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Hotels im Berchtesgadener Land schließen - „Söder will an uns ein Exempel statuieren“

Inge Wenig, Alpenhotel Fischer, Berchtesgaden, Corona-Lockdown
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Selten kann Inge Wenig in ihrer eigenen Hotel-Halle im Alpenhotel Fischer in Berchtesgaden Platz nehmen. Der Corona-Lockdown im Landkreis zwingt sie zur Schließung.

Berchtesgadener Land - Am Montagabend (19. Oktober) hat Landrat Bernhard Kern bekannt gegeben, dass aufgrund der hohen Corona-Infektionen ab Dienstag um 14 Uhr massive Ausgangsbeschränkungen im Landkreis gelten. Unter anderem müssen Beherbergungsbetriebe schließen. BGLand24.de hat sich in der Branche umgehört.

Bereits auf der Straße sind die von Landrat Bernhard Kern am Montagabend angekündigten Maßnahmen spürbar. Normalerweise fließt der Verkehr an goldenen Herbsttagen wie an diesem Dienstag in Richtung Königssee. Die Königssee-Schifffahrt und die Jennerbahn sind zwei der Touristenmagnete im inneren Landkreis des Berchtesgadener Landes. Heute ist der Königssee-Parkplatz aber nur minimal besetzt. Der Verkehr fließt in Richtung Bad Reichenhall, aus dem Landkreis hinaus.


Dank Corona-Beschränkungen - kaum mehr Gäste am Königssee

Ein paar vereinzelte Gästen wollen die Möglichkeit nutzen, noch einmal mit dem Schiff über den Königssee zu fahren, schlendern die fast leere Seestraße entlang in der die Gastronomiebetriebe und erste Geschäfte bereits geschlossen sind. Ein ungewöhnliches Bild seitdem der Frühjahrs-Lockdown aufgehoben wurde. Doch es hat einen Grund. Sowohl die Schifffahrt, als auch die Jennerbahn haben bereits geschlossen.


Der Nebel lichtet sich langsam über dem Königssee, aber die Touristenströme bleiben aus. Corona-Lockdown im Berchtesgadener Land.

„Man muss es akzeptieren“, zeigt sich ein Urlauber aus Stuttgart gegenüber BGLand24.de trotzdem gut gelaunt. „Die Verursacher sitzen aber nicht hier am Königssee, die sitzen woanders.“ Der Gast macht trotzdem das Beste daraus und fährt mit seiner Frau weiter nach Garmisch-Partenkirchen. Eine andere Familie tritt den Heimweg an. Gerne hätten sie wenigstens noch die letzten Stunden im Berchtesgadener Land genutzt. „Es ist hier ein schönes Urlaubsgebiet und die Vermieter verhalten sich wirklich vorbildlich“, finden sie nur Lob für die Region.

Massive Verluste für Vermieter im Berchtesgadener Land

Dennoch geht es den rund 1.600 Vermietern im Berchtesgadener Land allen gleich. Sie müssen von heute auf morgen alle Gäste heimschicken, „ohne dass unsere Branche was dafür kann“, bedauert Inge Wenig vom Alpenhotel Fischer in Berchtesgaden. Sie ist sich sicher, dass Ministerpräsident Markus Söder am Berchtesgadener Land ein Exempel statuieren will.

„Wir haben alle Maßnahmen eingehalten. Unsere Gäste haben uns dafür gelobt“, betont auch ihr Sohn Michael. Jetzt sind sie alle abgereist. „Sie hatten wirklich alle Verständnis für die Situation“, so der generelle Tenor bei den Vermietern. Aber die Einnahmen aus den Übernachtungen gehen flöten. „Unser Verlust bewegt sich im fünfstelligen Bereich“, lässt Wenig tief blicken. Sie rechnet bereits mit Stornierungen für den Winter.

Gastgeber nach Corona-Lockdown: „Wissen nicht, was wir noch tun sollen“

„Der Winter ist bei uns generell nicht so gut wie der Sommer.“ Die paar schönen Herbstwochen hätte das Hotel noch gut gebrauchen können. „Wir waren eigentlich gut gebucht“, bedauert auch Brigitte Schlögl. Die Geschäftsführerin der Berchtesgadener Tourismus GmbH im Namen aller Vermieter. „Selbstverständlich hat für uns alle die Gesundheit von Gästen und Einheimischen oberste Priorität. Wir werden auch diese 14 Tage durchstehen und weiterarbeiten.“

Ob das so einfach geht, da ist sich Inge Wenig nicht sicher. Sie steht in der leeren Empfangshalle ihres Hotels, im Gastraum werden schon Tischdecken zum Waschen gebracht und die Blumendeko weggeräumt. „Wir wissen nicht, was wir noch machen sollen“, spricht sie die geltenden Hygienemaßnahmen an. Derzeit wird der Tagungsraum im Alpenhotel Fischer zu einem weiteren Gastraum umgebaut, „um noch mehr Platz und Abstand zwischen den Gästen zu haben.“

Doch welche Gäste sollen darin Platz nehmen und vor allem wann? Auch für Brigitte Schlögl ist der Imageschaden für das Berchtesgadener Land durch die aktuellen Maßnahmen noch nicht abzusehen. Johannes Hofmann, der Sprecher des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes im Berchtesgadener Land rechnet mit verheerenden Auswirkungen auf die gastronomische Infrastruktur des Landkreises.

„Corona-Maßnahmen im Berchtesgadener Land grenzen an staatliche Willkür“

„Viele Betriebe haben trotz des einigermaßen guten Sommers keine Substanz für eine weitere wochenlange Schließung. Ich verstehe nicht, dass von Übernachtungsbetrieben, die sehr gut mit den Sicherheitsmaßnahmen umgehen und die Infektionsgefahr eindämmen erneut die Schließung vorgeschrieben wird. Das grenzt an staatliche Willkür“, erklärt er gegenüber BGLand24.de.

„Es sollte den Entscheidungsträgern bewusst sein, das sie anhand des Umgangs mit den Bürgern dieses Landes einen riesigen Vertrauensverlust provozieren. Ich setze mich seit über 30 Jahre für die Hotellerie und Gastronomie ehrenamtlich ein. Ich bin zu tiefst von der Eigenmächtigkeit der politisch Verantwortlichen enttäuscht“, schließt er seine Ausführungen.

Inge Wenig schließt schweren Herzens ‚nur‘ ihr Hotel. „Geschäftsreisende zu beherbergen ist nicht rentabel“, weiß sie. „Wie es weitergeht, steht in den Sternen.“

cz

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