"Die Unsicherheit ist das Schlimmste"

Hotel und Gastro im BGL "planen" Wiedereröffnung - und sehen auch Chancen

Geschlossene Restaurants und Hotels, Brigitte Schlögl, ist zuversichtlich
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Brigitte Schlögl wünscht sich selbst nichts sehnlicher, als einen Kaffee trinken oder essen zu gehen. Noch ist das in Bayern und Deutschland nicht möglich.

Landkreis - Seit 21. März steht das öffentliche Leben in Bayern still. Besonders betroffen ist auch die Hotellerie und Gastronomie. Mit Lieferservice, To Go-Angeboten oder Straßenverkauf versuchen sie sich über Wasser zu halten. Aber auch im Hintergrund wird fleißig gearbeitet, wie Brigitte Schlögl von der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH verrät.

In allen Städten und Gemeinden der Region bietet sich das gleiche Bild: geschlossene Lokale, hochgeklappte Stühle in den Biergärten, leere Hotels. Und das Schlimmste daran: keiner weiß, wann es wie weitergeht. "Die Unsicherheit ist das Schlimmste", gibt auch die Geschäftsführerin der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH, Brigitte Schlögl, zu. Zusammen mit ihrem Team ist sie derzeit damit beschäftigt, die Ausflugsziele, Hotels und Gastronomiebetriebe zu beraten.


"Es geht um die Frage, wie bereiten sie sich darauf vor, wenn sie wieder öffnen dürfen", erklärt Schlögl gegenüber BGLand24.de. "Da sind Fragen zu klären, welche Hygiene-Maßnahmen müssen vorbereitet werden, was muss jeder Betrieb beachten." Dazu gibt es täglich eine Rundmail an die Gastgeber, in der die aktuellen Fakten verbreitet werden.

Eine Sorge treibt die Vermieter und auch Brigitte Schlögl besonders um: "Stell dir vor, es ist offen und keiner geht hin." Denn selbst wenn an Pfingsten eine erste leichte Lockerung der Beschränkungen für die Gastronomie eintreten könnte, wisse man nicht, ob sich die Leute dann auf die Straße trauen. "Das ist ein Unsicherheitsfaktor, der nicht kalkulierbar ist."


Online-Kampagne und Inlandsgäste: BGLT arbeitet im Hintergrund

An den kalkulierbaren Lösungen arbeitet die BGLT-Geschäftsführerin mit ihrem Team. "Wir haben eine Online-Kampagne vorbereitet, die starten kann, sobald es wieder losgeht." Da gibt es dann entsprechende Angebote, um die Urlauber in die Region zu locken. Denn dass Urlauber kommen, davon ist Schlögl überzeugt. "Der Wunsch, hinauszufahren, wird bei den Leuten stärker werden, je länger die Krise dauert." Außerdem hätten schon viele Stammgäste beteuert, sie kämen wieder sobald es gehe.

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"Wir haben über 90 Prozent Inlandsgäste", analysiert Brigitte Schlögl. "Wenn man vorerst nur innerhalb Deutschlands verreisen darf, wird zusätzlich die Nachfrage in Bayern, an den Alpen und an den Küsten steigen, so die Prognosen." Eine Prognose die auch die BGLT-Geschäftsführerin teilt und darin auch einen Vorteil gegenüber dem Nachbarland Österreich sieht. "Österreich ist ein kleines Land. Viele Urlaubsgäste kommen aus Deutschland und anderen Ländern. Wir haben schon einen sehr starken Inlandstourismus."

"Gäste, die 14 Tage ins Ausland wollten, switchen um"

Dementsprechend ist auch der Vorstoß der Österreichischen Tourismus Ministerin Elisabeth Köstinger zu verstehen, die gegenüber der Zeitung "Die Presse" geäußert hat: "Die Einschränkung der Reisefreiheit wird uns in den nächsten Monaten noch erhalten bleiben. Wenn Länder aber auch auf einem sehr guten und positiven Weg sind, wie beispielsweise Deutschland, dann gibt es durchaus auch die Möglichkeit, dass man sich bilateral einigt."

Vor dieser bilateralen Einigung hat Schlögl keine Angst. "Erstens haben wir gegenüber Österreich eben den Startvorteil mit den Inlandsgästen. Zweitens können wir durch die Krise auch eine neue Zielgruppe erschließen." Auslandsreisende, die ihren Urlaub schon gebucht hätten, würden sich an die BGLT wenden, mit der Bitte, ihnen ein Urlaubsangebot zu machen. "Und da sprechen wir nicht von drei oder vier Übernachtungen", freut sich Schlögl. "Gäste, die 14 Tage ins Ausland wollten, switchen um. Diese Chance müssen wir nutzen."

Gleichzeitig ist die Berchtesgadener Land Tourismus GmbH eine Kooperation mit dem Bergphilosophen Jens Badura eingegangen. Er nimmt die User der BGLT-Social-Media-Kanäle mit auf eine Gedankenreise. So könne man den Tourismus in der Alpenregion anders beleuchten. "Aus einem Problem wird oft auch etwas neues", verweist Schlögl dabei auf den im vergangenen Jahr thematisierten Overtourism.

Grundsätzlich seien die Sozcal-Media-Kanäle genauso eine Möglichkeit, mit den Gästen in Kontakt zu bleiben, wie eine gut gepflegte Kundendatei. Eine Sehnsuchtskampagne, bei der die Gäste ihre schönsten Urlaubsfotos schicken konnten, soll genauso helfen, Lust auf das Berchtesgadener Land zu machen, wie die Bilder, die die Tourist-Info Schönau am Königssee verbreitet.

Ein bisschen Urlaub im Wohnzimmer, aber "man muss sehr vorsichtig sein mit der Wortwahl". Die Tourismus-Expertin weiß, dass auch der Kunde von Ängsten geprägt ist, da erreiche man mit schönen Bildern oft das Gegenteil. "Letztlich werden wir alle mit Corona leben müssen", ist sich auch die BGLT-Geschäftsführerin sicher. "Am 4. und 5. Mai werden wir mehr wissen, wie es weitergeht."

cz

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