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Energiekrise im heimischen Handwerk

Brot im Berchtesgadener Land in Not - „Von DAX-Konzernen können wir kein Volk ernähren“

Bäcker Neumeier
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Versuchen die Situation positiv zu sehen: Alfons Neumeier (l) von den gleichnamigen Bäckerbrüdern und Bäckergeselle Thomas Neumeier (r)

Wie es mit dem Brot im Ofen weitergeht, kann Franz-Xaver Neumeier derzeit nur schwer beurteilen: Mit sechs Bäckerei-Filialen im Berchtesgadener Land, unter anderem in Berchtesgaden, Piding und Freilassing, und mehr als 70 Mitarbeitern sind die Bäcker-Brüder Neumeier ein klassischer Handwerksbetrieb und Nahversorger der Region. Vor zwei Jahren hat der Familienbetrieb beträchtlich in die Modernisierung der Backstube im Stangenwald in Bischofswiesen investiert. Doch die Energiekrise geht nicht spurlos an ihnen vorüber.

Berchtesgadener Land – „Maximal fünf Prozent“, sagt Franz-Xaver Neumeier. Mehr könne er die Preise für Semmeln und Brezen nicht anheben. „Wenn eine Kaisersemmel plötzlich das Doppelte kostet, dann kauft keiner mehr in der Bäckerei“, sagt der Bäckermeister und Betriebswirt, der das Traditionsunternehmen führt. Seit Jahren kämpfen die Bäcker gegen Billigbrötchen von Discountern an. Qualität kostet seinen Preis. Doch an der Preisschraube lässt sich derzeit kaum weiterdrehen. 

Die momentane Lage ist voll von Unwägbarkeiten, die das Handwerk vor Herausforderungen stellt. Dennoch: Man müsse zuversichtlich bleiben, sagt Franz-Xaver Neumeier.

Erst vor zwei Jahren haben die Bäcker-Brüder eine große Summe ins Stammhaus im Gewerbegebiet Stangenwald investiert. Das Edelstahl glänzt noch wie neu: Fortschrittliche Öfen haben die alten ersetzt. Eine moderne Kühlung mit großen Kühlräumen, die über ein Bedienfeld programmiert werden, soll den Betrieb in die Zukunft führen. In temperierten Gärautomaten können sich die Teige entfalten. Draußen im Hof stehen zwei Elektroautos, mit denen Semmeln, Brezen und Brote zu Kunden und den weiteren Filialen transportiert werden. In der Bischofswieser Bäckerei arbeitet man bereits mit Wärmerückgewinnung, „Energetisch sind wir gut aufgestellt“, sagt Franz-Xaver Neumeier. Gebacken wird hier zwar noch von Hand. Dennoch ist eine Bäckerei auch ein technisiertes Unternehmen. Mithilfe der Technik werden gewisse Arbeitsprozesse automatisiert. Die Bäcker-Brüder bedienen eine große Zahl von Hotels, sind also auch vom Tourismus im Berchtesgadener Land abhängig.

Für die Zukunft gerüstet

Doch alles hängt von der Energie ab: Die Maschinen, die die Teige automatisch portionieren und zu 90 Gramm schweren Kugeln formen, laufen automatisch. Mit einem Blockheizkraftwerk und einer Photovoltaikanlage sind die Neumeiers für die Zukunft zwar gerüstet - aber eben weiterhin abhängig von Erdgas. Der Öltank, auf den man früher setzte, ist so gut wie still gelegt.

Der Handwerksbetrieb hat langfristige Verträge mit dem Landesinnungsverband der Bayerischen Bäcker geschlossen, „sehr gute Preise“, sagt Franz-Xaver Neumeier. Bis Ende 2023 laufen diese. „Ich kann die Situation aber momentan schwer einschätzen“, sagt er. Denn die Stromkosten sind bereits massiv gestiegen. Die Gasumlage, die angekündigten Gaspreis-Erhöhungen: Das alles drückt auf die Stimmung des Bäckers, auf den Umsatz und rückt die Zukunftsperspektive in ungewisses Licht. Auch die Preise für Mehl und für Zucker seien bis zu „40 Prozent“ nach oben geschossen. Es sind die Rohstoffe für das tägliche Brot, das bei den Kunden schließlich auf dem Frühstückstisch landet. In der Bäckerei sorgt man sich um Kaufverhalten der Kunden: Dass sie nicht mehr kommen, weil das Leben generell so teuer wird.

Energiekrise belastender als die Corona-Pandemie

„Wir haben auch eine Verantwortung unseren Mitarbeitern gegenüber“, sagt Bäcker Neumeier, dessen Großvater bereits Biobrot gebacken hatte. 70 Angestellte zählt der mittelständische Betrieb, die Fluktuation sei gering. „Wir finden auch heute noch neue Mitarbeiter, wenn wir suchen“, sagt der Arbeitgeber. Im Stangenwald legt man Wert auf die handwerkliche Produktion, setzt auf eigenständig kreierte Rezepte. Hier wird nicht nur nachts gearbeitet, wie es bei manchen Bäckereien der Fall ist, sondern auch tagsüber im Schichtbetrieb. Fragt man Alfons Neumeier, einen der namensgebenden Bäckerbrüder, wird er sauer: Die kürzlich getroffenen Aussagen von Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck über Bäcker, Preise und Insolvenzen in einer Talkshow im Öffentlich-Rechtlichen empfindet er als beschämend. Alfons Neumeier erwartet sich eine umfassende Unterstützung seitens der Politik und sagt: „Von DAX-Konzernen können wir kein Volk ernähren.“ 

Das aktuelle Jahr sei für die Bäcker-Brüder ein „sehr gutes“ gewesen, auch das ist die Wahrheit, sagt Franz-Xaver Neumeier. Urlaubsgäste kamen in rauen Mengen. Die Hotels verlangten nach Frühstückssemmeln wie in Vor-Corona-Zeiten.

Die Energiekrise werde aber belastender sein als die Corona-Pandemie, in der man bereits 60 Prozent an Umsatz eingebüßt hatte: „Wir werden unter der Krise noch leiden“, schätzt Franz-Xaver Neumeier. 

kp

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