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Nach Vorfall bei Friseur im BGL

Kundendaten samt Impfstatus öffentlich ausgelegt - Ist das rechtens?

  • Christina Eisenberger
    VonChristina Eisenberger
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Im Berchtesgadener Land soll ein Friseur die Kundendaten samt Impfstatus öffentlich an der Rezeption ausgelegt haben. Das sagt die Verbraucherzentrale zur Rechtslage - und der Friseur zu dem Vorfall:

Berchtesgadener Land - Max Mustermann, 10 - 12 Uhr, geimpft. Erika Musterfrau, 13 - 15 Uhr, getestet. Wer zum Friseur geht, der weiß: Zur Kontaktverfolgung im Falle einer Corona-Infektion muss man die eigenen persönlichen Daten angeben. Name, Adresse, Telefonnummer - das ganze Standard-Prozedere. Gleichzeitig fragen die Dienstleister auch nach den 3-G, also ob der Kunde geimpft, genesen oder getestet ist. Die Daten werden oft auf einen extra Zettel geschrieben, die der Friseur dann einbehält.

Friseursalon legt Liste mit Kundendaten offen aus

Anders in einem Friseursalon im Berchtesgadener Land: Am Empfang liegt eine Liste. Max Mustermann und Erika Musterfrau stehen auch darauf, samt eigener Daten, daneben steht noch der abgefragte Impfstatus. Das Problem? Die Liste liegt offen, für jeden einsehbar an diesem Tresen. Ein schneller Blick reicht, um zu wissen, ob der Sitznachbar beim Friseur getestet, geimpft oder genesen ist. Das erzählt ein Leser gegenüber BGLand24.de.

Kundenliste lieg offen aus: „T“, „I“ oder „G“ für Test, Impfung oder Genesen

Für den Leser gehe das schlichtweg zu weit. Die Liste sei offen beim Empfang aufgelegen, der Leser habe auch noch feststellen können, wie die vorherigen Kunden hießen, unter welche Telefonnummer man sie erreiche und welchen 3-G-Status sie hätten. Grundsätzlich habe der Leser kein Problem damit, die eigenen Daten zur Kontaktverfolgung anzugeben, doch öffentlich die Infos auszulegen und dazu noch ein „T“, „I“ oder „G“ für Test, Impfung oder Genesen dazuzuschreiben, sei nicht in Ordnung. Der Leser habe eine Angestellte darauf angeredet. „Anordnung vom Chef“ hieß es wohl.

Friseure müssen Kontaktdaten zur Nachverfolgung erfassen

Gesetzlich ist klar geregelt, was erlaubt ist und was nicht. „Bestimmte Gewerbetreibende wie Friseurbetriebe oder Gastronomen sind derzeit zur Erfassung der Kontaktdaten ihrer Kunden verpflichtet. Das ergibt sich aus der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung“, erklärt Katharina Grasl von der Verbraucherzentrale Bayern e.V. auf Nachfrage von BGLand24.de.

DSGVO: Daten nur zu Erhebungszweck nutzen

Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) schützt personenbezogene Daten. Davon betroffen sind auch Daten, die im Rahmen der Kontaktnachverfolgung erhoben werden. „Das bedeutet beispielsweise, dass die Daten nur zu dem Zweck genutzt werden dürfen, für den sie erhoben werden. Sie dürfen also nur zur Kontaktnachverfolgung im Falle eines positiven Corona-Falls genutzt werden und nicht etwa für Werbezwecke oder ähnliches. Die Daten müssen auch regelmäßig gelöscht werden“, erklärt Grasl.

Kundendaten vor Einsicht Dritter schützen

Derjenige, der die Daten erhebt, müsse auch dafür sorgen, dass Dritte die Daten nicht einsehen können, erklärt Grasl weiter. Würde etwa eine Liste auslegen, in die sich Kunden eintragen, sodass auch die Daten der vorherigen Kunden lesbar seien, wäre dies nicht in Ordnung. „Solche Listen verstoßen gegen die Datenschutzgrundverordnung. Die Datenschutzbehörden können in einem solchen Fall ein Bußgeld gegen den Verantwortlichen verhängen“, so Grasl.

Darf man als Gewerbetreibender den Impfstatus vermerken?

„Es dürfen auch nur diejenigen Daten erhoben werden, die wirklich erforderlich sind, um die Kontaktnachverfolgung zu gewährleisten. Dazu zählen der vollständige Name des Kunden, die Anschrift sowie eine sichere Kontaktmöglichkeit (Telefonnummer oder E-Mail-Adresse), das Datum und die Uhrzeit des Besuchs. Darüber hinaus dürfen keine Daten erhoben werden.“

Mit Blick auf den Vermerk Test, Impfung oder Genesen erklärt Grasl weiter: „Die Betreiber sind zwar verpflichtet, zu prüfen, ob ihre Kunden die 3G-Anforderungen erfüllen. Hierbei handelt es sich aber nicht um eine Angabe, die im Rahmen der Kontaktnachverfolgung erforderlich ist.“

Betroffener Friseur klärt auf

Bei dem betroffenen Friseur nachgefragt, zeigt sich schnell: Hier handelt es sich wohl um einen Haufen unglücklicher Zufälle. Die Betreiberin des Friseursalons erklärt, dass in den über 100 Filialen, zu dem auch der betroffene Salon gehöre, überall das gleiche Konzept herrsche: Jede Filiale habe ein vorgefertigtes „Board“, in welches die Kontaktdaten der Kunden zur Nachverfolgung eingetragen werden.

Neben den Kontaktdaten würde zusätzlich der jeweilige Friseur hinzugeschrieben und lediglich ein Haken gesetzt, dass der Kunde eines der 3-G hätte, es würde aber nicht explizit hingeschrieben, ob Test, Impfung oder genesen. So sei zumindest die Vorgabe von der Zentrale. „Jetzt haben wir es aber mit Menschen zu tun“, erklärt die Besitzerin. Ja, das Board läge meist auf der Rezeption, „weil wir die Liste ständig brauchen“. Jedoch müsse man erst ein Deckblatt umklappen, um die Daten einsehen zu können. In dieser Filiale wurde das Deckblatt offenbar entfernt. (auch BGland24.de hat sich die Lage in dem Friseursalon kurz angesehen - die Kundenliste samt personenbezogener Daten lag tatsächlich am Tresen frei ersichtlich aus - einige Tage, nachdem der Leser darauf aufmerksam gemacht hatte. Lediglich ein Vermerk zu Test, Impfung oder Genesen war nicht ersichtlich.)

Grundsätzlich würden die Kundendaten im Unternehmen penibel behandelt, so die Betreiberin. Man würde die Listen auch nicht einfach in den Hausmüll werfen, sondern professionell schreddern. Eigentlich sei auch regelmäßig ein Regionalleiter in den Filialen. In dem betroffenen Salon habe die zuständige Leitung wohl zu dem Zeitpunkt Urlaub gehabt, deswegen wurde der Fehler mit dem Impf-Status-Vermerk und dem fehlenden Deckblatt wohl nicht gleich entdeckt. Die Friseurinnen und Friseure seien grundsätzlich sehr gewissenhaft, in diesem Fall wohl zu gewissenhaft. Die Betreiberin merkte auch an: „Wir können und wollen uns keine Fehler erlauben.“ Man sei um jeden Kunden dankbar. Gerne solle man deswegen bei Missständen das Gespräch suchen. Auch der Leser hatte dies gemacht.

Was kann man als Kunde tun?

Grasl empfiehlt ebenfalls: „Wenn Verbraucher aufgefordert werden, sich in eine Liste einzutragen, sollten sie zunächst das Gespräch mit dem Betreiber suchen. Oftmals wird neben einer Erfassung in Papierform auch eine elektronische Erfassung angeboten oder aber man gibt die Kontaktdaten auf einem gesonderten Blatt Papier ab. Sollte ein Gespräch keine Klärung bringen, besteht die Möglichkeit, die zuständige Datenschutzbehörde zu informieren.“

ce

Rubriklistenbild: © Magdalena Troendle/dpa

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