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Im Exklusivinterview

Bernhard Kern nach dem ersten Jahr als Landrat – eine (Corona-) Bilanz

Der Landrat als Nur-Krisenmanager, das hatte sich Bernhard Kern bei seiner Kandidatur in der Vor-Corona-Zeit wohl nicht so vorgestellt.
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Der Landrat als Nur-Krisenmanager, das hatte sich Bernhard Kern bei seiner Kandidatur in der Vor-Corona-Zeit wohl nicht so vorgestellt.

Seit 15. Mai 2020 ist Bernhard Kern offizieller Landrat des Berchtesgadener Landes. Im Exklusiv-Interview mit BGLand24.de spricht er über ein Jahr im Amt, aber vor allem: ein Jahr zusammen mit Corona im Amt:

Bad Reichenhall - Die Corona-Pandemie zieht sich für Bernhard Kern wie ein roter Faden durch sein erstes Jahr als Landrat, bei der Wahl am 15. März 2020 stand der erste Lockdown schon unmittelbar bevor, bei der Angelobung am 15. Mai 2020 kamen auch die neu gewählten Kreisräte zum ersten Mal nach drei Monaten zusammen, in einer großen Sporthalle. Für den 52-Jährigen war es ein schwieriges Jahr, die Pandemie traf den Landkreis unvermittelt früh und unvermittelt hart. Im Exklusiv-Interview mit BGLand24 erklärt Kern unter anderem, warum ausgerechnet er die harten Maßnahmen verkünden musste und so zur Zielscheibe von zum Teil scharfer Kritik wurde, und, ob er zum „Team Vorsicht“ oder eher zum „Team Öffnen“ gehört. Die Maßnahmen zur Corona-Bekämpfung verteidigt er, beim Blick über die Grenze bedauert Kern, dass es in Bayern die Möglichkeit für Ausreisetests für Hotspots nicht gibt. 

Herr Landrat, wie geht es Ihnen? Sind Sie und Ihre Familie bisher von Corona verschont geblieben, als Landrat haben Sie doch sehr viele Kontakte?

Kern: Ja, zum Glück sind alle gesund und passen auch sehr auf, ich war seit einem Jahr nicht mehr in der Wohnung meiner Eltern, beide um die 80 Jahre alt, meine Mutter ist da auch sehr streng. Den Weihnachtsbaum habe ich zum Beispiel vor die Tür gestellt. Aber Vater und Mutter sind jetzt zum Glück schon geimpft. 

Und Sie selbst?

Kern: Ich bin noch nicht geimpft und habe mich ehrlich gesagt auch noch nicht angemeldet. Ich will mich da auf keinen Fall vordrängen, aber ich werde mich zur rechten Zeit anmelden. Als Landrat habe ich natürlich viele Kontakte, aber wie sagt ein Amtsarzt im Landratsamt immer zu mir: ‚Sie sind der Haupt-Schnelltest-Abnehmer im Landkreis‘. Auch von den Mitarbeitern hier im Landratsamt wird der Schnelltest gut angenommen. 

Das Corona-Virus und vor allem die Schutzmaßnahmen haben die Bevölkerung scheinbar noch weiter polarisiert, wie gehen Sie damit um? Gehören Sie zum „Team sicher“ oder zum „Team öffnen“? 

Kern: Wir müssen alle einen Mittelweg finden. Der Landkreis ist eine Gesundheitsregion, ein starker Wirtschaftsraum und nicht zuletzt touristisch ein Highlight. Das ist uns oft nicht überall bewusst. Erst am Sonntag war ich im Kurpark in Bad Reichenhall und habe die Zeit sehr genossen. Leider dürfen wir derzeit nicht nach Salzburg, mir fehlen der Haunsberg, der Untersberg, wir sind derzeit nur ein Halbkreis. 

Also sie gehören zu beiden „Teams“?

Kern: Ich will keine brutalen Öffnungen, alles muss mit Augenmaß geschehen, damit auch alle Bürger mitkommen. Die Schwierigkeiten mit den Maßnahmen haben alle Regionen entlang der Alpenkette.  Auf der einen Seite sind wir wie ein Magnet für Touristen und müssen auf der anderen Seite trotzdem die Infektionslage im Auge behalten. Die Bevölkerung lechzt nach Öffnungsschritten, sie wollen Perspektiven. Insgesamt bin ich aber auch überzeugt, dass wir nicht alles an der Inzidenz, also den Neuinfektionen pro sieben Tage pro 100.000 Einwohner, festmachen dürfen. 

Ist der Landkreis bei der Bekämpfung der Pandemie besonders hervorgestochen? 

Kern: Auf jeden Fall. Wir haben sehr früh das Abwasser-Monitoring eingeführt, dadurch können wir die Viruslast in Gemeinden sehr gut vorab feststellen und Cluster identifizieren, noch bevor sich die Zahlen bewegen. Auf spezielle Hotspots wie zum Beispiel in Teisendorf, Berchtesgaden oder Ainring haben wir dann auch beispielsweise mit zusätzlichen Testangeboten reagieren können. Auch bei der Einbeziehung der Hausärzte beim Impfen waren wir eine Modellregion, aber das hat man vielleicht alles nicht so wahrgenommen.

Aber diese Tests waren immer freiwillig und bekanntlich gehen meistens die Leute zum Testen, die ohnehin auf der vorsichtigen Seite sind. In Österreich hat man sehr bald die Ausreisetests eingeführt, also Gemeinden mit sehr hohen Ansteckungsraten durften nur mehr mit einem negativen Corona-Test verlassen werden. Wäre das nicht auch im Landkreis ein taugliches Mittel gewesen? 

Kern: Dieses Mittel haben wir nicht. Solche Ausreisetests für einzelne Kommunen sind bei uns rechtlich nicht möglich. 

Speziell nach dem Verkünden des ersten, sogenannten BGL-Lockdown am 19. Oktober letzten Jahres waren Sie Anfeindungen ausgesetzt, gab’s auch Drohungen und Polizeischutz? 

Kern: Erst in dieser Woche  gab es ein Verfahren am Amtsgericht Laufen gegen einen Landkreisbewohner, der in seinem Facebook-Profil zum Sturm auf das Landratsamt aufgerufen hatte. Das war schon sehr heftig, aber ich hätte keine Anzeige erstattet, die Staatsanwaltschaft ist von sich aus tätig geworden. Erst kürzlich habe ich mit einem Landratskollegen aus Baden-Württemberg telefoniert, der schon in der dritten Amtsperiode ist. Er hat mir erzählt, dass er schon viel mitgemacht hätte, aber so einen Hass wie derzeit, solche verbalen Übergriffe habe er noch nicht erlebt. Auch mein Mail-Postfach hier im Landratsamt ist in den Tagen nach dem BGL-Lockdown förmlich übergegangen, positives war da nicht dabei. 

Haben Sie sich persönlich bedroht gefühlt, wurden Sie angegriffen?

Kern: Persönliche Beleidigungen gab es, mehr zum Glück nicht. Aber die Polizei hat bei mir zuhause die Präsenz erhöht, die haben schon gewusst, was los ist. Mein Sohn hat mir auch erzählt, dass sie tagsüber schon oft vorbeigefahren sind, und ich bin froh darüber. 

Beim ersten, speziellen BGL-Lockdown ab 19. Oktober 2020 hatte man den Eindruck, Sie mussten verkünden, was andere beschlossen haben. Warum haben nicht die damalige Gesundheitsministerin oder die auch zuständige Regierungspräsidentin ihren Kopf hingehalten?

Kern: Als Landrat bin ich weisungsbefugt als Vertreter des Freistaates, auch das Staatliche Gesundheitsamt ist ja eine Einrichtung des Freistaates, und da bin ich als Landrat in der Pflicht. Das ist keine Sache, die ich ablehnen kann. Beim Verkünden war auch die Regierungspräsidentin dabei, aber es war nun einmal meine Aufgabe, aber glücklich war ich nicht darüber. 

Vor allem in den sogenannten Sozialen Medien waren die Anfeindungen heftig, festgemacht am Landrat, also an Ihnen. Haben sie das verfolgt?

Kern: Ich lese das teilweise oder es wird mir zugetragen. Wenn Kommentare zu heftig sind oder falsch, dann kommentieren wir das schon, aber wenn ich alles selbst lesen würde, käme ich zu nichts anderem mehr. 

Überall, so auch im Landkreis, gibt es eine Gruppe von Personen, für die das Virus nicht nachweisbar, nicht so gefährlich ist und die überhaupt eine Verschwörung sehen. Wie gehen Sie denn mit diesen Corona-Leugnern um? 

Kern: Ich mache mir natürlich meine Gedanken, aber es hat noch keine Diskussion mit diesen Personen gegeben. Ich habe meine Experten und Fachleute im Gesundheitsamt.

Manche Bürgermeister hatten unserem Eindruck nach schnell Verständnis für eh fast alle, für Geschäftsleute, für Bürger, die pandemiemüde sind, nur kein Verständnis für die Corona-Maßnahmen? Standen die Bürgermeister immer hinter Ihnen?

Kern: Ja, die Bürgermeister standen und stehen hinter mir. Wir haben uns bei neuen Informationen und neuen Zahlen immer über Skype ausgetauscht, aber auch die Bürgermeister sind, wie ich, keine Virologen und Epidemiologen. Unser Hauptthema war immer, wenn wir zusperren müssen, wann und wie können wir wieder öffnen. 

Wenn man sucht, findet man auch  Geschäftsleute, die ein gewisses Verständnis für die Maßnahmen haben und sagen, erst mal die Pandemie bekämpfen und dann sperren wir wieder auf. Warum hört man diese kaum öffentlich?

Kern: Nun, das Negative hört man immer mehr. Es ist ja auch für die Presse interessanter, wenn es kracht. 

Soweit der erste Teil der BGLand24-Exklusiv-Interviews mit Landrat Bernhard Kern. Im zweiten Teil lesen Sie, warum Bernhard Kern kein Problem hatte, an Protestaktionen der Wirtschaft gegen Maßnahmen teilzunehmen, die er selbst verkündet hatte und ob es wirklich besser wäre, wenn einzelne Gemeinden vor Ort das Ausmaß der Pandemie-Maßnahmen entscheiden würden, statt die Staatsregierung oder die Bundesregierung.

hud 

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