Bauernverband spricht mit Grünen-Kandidaten

"Sachliche Diskussionen in angenehmer Atmosphäre"

Berchtesgadener Land - Zum fachlichen Austausch hatte die Kreisbäuerin des Berchtesgadener Landes des Bayerischen Bauernverbandes Frau Maria Krammer Direktkandidaten Herrn Dr. Bernhard Zimmer und Listenkadidaten Albert Aschauer zu sich nach Hause eingeladen.

Zur Einstimmung führte Maria Krammer die Gruppe über das Anwesen: Familie Krammer bewirtschaftet einen Milchviehbetrieb mit circa 50 Kühen. Gefüttert werden diese überwiegend mit Gras und Mais aus eigenem Anbau. Besonders beeindruckend war der helle und mit viel Platz für die Tiere ausgestattete Laufstall mit Melkroboter. Dieser Neubau ist notwendig geworden, als klar wurde, dass Sohn Hans Krammer den Betrieb im Vollerwerb weiterführen wolle. Dafür war aber ein Wachstumsschritt von vorher 30 auf jetzt 50 Milchkühe notwendig.


Hier hakte Dr. Bernhard Zimmer ein, um die Forderungen zur Investitionsförderung von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN darzustellen: Zur Modernisierung der Tierhaltung sollte nicht mehr nur die Wirtschaftlichkeit der Planung im Vordergrund stehen. Um Betriebe in besonders benachteiligten Gebieten erhalten zu können, sollte es für regionale Erschwernisse, wie beispielsweise Berggebiete, Zuschläge geben. Bei dem anschließendem Weißwurstfrühstück in der Runde der Kreisvorstandschaft Berchtesgadener Land ging Dr. Bernhard Zimmer auf die grünen Ziele einer nachhaltigen Landwirtschaft näher ein. Er definierte eine nachhaltige Landwirtschaft nicht alleine über die Wirtschaftlichkeit des Betriebes, sondern zusätzlich durch den Erhalt der Ökologie und der sozialen Einbindung in der Gesellschaft.

Besonders in unserer Region wird die ländliche Kultur noch stark von den Landwirtsfamilien getragen. Aus seiner Erfahrung werden sie sich aber aufgrund des anwachsenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Drucks immer mehr aus dieser Rolle verdrängt. Das "immer mehr arbeiten, um überleben zu können" lässt kaum mehr Freiraum für ein Engagement in Vereinen oder bei Dorffesten. Dem muss unbedingt gegengesteuert werden, so argumentiert Zimmer, da die Landwirtschaft doch die Lebensgrundlage für alle schaffe.


Dazu gehört auch der Erhalt der Artenvielfalt und der Schutz des Trinkwassers. Um das zu erreichen darf sich die Landwirtschaft nicht mehr länger am Export für den Weltmarkt orientieren sondern muss sich mehr und mehr dem Ökologischen Landbau zuwenden und so den Einsatz von Pestiziden deutlich verringern. Erreichen wollen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN dies mit einer flächengebundenen Landwirtschaft. Durch Umschichtung der Fördergelder von der 1. Säule (Direktzahlungen) in die 2. Säule (Entlohnung für ökologische Leistungen, wie beispielsweise sauberes Trinkwasser oder der Erhalt der Artenvielfalt) soll die gesellschaftliche Akzeptanz für die Zahlung von Fördergeldern erreicht werden.

In der anschließenden Diskussion fanden Zimmers Vorschläge nicht nur Zustimmung. So konnte zum Beispiel nicht geklärt werden, an welchen Kriterien sich eine zukünftige grüne Stallbauförderung oder die Entlohnung von Umweltleistungen festmachen lasse. Vielmehr befürchten die Vertreter der Landwirtschaft dadurch noch mehr Kontrollen und wachsenden gesellschaftlichen Druck. Die Gesellschaft fordere Ökolandwirtschaft, kaufe aber sehr preisbewusst beim Discounter. Das passt so nicht zusammen, argumentieren die Landwirtschaftsvertreter weiter. Am Ende bleibt die bayerische Landwirtschaft auf ihren teuer produzierten Produkten sitzen, weil es kaum gelingen wird, Bayern im Agrarbereich von den internationalen Märkten abzukoppeln.

Ein weiteres spannendes Thema bleibt die Wiederansiedlung des Wolfs in Bayern. Während der stellvertretende Kreisobmann, Michael Lichtmannegger, die Aufnahme des Wolfs in das Jagdrecht fordert, stellte Dr. Zimmer den Standpunkt der Grünen mit verbesserten Herdenschutzmaßnahmen und unbürokratischen Entschädigungszahlungen für Wolfsrisse dar. Trotz der zum Teil sehr unterschiedlichen Standpunkten von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und dem bayerischen Bauernverband verlief die Diskussion sehr sachlich und in angenehmer Atmosphäre. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Diskussionspartner in absehbarer Zeit noch einmal tiefgreifender miteinander beschäftigen müssen.

Pressemitteilung des Grünen Kreisverbands Berchtesgadener Land des Bayerischen Bauernverbands

Rubriklistenbild: © picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa (Symbolbild)

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