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„Heut geht es um nichts weniger als um Ihre Zukunft“

Berchtesgadener Schüler „lang und dick“ im Drogengeschäft: Arrest und Auflagen

Wegen des Erwerbs, Besitzes und Handels von größeren Mengen Marihuana musste sich ein bereits vorbestrafter 20-jähriger Schüler aus Berchtesgaden vor dem Jugendschöffengericht verantworten. Er wurde schließlich nach dem Jugendstrafrecht zu einer Woche Arrest und mehreren Auflagen verurteilt.

Die Meldung im Wortlaut:

Berchtesgaden / Laufen - Der 20-jährige Schüler sprach von einer „Kaufgemeinschaftin Sachen Drogen. Fünf Anklagepunkte hatte die Staatsanwaltschaft gegen den Berchtesgadener Abiturienten aufgelistet: Erwerb, Besitz, und Handel von Betäubungsmittel zum Teil „in nicht geringer Menge“. Weil der junge Mann „lang und dick im Geschäft gewesen war, warnte Vorsitzender Richter Christopher Lang: „Es geht heute um nicht weniger als um ihre Zukunft.“ Am Ende entschied das Jugendschöffengericht auf eine Jugendstrafe mit Auflagen und einer Woche Dauerarrest.

Seine Lieferanten wollte der Angeklagte nicht nennen. Aus Angst, wie er einräumte. Auch die Abnehmer verschwieg er. Aufgekommen war der Schüler über eine Postbeschlagnahme in Wuppertal. Das Paket sollte an einen Freund in Schwaben gehen. Auf dessen Mobiltelefon fand sich auch der Berchtesgadener. Bei der Wohnungsdurchsuchung sei er sehr kooperativ gewesen, hieß es. Mit „da is des Zeug“, soll er den Beamten den Stoff präsentiert haben.

Begonnen hatte die Drogenkarriere bereits früher. Im Mai 2020 führte er 50 Gramm Marihuana mit sich. Im September 2020 bewahrte er ebenfalls 50 Gramm in seiner Wohnung auf. Im Februar 2022 übernahm der Schüler drei Gramm Spice von einem schwäbischen Freund. Im Mai fanden die Beamten bei ihm 70 Gramm Marihuana. All das räumte der Berchtesgadener ein. Lediglich die Übernahme von 200 Gramm zum Grammpreis von 7,50 Euro bestritt er. Diesen Teil stellte das Gericht dann ein.

Der Kriminalhauptkommissar der Kripo Traunstein berichtete von 1700 Chats auf dem Telefon des Schülers mit Fragen wie „hast du was?“, Infos wie „hab’s dort eingeworfen“ und den anerkennenden Worten: „Du bist schon krass unterwegs.“ Gefunden hatte man bei ihm 365 Euro Bargeldin szenetypischer Stückelung“. Die Jugendgerichtshilfe schilderte den Angeklagten als freundlich und höflich. Beschäftigt in Nebenjobs hat der Schüler selbst ein Geschäftsmodell jenseits von Drogen entwickelt. Der 20-jährige gestand, täglich ein bis zwei Joints konsumiert zu haben, seit der Hausdurchsuchung aber nichts mehr nehme.

„Wollen ihm die Zukunft nicht verbauen“

Vorbelastet ist der Schüler, weil er mit Blaulicht durch Berchtesgaden gefahren war und ein Auto ohne Haftpflichtversicherung zur Werkstatt gesteuert hatte. Sein Freund aus Schwaben ist Lehramtsstudent. Selbst verurteilt wegen Handel mit Betäubungsmittel verweigerte er eine Aussage, die ihn selbst belasten würde. „Keine einfache Entscheidung“, meinte Staatsanwalt David Heberlein zur Frage ob Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht. Weil die „Wurzel“ der Drogengeschäfte früher lag, waren sich am Ende doch alle einig: Es galt Jugendstrafrecht.

Wir wollen ihm die Zukunft nicht verbauen“, appellierte Rechtsanwalt Hans-Jörg Schwarzer. Der Verteidiger betonte, dass sich sein Mandant nicht gegen Maßnahmen wehren würde. Einen Freizeitarrest wie vom Staatsanwalt beantragt hielt Schwarzer nicht für nötig. Anders das Schöffengericht. Neben einer Woche Dauerarrest hat der Angeklagte mindestens für ein Jahr auf Drogen zu verzichten, was auch kontrolliert wird. Daneben hat er an sechs Beratungsgesprächen bei der Caritas teilzunehmen und 500 Euro an die Kinderkrebshilfe Traunstein/BGL zu zahlen. Zum Arrest meinte der Vorsitzende: „Da haben sie eine Woche Zeit, nachzudenken.“ Das Urteil wurde sofort rechtskräftig.

Hannes Höfer

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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