Flüchtlingsstrom bei Minderjährigen steigt

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Der Flüchtlingsstrom bei Minderjährigen steigt im Landkreis.

Landkreis - 2013 waren es noch 35 Jugendliche. In 2014 ist die Zahl der unbegleiteten Minderjährigen deutlich angestiegen. Der Aufwand für die Betreuer wird immer größer.

Die Flüchtlingsströme aus den Krisenherden im Nahen und im Mittleren Osten sowie in Afrika wirken sich in Bayern durch eine deutliche Zunahme an Asylbewerbern aus. Besonders betroffen sind davon Minderjährige, die oft traumatisiert und völlig auf sich allein gestellt in eine neue Welt kommen. Der Landkreis Berchtesgadener Land mit seinen 15 Städten, Märkten und Gemeinden ist hier aufgrund seiner geographischen Lage besonders gefordert.

Besonderer Einsatz wird vor allem den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Jugendamts abverlangt, die an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr bereit stehen müssen, wenn „unbegleitete Minderjährige“, so die offizielle Bezeichnung, im Zug oder - von Schleusern ausgesetzt - an der Autobahn bei Kontrollen der Polizei aufgegriffen und vom Jugendamt in Obhut genommen werden müssen.

Waren es im Jahre 2013 noch 35 unbegleitete Minderjährige, die das Landratsamt Berchtesgadener Land zu betreuen hatte, steigerte sich diese Zahl im vergangenen Jahr auf 175 Jugendliche, davon 170 Jungen und 5 Mädchen, so der Leiter des Jugendamts im Landratsamt Berchtesgadener Land, Mathias Kunz.

Die unbegleiteten Minderjährigen kamen im vergangenen Jahr aus folgenden Ländern:

- Afghanistan 131

- Syrien 17

- Eritrea 7

- Kosovo 4

- Somalia 3

- Tunesien 2

- Marokko 2

- Kurde 2

- Elfenbeinküste 1

- Gambia 1

- Algerien 1

- Türkei 1

- Mali 1

- Ägypten 1

- Staatenlos 1

Im Jahr 2015 wurden bis Ende Februar bereits wieder 34 Jugendliche in Obhut genommen. Auffällig war in diesem Jahr, dass vermehrt Jugendliche aus dem Kosovo aufgegriffen wurden.

Der Jugendamtsleiter geht davon aus, dass aufgrund der Tendenz der ersten beiden Monate für das laufende Jahr mit einer weiteren Zunahme an Kindern und Jugendlichen, die allein auf der Flucht sind, zu rechnen ist. Das bedeutet auch einen erheblichen personellen Mehrbedarf im Amt für Kinder, Jugend und Familien. Mit Petra Braun und Toni Alff wurden im Sozialdienst des Jugendamtes zwei erfahrene Kollegen für die Arbeit mit den minderjährigen Flüchtlingen beauftragt.

Clearing: Zusätzliche Einrichtungen wurden geschaffen

Die Jugendlichen werden im Rahmen der Inobhutnahme zunächst in Einrichtungen im Landkreis aufgenommen. Bei diesen Einrichtungen handelt es sich um die sogenannten Clearingeinrichtungen Felicitas der Caritas und Insula der Diakonie Fürstenbrunn in Bischofswiesen, dem Clearinghaus der Jugendhilfe Schätzel in Bad Reichenhall, dem CJD Asthmazentrum Buchenhöhe in Berchtesgaden sowie einigen besonders geeigneten Pflegefamilien, die vom Landratsamt Berchtesgadener Land mit diesen Aufgaben beauftragt und bezahlt werden.

Dort verweilen die Jugendlichen in der Regel etwa zwei bis drei Monate, wie Toni Alff erklärt. In dieser Zeit werden zunächst die Herkunft und der Gesundheitszustand der Jugendlichen abgeklärt (sogenanntes „Clearing“). Dies geschieht unter Federführung des Gesundheitsamtes und in Zusammenarbeit mit den Ärzten im Landkreis. Die minderjährigen Flüchtlinge werden beschult, um vor allem ihre sprachlichen Fähigkeiten zu verbessern.

Pressemeldung Pressestelle Landratsamt Berchtesgadener Land

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