Nach vorgezogenem Lockdown im Berchtesgadener Land

„Viele wissen nicht, wie es weitergeht“ - Einzelhandel mit Einbußen von bis zu 100 Prozent

Mike Rupin, Reichenhaller Unternehmerforum, RUFO
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Mike Rupin, der Vorsitzende des Reichenhaller Unternehmerforums (RUFO), startet eine Plakataktion, um den Einzelhändlern mehr Kunden zu verschaffen.

Berchtesgadener Land - Seit über drei Wochen sind im Berchtesgadener Land die Hotels und Gaststätten zu. Der Einzelhandel darf zwar öffnen, zeichnet aber auch ein düsteres Bild. Die Aktiven Unternehmen Berchtesgaden und das Reichenhaller Unternehmer Forum (RUFO) sehen wenig Möglichkeit für einen Ausgleich.

Konkrete Zahlen liegen weder Michael Rupin, dem Vorsitzenden des Reichenhaller Unternehmer Forum (RUFO), noch Thomas Hettegger, dem Vorsitzenden der Aktiven Unternehmen Berchtesgaden vor. Dennoch ist sich Rupin sicher, dass die Einbußen der Einzelhändler in Bad Reichenhall zwischen 80 und 100 Prozent bewegen.


Einzelhändler im Berchtesgadener Land haben trotz offenen Läden keine Kunden

„Wer soll den Einkaufen gehen?“ stellt Hettegger gegenüber BGLand24.de die Frage in den Raum. „Die Regierung empfiehlt, nur für das Nötigste aus dem Haus zu gehen. Da gehören Mode und Tracht eher nicht dazu.“ Noch dazu würde die geschlossene Gastronomie dafür sorgen, dass ein Weihnachts-Einkaufsbummel uninteressant ist. „Der Einheimische braucht vielleicht grad ein Paar Schuhe oder eine Jacke, aber ansonsten ist es leer in den Innenstädten.“


Thomas Hettegger betreibt die Gastronomie der Jennerbahn und kann zur Zeit auch nur abwarten.

Das kann Michael Rupin nur bestätigen. Darum startet das RUFO eine Plakat-Kampagne, die Weihnachtskäufe jetzt und in Ruhe zu erledigen. „Die Einzelhändler sind offen, aber die Kauflaune am Boden.“ „Was soll man auch kaufen, wenn man nirgends hin darf“, wird Hettegger drastischer. Auch die Aktiven Unternehmen werben mit Plakaten und über die Social Media Kanäle, einkaufen zu gehen.

Keine staatliche Förderung für den Einzelhandel, auch Gastronomie im BGL leidet

„Der Einzelhandel hat massivste Probleme“, weiß auch Rupin. „Sie bekommen keine staatliche Förderung, sie dürfen ja öffnen.“ Und auch für die Gastronomen ist die Förderung zum Teil nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. „So viel bleibt von den angekündigten 75 Prozent des Umsatzes von November 2019 nicht übrig“, bedauert Thomas Hettegger. „Es werden Fixkosten und Löhne sowie auch die Hilfen vom Frühjahr abgezogen.“ Mehr als zehn Prozent der Kosten würden da nicht gedeckt.

„Ich würde lieber aufsperren, statt staatliche Hilfen zu bekommen“, so der Gastronom. „Ich bin Optimist, aber ich glaube nicht, dass sie uns am 1. Dezember aufsperren lassen.“ Vor 20. Dezember rechnet er nicht mit der Öffnung von Hotellerie und Gastronomie. „Wenn die Gastronomie zu ist, hat der Weihnachtseinkauf kein Ambiente, das wird der Handel nicht überleben“, malt Hettegger ein düsteres Bild.

Auch Rupin hat wenig Hoffnung. „Vor allem die kleinen Betriebe haben über den Sommer ihr Erspartes, ihre Altersvorsorge, ihre Rücklagen aufgebraucht. Viele wissen nicht, wie es weiter geht.“ Konkrete Zahlen, welche Betriebe wirklich am Rande ihrer Existenz stehen, hat auch der Vorsitzende des RUFO nicht. Aber von größeren Hotels weiß er, dass die Verluste im fünf- bis sechsstelligen Bereich liegen.

Verwaltungsgericht soll nach wie vor Verhältnismäßigkeit des Lockdowns im BGL bewerten

Damit alle eine kleine Aussicht auf Schadensersatz haben, hält ein Bad Reichenhaller Hotelier im Namen vieler anderer Gewerbetreibender seine Klage vor dem Verwaltungsgericht München bezüglich der Verhältnismäßigkeit der Lockdown-Maßnahmen im Berchtesgadener Land aufrecht. „Auch wenn es Monate oder sogar Jahre dauert, wir wollen eine Prüfung der Maßnahmen“, bekräftigt Michael Rupin.

Bis dahin geben sowohl die Aktiven Unternehmen Berchtesgaden als auch das RUFO ihr bestes, um die Einheimischen zum Einkaufen zu animieren. „Der Markt wird weihnachtlich geschmückt“, verspricht Hettegger und auch ansonsten gebe es einige Überlegungen, was man den Besuchern bieten könnte. Aber sowohl er als auch Michael Rupin wissen, dass „die Hoffnung bei vielen ein sehr kleines Licht“ geworden ist.

cz

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