Kreisversammlung im Berchtesgadener Land

Grüne skeptisch gegenüber aktuell diskutierten Wasserkraftprojekten

Landkreis Berchtesgaden - Bei ihrer Kreisversammlung setzten sich die Grünen mit den geplanten Wasserkraftprojekten in der Region auseinander.

Die Pressemeldung im Wortlaut:

Auf ihrer jüngsten Kreisversammlung haben sich Bündnis 90/Die Grünen im Berchtesgadener Land mit den derzeit im Landkreis geplanten Wasserkraftprojekten auseinandergesetzt. In seiner Einleitung wies Grünen-Kreisvorsitzender Dr. Bernhard Zimmer darauf hin, dass die Wasserkraft ein wichtiger Baustein bei der Energiewende sei. 

Andererseits wären die im Landkreis vorhandenen Bäche, Flüsse und Seen Gewässer ökologisch hochwertige Lebensräume. Es sei daher aus seiner Sicht sinnvoll, jedes einzelne Projekt hinsichtlich seiner Auswirkungen auf diese sensiblen und in einigen Fällen auch einzigartige Ökotope zu überprüfen. Auch müssten diese Projekte hinsichtlich ihrer energetischen und ökonomischen Sinnhaftigkeit bewertet werden. Das Reichenhaller Grünen-Mitglied Hanna Spiegel stellte das Projekt Nonner Rampe vor. Hier sei ein sogenanntes „bewegliches Kraftwerk“ mit zwei Kaplanrohrturbinen mit einer Nennleistung von je 540 kW und einer geplanten jährlichen elektrischen Erzeugung von 5.900 MWh vorgesehen.

Als Investitionssumme würden 8 Millionen Euro genannt. Spiegel wies darauf hin, dass sich das geplante Projekt in einem Landschaftsschutzgebiet befände und auch zwei in der Biotopkartierung Bayern genannte Biotope betroffen wären. Zudem liege das Projekt teilweise im Trinkwasserschutzgebiet. Außerdem wären Heilwasserquellen betroffen. Im Bereich des geplanten Wasserkraftwerkes werde der Wasserspiegel dauerhaft um einen Meter erhöht. In ihrer Bewertung des geplanten Kraftwerkes führte Spiegel aus, dass es sich bei dieser Anlage bezogen auf die energiewirtschaftliche Situation um eine Kleinmaßnahme handele.

Die Anlage würde voraussichtlich rund fünf Prozent des Strombedarfs der Stadt Bad Reichenhall liefern. Die energiewirtschaftliche Bedeutung des Vorhabens sei also relativ gering. Im Gegenzug würde aber ein bedeutender und traditioneller Naherholungsbereich der Alpen- und Kurstadt zerstört. Außerdem würden der Lebensraum zahlreicher Fische und deren Brutplätze beeinträchtigt. In der Diskussion wiesen mehrere Diskussionsteilnehmer wie die Grünen-Ortsvorsitzende Dr. Pia Heberer darauf hin, dass die Anlage sowohl gegen die europäische Wasserrahmenrichtlinie, wie auch gegen die Saalachresolution verstoße. 

Heberer vertrat außerdem die Auffassung, dass das geplante Kraftwerk keinesfalls, wie immer wieder von Befürwortern behauptet, grundlastfähig sei. Gebirgsflüsse wie die Saalach zeichneten sich gerade dadurch aus, dass die von ihnen geführte Wassermengen zwischen Niedrigwasser und Hochwasser extrem differierten.

Bemerkenswert fand Heberer, dass die ursprünglich sehr eindeutige und negative Stellungnahme der Stadtverwaltung wieder kassiert und durch eine weniger eindeutige Aussage ersetzt worden sei. In der an die Diskussion anschließenden Abstimmung sprachen sich die Kreis-Grünen, bei zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen, mit großer Mehrheit gegen das geplante Wasserkraftprojekt Nonner Rampe aus. Grünen-Kreistagsfraktionschef Dr. Bartl Wimmer stellte im weiteren Verlauf der Versammlung die Projekte Saalachkraftwerk Schneizlreuth, sowie Felsentor und Hintersee, beide in der Gemeinde Ramsau gelegen, vor. 

Beim Schneizlreuther Projekt solle der Saalach auf einer Länge von sieben Kilometern der größte Teil ihrer Wassermenge mittels eines Stollens abgezweigt werden. Die Saalach wäre auf dieser Flußstrecke kein Wildfluß mehr, so Dr. Wimmer, sondern nur mehr „ein Rinnsaal“. Zudem gebe es Befürchtungen, dass die Trinkwasserversorgung der Gemeinde Schneizlreuth beeinträchtigt werde. Beim Felsentor handele es sich um ein einzigartiges Naturdenkmal, dessen Verbauung seiner Meinung nach absolut unterbleiben sollte.

Auch der Bereich am Eingang des Zauberwaldes am Hintersee ist nach Einschätzung Dr. Wimmers landschaftlich so einzigartig, dass hier ein Kraftwerksbau für ihn nicht in Frage komme. Wie Wimmer weiter ausführte, könne er sich an anderen Standorten im Landkreis durchaus noch eine Wasserkraftnutzung vorstellen. Der Grünen-Kreistagsfraktionschef verwies außerdem darauf, dass etwa in der Marktgemeinde Teisendorf in den letzten Jahren zwei Kleinstwasserkraftwerke mit Unterstützung von Bündnis/Die Grünen errichtet worden wären.

Generell sei er aber der Meinung, dass die Wasserkraftnutzung im Freistaat wie im Landkreis schon weitestgehend ausgeschöpft sei. Die selbe Linie vertrete im übrigen auch die Bayerische Staatsregierung. Er sehe demgegenüber vor allem bei der Solarenergie und bei der Windkraft im Landkreis noch erhebliches Ausbaupotential. Im Klimaschutzkonzept des Landkreises werde für die Windkraft ein jährliches Potential von 88 GWh, für die Solarenergie von 61 GWh ausgewiesen.

Pressemeldung Bündnis90/Die Grünen Kreisverband Berchtesgadener Land

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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