Pressemitteilung Rotary Club Bad Reichenhall-Berchtesgaden

Ist Hilfe für Afrika noch zeitgemäß?

Kinder stehen in einem Dorf in Ghanas Norden.
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Das jüngste Projekt der Rotarier ist der Aufbau einer Lehr-Farm im armen Norden Ghanas.

Berchtesgadener Land - Wenn wir heute an Afrika denken, dann sind es vielleicht die dunkelhäutigen Flüchtlinge, die wir seit 5 Jahren bei uns sehen, oder wir denken vielleicht an Berichte von Bürgerkriegen und Hungersnöten, wir fragen uns vielleicht, was macht denn die Bundeswehr in Mali oder Dschibouti?

Was kann man als Einzelner im Angesicht dieser riesigen Probleme schon ausrichten? Das fragt sich wohl manch einer und geht zur Tagesordnung über. Mit großen Hilfszahlungen aus staatlicher Entwicklungshilfe ließ sich offensichtlich auch nicht viel erreichen.


Wir, allen voran unser Entwicklungsminister Müller, haben gelernt, dass es viel mehr die kleinen Hilfsprojekte sind, die nachhaltig wirken. Das sind die Mikrokredite für Frauen, der Aufbau von Schulen, aber auch Infokampagnen für HIV-Vermeidung und zur Geburtenkontrolle und anderes. Auch aus unserem Landkreis wurden schon etliche solcher Projekte auf den Weg gebracht, zum Beispiel im Karakorum, in Sierra Leone, in Vietnam und in Indien.

Der Rotary Club Bad Reichenhall-Berchtesgaden engagiert sich seit 15 Jahren besonders in Ghana, weil dort eines seiner Mitglieder, Dr. Henner Krauss, als Arzt mit den German Rotary Volunteer Doctors tätig wurde. Er sah die ärmlichen Bedingungen in den Krankenhäusern des Landes, wo Patienten sterben, lediglich deshalb, weil die finanziellen Mittel, die bei uns selbstverständlich aufgewendet werden würden, fehlen, um diesen zu helfen. Von dieser Hilflosigkeit berichtete er zu Hause und der Rotary Club beschloss, zu helfen, so gut es ging. Fast in jedem Jahr wurden seither Hilfsprojekte verwirklicht. Am Anfang war es ein gebrauchter Ultraschallapparat, an dem dort Ärzte geschult wurden. Dann war es eine einfache moderne Müllverbrennungsanlage um die hygienischen Bedingungen zu verbessern. In Zusammenarbeit mit dem hiesigen Lions Club wurden Endoskopie-Abteilungen eingerichtet und die Ärzte sowohl hier, als auch dort vor Ort geschult.


Schließlich wurde unter Mithilfe vieler Rotary Clubs und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) eine ganze Frauenklinik neu gebaut und mit einer Neugeborenen-Abteilung und neuen Operationssälen ausgestattet. Mit Hilfe dieser Maßnahmen gelang es, die Mütter- und Kindersterblichkeit in dieser Region entscheidend zu verringern. An diesem Krankenhaus wurde auch eine neue Aufnahme- und Intensivstation eingerichtet, die jetzt in einem Umkreis von mehr als 100 Kilometern alleine für alle schwierigen Fälle zuständig ist. Dazu wurde ein Rettungswagen nach Ghana verschifft, der bislang im Berchtesgadener Land seinen Dienst tat. Die dafür notwenigen Intensivpfleger und Ärzte waren zum Teil zu Schulungszwecken auch hier im Krankenhaus, auch der Röntgenologe wurde in Bad Reichenhall in seine neuen Apparate eingewiesen. 

Das jüngste Projekt der Rotarier ist der Aufbau einer Lehr-Farm im armen Norden Ghanas. Dort in der Savanne soll durch Bodenbewässerung, Bodenverbesserung und gezielte Pflanzenauswahl („Agroforestry“) gezeigt werden, wie man höhere Ernteerträge erzielt und die Ernährungsgrundlage gesünder gestaltet. Mit Stipendien für zusätzliche Lehrer, soll den Kindern Larabangas ein neuer Weg in eine bessere Zukunft eröffnet werden.

Mittlerweile waren aus dem Landkreis Berchtesgadener Land schon 10 Ärzte oder Schwestern in Ghana. Sie alle versuchen, das alte, aus der Kolonialzeit stammende Bild des weißen Besserwissers abzulegen und dem schwarzen Kollegen neue Wege zu eröffnen. Für jemand, der solche gemeinsame Arbeit mit dem einheimischen Kollegen erlebt hat, ist Rassismus ein fast unverständliches Phänomen. Für den wird aber auch die Not in solchen Ländern zum persönlichen Antrieb. Auch wenn das alles so aussieht, wie ein Tropfen auf dem heißen Stein in diesem riesigen Kontinent, so können damit doch Wege aufgezeigt werden, um die Notwendigkeit zur Flucht nach Europa zu vermeiden. Eine nachhaltige Änderung dieses Problems kann nur durch die Afrikaner selbst erfolgen (zum Beispiel „good governance“), wir können und müssen der Bevölkerung jedoch dabei helfen.

Pressemitteilung Rotary Club Bad Reichenhall-Berchtesgaden

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