Vor allem Schüler und Veranstaltungen betroffen

Landrat verkündet massive Einschränkungen im Berchtesgadener Land

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Landrat Bernhard Kern appelliert an die Vernunft der Bürger im Berchtesgadener Land, die Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln ernst zu nehmen und anzuwenden.

Berchtesgadener Land - Nachdem der Landkreis die 7-Tage-Inzidenz von 50 klar überschritten hat, ist eine Allgemeinverfügung nötig geworden. Diese greift am Mittwoch, 14. Oktober, um 0 Uhr. Am meisten trifft es Veranstaltungen und Schüler.

„Bei privaten oder nicht öffentlichen Veranstaltungen in geschlossenen Räumen dürfen ab sofort nur noch 25 Teilnehmende anwesend sein, im Freien beträgt die Teilnehmerzahl maximal 50 Personen – dies gilt unter anderem für Feiern wie Hochzeiten, Beerdigungen oder Geburtstage“, teilte Landrat Bernhard Kern am Dienstagmittag auf einer Pressekonferenz mit. Er hatte bereits am Sonntag vor einer Überschreitung des 7-Tage-Inzidenzwert gewarnt und war jetzt gezwungen zu handeln.


Die betroffenen Mitarbeiter im Landratsamt seien das ganze Wochenende in Kontakt gewesen, um eine Allgemeinverfügung auszuarbeiten, die bei der Eindämmung der Coronazahlen behilflich sein soll. Besonders betroffen sind die Schüler, denn der Freistaat Bayern sieht bei der Überschreitung des Inzidenzwertes vor, dass der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden muss. „Das ist aber in den wenigsten Klassenzimmern möglich“, weiß Schulamtsleiter Klaus Biersack.


Wegen zu hoher Corona-Inzidenz geteilter Unterricht in den Schulen im Berchtesgadener Land

Deshalb werden die Klassen ab Mittwoch für vorerst eine Woche wieder halbiert und während der eine Teil Präsenzunterricht in der Schule hat, macht der andere Teil Distanzunterricht zu Hause. Ab der Jahrgangsstufe 5 muss auch im Unterricht wieder ein Mund- und Nasenschutz getragen werden. Eine Tatsache, die den Eltern vor allem deshalb auch sauer aufstößt, weil eine Notbetreuung nicht vorgesehen ist. „Ich werde mit den Schulleitern sprechen, dass wir zumindest für Härtefälle eine Lösung anbieten können“, versprach der Schulamtsleiter.

Landrat Bernhard Kern appellierte aber an die Eltern: „Es ist natürlich ein wichtiges Thema, dass die Kinder betreut sind. Dennoch sprechen wir derzeit von einer Woche.“ Kern ist zuversichtlich, dass die Corona-Zahlen wieder sinken werden, wenn jeder einzelne die entsprechende Vorsicht walten lässt. Dazu gehört auch, sich künftig im öffentlichen Raum nur noch mit maximal fünf Personen oder zwei Haushalten zu treffen.

Wichtige Corona-Maßnahmen im Berchtesgadener Land im Überblick:

  • Beschränkungen der Teilnehmer bei Veranstaltungen, die nicht für ein beliebiges Publikum angeboten werden, wie Feiern, Hochzeiten, etc. auf 25 Personen im geschlossenen Raum und 50 Personen im Freien (mit vorliegendem Schutz-und Hygienekonzept)
  • Bei privaten Zusammenkünften Angehörige des eigenen Hausstands, Ehegatten, Lebenspartner, Partner einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft, Verwandte in gerader Linie, Geschwister, sowie Angehörige eines weiteren Hausstands oder Gruppen von bis zu fünf Personen. Gleiches gilt in der Gastronomie an einem Tisch
  • Bei Besuchen in Pflegeeinrichtungen, wie Seniorenheim und Krankenhaus ein Besucher pro Tag, Ausnahme: Bei Minderjährigen ist ein gemeinsamer Elternbesuch möglich
  • In den Schulen ist ab Jahrgangsstufe 5 ein Mund-Nasen-Schutz auch am Platz zu tragen. Es muss ein Mindestabstand von 1,5 Metern gewährleistet sein. Ist dies nicht möglich sind Klassen zu teilen und im Wechsel von Distanz- und Präsenzunterricht zu beschulen.
  • In Kindertagesstätten müssen feste Gruppen gebildet werden, auch das Essen ist in festen Gruppen einzunehmen
  • Der Aufenthalt an Bahnhöfen und Bushaltestationen verpflichtet zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes.
  • Die Abgabe von Speisen und Getränken zum Verzehr an Ort und Stelle nach § 13 Abs. 4 der 7. BayIfSMV ist in der Zeit von 23:00 bis 6:00 Uhr untersagt.
  • Verstöße gegen diese Allgemeinverfügung stellen gemäß § 73 Abs. 1a Nr. 6 IfSG eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einer Geldbuße bis zu 25.000 Euro geahndet werden kann.

„Das Allerwichtigste ist es, einen zweiten Lockdown zu verhindern“, brachte es die Juristin Angelika Niedl auf den Punkt. Deshalb seien aus ihrer Sicht auch die Maßnahmen an den Schulen noch verhältnismäßig. „Wir schränken die Grundrechte ein“, ist nicht nur ihr die Situation bewusst. „Deshalb haben wir die Verfügung mit Augenmerk ausgearbeitet.“

Diese Verfügung war nötig geworden, da die 7-Tage-Inzidenz übers Wochenende von 16 auf 57,6 gestiegen war. Mittlerweile liegt sie sogar bei 72,7. Schuld an den hohen Zahlen seien zum einen private Feiern vor allem im Raum Anger, aber auch ein diffuses Geschehen, bei dem die Herkunft nicht mehr nachzuvollziehen sei. „Das Verhältnis liegt ungefähr bei 60 zu 40 Prozent“, erklärte der Leiter des Gesundheitsamtes Dr. Wolfgang Krämer.

Allgemeinverfügung wegen zu hoher 7-Tage-Inzidenz im Berchtesgadener Land bis 21. Oktober

Diese Tatsache hatte auch dafür gesorgt, dass am Sonntag kurzfristig beschlossen wurde, die Grundschule in Anger und die Kindergärten am Montag geschlossen zu lassen. Auch Schüler aus Anger, die auf weiterführende Schulen gehen, wurden angehalten, zu Hause zu bleiben.

Außerdem hat der SC Anger seinen Spielbetrieb vorübergehend eingestellt. Gottesdienste, Sport, Freizeiteinrichtungen oder Kulturstätten im Landkreis sind von der Allgemeinverfügung ansonsten nicht betroffen. Die Verfügung gilt vorerst bis 21. Oktober. „Je nach Entwicklung der Zahlen kann sie dann außer Kraft gesetzt, überarbeitet oder verschärft werden“, kündigte Angelika Niedl an.

Um dem erhöhten Test-Aufkommen gerecht zu werden, wurden außerdem die Öffnungszeiten des Corona-Testzentrums in Bayerisch Gmain angepasst. Abstriche werden immer montags bis samstags, jeweils von 12:00 bis 18:00 Uhr vorgenommen. Diese Öffnungszeiten gelten vorerst bis einschließlich 24. Oktober.

cz

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