Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Exkursion in das Klausbachtal

Die Felsstürze vom Kleinen Mühlsturzhorn

Verzauberte Landschaft durch pulverisiertes Gestein im September 1999.
+
Verzauberte Landschaft durch pulverisiertes Gestein im September 1999.

Im September hatte der Bund Naturschutz zu einer Exkursion in das Klausbachtal zum großen Mühlsturzgraben und entlang des Standgrabens unter Führung des Geologen Dr. Ewald Langenscheidt eingeladen.

Die Mitteilung im Wortlaut:

Berchtesgadener Land - Die Exkursion war ursprünglich zum 20-jährigen Ereignis der Felsstürze geplant, musste aber mehrmals verschoben werden.

Vor 22 Jahren: Die Felsstürze vom Kleinen Mühlsturzhorn

Nicht weit entfernt von der Hängebrücke erklärte der Geologe den Exkursionsteilnehmern auch anhand aufschlussreicher Bilder und Grafiken, wie es zu dem ‚scheinbar‘ großen Felssturz kam. Denn dieser ist weit entfernt von einem Bergsturz gewesen. Am 8. September 1999 löste sich aus der Südwest-Flanke des Kleinen Mühlsturzhornes ein Felssturz. Dies geschah nicht unerwartet, denn in den Wochen zuvor häuften sich kleinere Steinschlagereignisse und bei der Sanierung einer Kletterroute durch die Südwand war aufgefallen, dass etliche Haken nicht mehr im Fels steckten, sondern mehr oder weniger offen in der Wand lagen. Weitere Steinschläge folgten und am 21. September 1999 ereignete sich ein zweiter Felssturz.

Nach der Größe der Ausbruchsstellen zu schließen, stürzten insgesamt etwa 200.000 bis 250.000 Kubikmeter Dachsteinkalk vom Kleinen Mühlsturzhorn durch den Mühlsturzgraben talwärts. Im Vergleich zum Bergsturz ‚Zauberwald‘ mit einem Volumen von rund 15 Millionen Kubikmeter ist das nur ein sechzigstel der Menge und im Vergleich zur Talverfüllung der Au im Klausbachtal, die aus Schuttmaterial und Schotter besteht und den heutigen Talboden bildet, großzügig gerechnet nur etwa ein fünfhundertstel, vielleicht sogar weniger. Von einem Bergsturz spricht man erst ab einem Volumen von einer Million Kubikmeter.

Ursachen der Felsstürze

Die Ursachen für die Sturzereignisse liegen in der geologischen Vergangenheit. Durch die Gebirgsbildung entstanden Klüfte und Störungen, das Gestein wurde aufgelockert, an manchen besonders stark beanspruchten Stellen völlig zerrüttet. Während der Eiszeiten hobelten Gletscher die Täler aus, zerteilten Bergketten und formten das heutige Relief. Liegen nun stark beanspruchte und gestörte Gesteine hoch über dem Talboden an steilen Bergflanken oder bauen ganze Berge auf, sind Sturzereignisse geradezu vorprogrammiert. Solche Sturzereignisse - auch in weit größerem Umfang - haben sich dort schon mehrfach ereignet, das zeigen ältere Ablagerungen entlang der Hirschbichlstraße an.

Ablagerungen der Felsstürze aus dem Jahr 1999

Die Ereignisse vom 8. September 1999 führten zur Ablagerung der Hauptsturzmasse im unteren Bereich des Großen Mühlsturzgrabens bis in eine Höhe von etwa 120 -140 Meter oberhalb der Hirschbichlstraße. Blöcke in einer Größe von bis zu einem Meter bildeten die Hauptmasse. Anschließend verlagerten sich die Sturzmassen langsam talwärts. Spektakulär war bei den kleineren Stürzen vom 21. September die Staubentwicklung, der „Mehlsand“, der das Aussehen der Landschaft veränderte.

Über vier Quadratkilometer bedeckte der weiße Gesteinsstaub das Tal, rund 8000 Kubikmeter Gestein dürften pulverisiert worden sein. An der Stelle berichtete Erich Prechtl von seiner damaligen Wanderung durch eine einmalig verzauberte Landschaft mit grünen Blättern, die von oben mit einer weißen Schicht bedeckt war. Für die Almbauern war das aber gar nicht so romatisch, wie sich Dr. Hubert Zierl noch gut erinnern konnte. Da das Futtergras auch unter einer Zentimeterdicken Staubschicht lag, half auf der Ragertalm die Feuerwehr bei der Staubbeseitigung.

Nach den Felsstürzen: die Muren

Nach den Stürzen vom 21. September 1999 wurden Muren ausgelöst, wobei die untere über die Hirschbichlstraße hinwegging und die Brücke des Wanderweges über den Klausbach zerstörte. Die Nationalparkverwaltung verlegte daraufhin den Wanderweg und errichtete die heutige Hängebrücke. Eine wesentliche Frage bei dem Murgeschehen war: Wo kam das beteiligte Wasser her? In den Tagen zuvor hatte es kaum geregnet, keinesfalls genug, um die Muren auszulösen. Es stellte sich schließlich heraus, so Langenscheidt, dass das kleinere Sturzereignis auf Lawinenschnee niederging, der, vor dem Abschmelzen geschützt durch Steinschlagbedeckung, den Sommer überdauert hatte. Es kam infolge des Sturzes zu einer plötzlichen Druckverflüssigung des Lawinenschnees und das dabei abfließende Wasser löste die Muren aus.

Wie geht es weiter?

Aufgrund der vorhandenen Instabilitäten, der Steilheit und der Zerrüttung des Gesteins vom Großen Mühlsturzhorn bis zu den Grundübelhörnern sind weitere Sturzereignisse zu erwarten. Am Rande des derzeitigen Ausbruchs hat sich ein Felspfeiler allseitig abgelöst und ist durch eine Randkluft vom übrigen Fels getrennt. Auch etwas seitlich unterhalb der Ausbruchstelle vom 8. September 1999 lösen sich immer wieder Steinschläge, dort erweitert sich eine Kluft. Auffällig helle Stellen im Fels zeigen aktuelle kleinere Ausbruchsstellen im Gipfelbereich an und nach stärkeren Niederschlägen traten und treten Muren auf, die auch über die Straße reichen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich wieder größere Ereignisse einstellen, die Voraussetzungen dafür sind gegeben.

Pressemitteilung BUND Naturschutz in Bayern e.V., Kreisgruppe Berchtesgadener Land

Kommentare