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Tourismusbetriebe unterstützen

Fraktionssitzung der Kreistagsfraktion der Grünen im Berchtesgadener Land

Berchtesgadener Land - „Die Betriebe im Tourismus alle 3 Tage auf- und dann wieder zusperren ist kein planvolles Vorgehen und in der Praxis unmöglich. Das ist völlig unakzeptabel und verkennt die Bedürfnisse unserer Betriebe komplett“, übte Grünen Fraktionssprecher Dr. Bartl Wimmer in der jüngsten Fraktionssitzung der Grünen Kreistagsfraktion massive Kritik am Corona-Wirrwarr im Tourismusbereich. 

Die Pressemeldung im Wortlaut:

Dr. Wimmer weiter: “Wir haben alleine im inneren Landkreis 2000 Betriebe, die touristisch tätig sind; die größeren davon mit einem Personalstand von deutlich über 50. Viele unserer Betriebe sind in höchster Existenznot. Uns Allen, die wir im Tourismus tätig sind, fehlt jegliches Verständnis wie die Regierung handelt und mit uns umspringt. Der Tourismus wird komplett im Stich gelassen, auf die Bedürfnisse der Betriebe geht die Regierung nicht ein. Da prescht Ministerpräsident Söder mit dem Aufsperren vor und dann liefert der stellvertretende Ministerpräsident Aiwanger wochenlang nicht die nötige Verordnung. Und in dieser ist dann momentan nur das Aufsperren geregelt, und bei den Schließszenarien wird auf untaugliche Sollregeln des Bundes verwiesen. Unsere Tourismuswirtschaft musste über ein halbes Jahr komplett zurückstehen, viele kämpfen ums Überleben. Anscheinend wird auch völlig verkannt, dass unsere Betriebe mit den österreichischen Betrieben sowohl um die Gäste konkurrieren, als auch um das Personal.“

Dr. Wimmer machte einen konkreten Verbesserungsvorschlag: „Der Fehler liegt derzeit im System, dem ausschließlichen Augenmerk auf die Inzidenzzahl 100. Wenn man bei einer Inzidenz von unter 100 aufmachen und wenn man knapp über derselben Zahl 100 wieder zumachen muss, ergibt das automatisch dieses unsägliche Hin und Her. Wir brauchen dringend Lösungen, die uns vor gesundheitlichen Gefahren schützen und genauso die Wirtschaftlichkeit der Betriebe erhalten. Praktikabel für den Tourismus wäre z. B. das Schließen bei einer höheren Inzidenzzahl und das zusätzliche Einbeziehen der medizinischen Versorgung in die Überlegungen. Zu unserem Bedauern stoßen aber alle unsere Vorschläge auf eine für den Tourismus praktikable Lösung bei der Bairischen Staatsregierung auf taube Ohren.

Der Teisendorfer Kreisrat Albert Aschauer berichtete über ein kürzliches Gespräch und betonte, dass er die Sorgen und die Wut eines Wirtes in Schneizlreuth sehr gut nachvollziehen könne und verstehe. Der erzählte mir: „Wenn ich beim Fenster rausschaue, sehe ich wie die Leute bei mir vorbeifahren, weiter zum Wirt nach Österreich. Ich kaufe ein – und dann muss ich wieder zusperren und womöglich Lebensmittel wegwerfen. Da sträubt sich alles in mir. Es geht einfach so nicht mehr weiter. Wenn sich die Regelungen nicht bald ändern, ist´s vorbei.“

Fraktionskollegin Kreisrätin Marlis Moderegger aus Bischofswiesen schilderte die Situation „von uns kleinen Vermietern“. „Ich hätte eigentlich über Pfingsten meine Zimmer fast voll belegt gehabt. Jetzt sagen viele Gäste wieder ab und fahren lieber woanders hin, wo sicherer ist, dass sie bei einer leichten Erhöhung der Inzidenzzahl nicht gleich wieder abreisen müssen. Sie fahren jetzt nach Österreich. Wir hatten über 7 Monate lang zu. Ein Problem für viele dieser Vermieter ist auch, dass sie keine staatliche Unterstützung erhalten, da sie meist ein anderes Nebeneinkommen haben. Ich war so voller Vorfreude auf´s Aufsperren. Ich finde es erschreckend wie plan- und ziellos die Regierung vorgeht. Und es wundert mich auch, wie geduldig dies alles hingenommen wird. Es ist zu befürchten, dass auch viele kleine aufhören und somit verloren gehen. Ich fände das sehr schade, gerade die Vielfalt an Angeboten sind eine große Bereicherung.“

Mit deutlichem Unverständnis berichtete Kreisrätin Iris Edenhofer aus Berchtesgaden von einem aktuellen Problem der Hebammenversorgung. „Wir haben uns über den Kreistagsbeschluss von 2018 zur Gründung einer Netzwerkstelle zur Hebammenversorgung sehr gefreut und diese in runden Tischen mit Engagement unterstützt. Nun soll kurzfristig umstrukturiert werden und statt einer Hebamme eine Gesundheitsmanagerin das Projekt leiten, Hebammen sollen das Projekt weiterhin ehrenamtlich begleiten. Wir Hebammen sind darüber stark verärgert. Es gab diesbezüglich keine Rücksprache mit uns. Das müsste uns schon genau erklärt werden: Warum soll man ein Projekt umstrukturieren, das gut läuft und die zurzeit angestellte Hebamme und die Sachbearbeiterin sehr positive Bewertungen erhalten? Wissen muss man auch, dass die von der Staatsregierung bezuschussten Gelder zur Entlastung der Hebammenschaft und zur besseren Versorgung der Mütter und Kinder eingesetzt werden. Es soll also keine Hebamme mehr im Projekt eingeplant werden, obwohl man weiß, dass die Projekte mit Hebammenbeteiligung im Rest Bayerns deutlich höhere Akzeptanz genießen. Wir hoffen stark auf ein Weiterführen des Projekts in der jetzigen Form, das sich für Hebammen und Wöchnerinnen bewährt hat.“

Pressemeldung der Kreistagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen

Rubriklistenbild: © dpa/Stefan Sauer

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