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Ungleicher Wettbewerb gefährdet Gesundheitsversorgung vor Ort

"Leidet der Landarzt, leidet auch der Apotheker"

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Michaela Kaniber (links) und Dr. Helga Mohrmann.

Berchtesgadener Land - Im Berchtesgadener Land ist die Zukunft der Gesundheitsversorgung derzeit ein wichtiges Thema. Dem Landkreis ist sehr daran gelegen, einem Landärztemangel weitestgehend vorzubeugen und die Weiterbildung der hiesigen Mediziner sicher zu stellen.

Dazu wurde unlängst die „Gesundheitsregion Berchtesgadener Land“ ins Leben gerufen. Auch eine Bereitschaftspraxis ist jüngst eröffnet worden, in der Patienten außerhalb der üblichen Öffnungszeiten der Hausärzte betreut werden.

Im Zuge der ganzheitlichen Betrachtung des Gesundheitswesens ist allerdings auch eine Problemstellung deutlich geworden, bei der auf regionaler Ebene keine Handlungsmöglichkeit besteht: Hiesige Apotheker sehen sich durch Internet-Apotheken massiv benachteiligt.

„Ich wurde zuletzt vermehrt von Pharmazeuten aus meinem Stimmkreis angesprochen, um mich auf diesen Missstand hinzuweisen“, so Michaela Kaniber. Die Apotheken befinden sich nach dem EuGH-Urteil zur Arzneimittelpreisverordnung in der Situation, bei verschreibungspflichtigen Medikamenten an fixe Preise gebunden zu sein – was auf Online-Anbieter nicht zutrifft.

Aufgrund dieser Problematik sehe ich die wohnortnahe Arzneimittelversorgung gefährdet.“ Dr. Helga Mohrmann, Vorsitzende des Gesundheitspolitischen Ausschusses der CSU im Berchtesgadener Land, ergänzt: „Die Apotheke vor Ort braucht das Geschäft mit den rezeptpflichtigen Medikamenten, um Gemeinwohlaufgaben mitzufinanzieren, wie die Vorratshaltung von Medikamenten zur Akutversorgung und den Nacht- und Notdienst. Vor allem kleine Apotheken auf dem Land sind bedroht, denn Umsatzeinbußen können nicht an anderer Stelle kompensiert werden.“

Das deutsche Preisbildungssystem für verschreibungspflichtige Medikamente ist eine unverzichtbare Säule des Gesundheitssystems. Es schützt Patienten vor Übervorteilung, verhindert ruinösen Wettbewerb und Defizite in der Arzneimittelversorgung durch Apotheken und macht das Sachleistungsprinzip der gesetzlichen Krankenkassen bei der Arzneimittelversorgung erst möglich, so Dr. Helga Mohrmann.

„Die bestehende Preisbindung garantiert den Patienten, dass die Apotheker ihre Entscheidungen ausschließlich am Wohl der Patienten orientieren und Qualität und Umfang der Beratung nicht von finanziellen Erwägungen beeinflusst werden.“

Widerspruch zwischen deutscher und europäischer Gesetzgebung

Gerade in ländlichen und strukturschwachen Regionen soll somit langfristig die wohnortnahe Versorgung gesichert werden. „Derzeit herrscht allerdings ein Widerspruch zwischen deutscher und europäischer Gesetzgebung“, stellt Michaela Kaniber fest. „Um diesen aufzuheben ist es nur folgerichtig, den Versandhandel gesetzlich auf Produkte zu beschränken, die nicht der Verschreibungspflicht unterliegen.“

In diesem Zusammenhang bemängelt die Stimmkreisabgeordnete auch den fehlenden Datenschutz für Arzt und Patient. Beim Internet-Arzneimittelhandel ist unklar, wo Informationen zu Diagnosen gespeichert werden und wer darauf Zugriff hat.

Dass dabei zwischen rezeptpflichtigen und nicht rezeptpflichtigen (Online-) Bestellungen nicht unterschieden wird, sieht Michaela Kaniber ebenfalls kritisch.

Ihre Sorge teilte sie in einem Schreiben der bayerischen Staatsministerin für Gesundheit, Dr. Melanie Huml, mit, die sie gleichzeitig um eine Klärung der Situation bat. In diesem Zusammenhang weist Kaniber außerdem auf den drohenden Mangel an Hausärzten in ländlichen Gegenden hin. „Sowohl Landärzte als auch Apotheker stehen im beidseitigen positiven und wichtigen Abhängigkeitsverhältnis. Klar ist: Leidet der Landarzt, leidet auch der Apotheker.“

Pressemitteilung Abgeordnetenbüro Michaela Kaniber (MdL)

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