könne Schlögl derzeit noch nicht bewerten. „Aber es wird jetzt nicht leichter.“

Corona-Infektionsketten im Berchtesgadener Land nicht mehr nachweisbar

Tatsächlich hat das Berchtesgadener Land mit einer 7-Tage-Inzidenz von 272,8 traurige Berühmtheit in ganz Deutschland erreicht. Das Infektionsgeschehen ist nicht eingrenzbar. Einige private Feiern hätten den Ausschlag geben können, aber mittlerweile seien die Infektionen so über den gesamten Landkreis verteilt, dass kein Ursprung mehr nachzuvollziehen sei, so der Tenor.

Kern und Kaniber sehen die neue Allgemeinverfügung als Chance, der Pandemie die Stirn zu bieten, Infektionsketten zu unterbrechen und bald wieder einen geregelten Ablauf im Landkreis möglich zu machen. Die Allgemeinverfügung gilt vorerst bis 2. November um 24 Uhr.

cz

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