Unmut im Landkreis wegen Touristenflut

Besucheransturm auf die Alpen: BGL-Bürgermeister arbeiten an Lösungen

Berchtesgaden - Bei einem Zusammenschluss der Bürgermeister im Berchtesgadener Land wurde über die Problematik des „Overtourism“ diskutiert. Staus, widerrechtlich parkenden Autos und der anfallende Müll sind für die Gemeindevertreter Probleme, die unbedingt gelöst werden müssen.

Die Mitteilung der Bürgermeister im Wortlaut


In diesem Sommer kamen besonders viel Gäste in die bayerischen Alpen. Dabei kam es vielerorts zu Problemen durch Staus, widerrechtlich parkenden Autos und Müll. Erstmals schließen sich nun die Bürgermeister von Lindau bis Berchtesgaden zusammen, um gemeinsam an Lösungen zu arbeiten und voneinander zu lernen. Dazu fand nun virtuell der erste Workshop statt.

„Wir sind gerne Gastgeber und freuen uns über alle Besucher, die zu uns kommen. Aber wir müssen uns darum kümmern, dass dabei die Lebensqualität der Einheimischen und die Aufenthaltsqualität für unsere Gäste nicht leidet “ brachte Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp die Ausgangslage auf den Punkt.


Zusammen mit Oberstaufens Bürgermeister Martin Beckel für Schwaben ist der Oberbayer Rasp im Bayerischen Gemeindetag, dem Verband der kreisangehörigen Städte, Märkte und Gemeinden im Freistaat, aktiv geworden um einheitliche Lösungsansätze zu erarbeiten und voneinander zu lernen. Am virtuell ausgetragenen ersten Gedankenaustausch nahm aus jedem Landkreis am bayerischen Alpenrand jeweils ein Bürgermeister und die Geschäftsstelle des Bayerischen Gemeindetags teil. Ziel war es, Gemeinsamkeiten zu finden, Lösungen zu diskutieren und die nächsten Schritte nebst Arbeitsaufträgen einzuleiten auf dem Weg zu einer gemeinsamen Strategie.

Schon zu Beginn war schnell klar, wie sehr sich die Herausforderungen gleichen: Verkehrsstaus, zugeparkte Rettungszufahrten, Müll von Wildcampern, unklare Rechtsvorgeben, uneinsichtige Besucher und genervte Einheimische um nur einige zu nennen. „Derzeit gibt es viele Initiativen, die parallel nebeneinander laufen. Wir Gemeinden brauchen aber für unsere tägliche Arbeit aufeinander abgestimmte Konzepte.“ So Oberstaufens Martin Beckel. So vielfältig wie die Probleme auch sein mögen, der Begriff „Overtourism“ stieß allen Teilnehmern sauer auf. Man sei am bayerischen Alpenrand von den Verhältnissen der letzten Jahre in Hallstatt oder Venedig weit entfernt, war man sich einig.

Schließlich ging es an die Diskussion der möglichen Lösungsansätze wie einer bedarfsgerechten Besucherlenkung überörtlich wie auch lokal. Einig war man sich, dass die Lenkung der Besucherströme durch frühzeitige Information der Gäste über verfügbare Kapazitäten der Verkehrswege, Parkplätze und Ausflugsziele eines der wichtigsten laufenden Projekte für den Tagestourismus in Südbayern sei. Das bayerische Wirtschaftsministerium arbeitet derzeit daran und der Kontakt ist bereits hergestellt und soll vertieft werden.

Bayrischzells Bürgermeister Georg Kittenrainer berichtete von den Bayrischzell Rangern, die an den Wanderparkplätzen freundliche Benimmhinweise für den Aufenthalt in den Bergen an die ankommenden Ausflügler verteilen. Dieses Beispiel könnte auch in anderen Gemeinden Schule machen und die oft durch Unwissenheit verursachten Konflikte mit der Natur oder den Almbauern entschärfen.

Die Bürgermeister glauben, dass es offensichtlich unterschiedliche Auffassungen zwischen Polizei und der kommunalen Seite gibt, wie genau eine Beschilderung an Parkplätzen vorzunehmen sei um dann auch überwacht werden zu können. „Ein Unding, denn die Rechtslage ist da eindeutig.“ So Cornelia Hesse, Juristin beim bayerischen Gemeindetag, „Da müssen wir beim Innenministerium nachhaken“.

Ebenso problematisch werden die Hinterlassenschaften der „Wildcamper“ gesehen. Dazu soll auch eine für Bayern einheitliche Handreichung erstellt werden, die den Gemeinden als eine Art Gebrauchsanweisung für die Schaffung von Wohnmobilstellplätzen dienen kann. Durch ein entsprechendes Angebot könnte man dann auch die Verbote besser vermitteln, so die Teilnehmer.

Der Unmut bei den Bürgerinnen und Bürgern in den vom sehr hohen Besucherinteresse betroffenen Gemeinden ist vielerorts nicht mehr zu überhören. In diesem Zusammenhang soll die Kooperation mit der Fakultät für Tourismus-Management an der Technischen Hochschule Kempten gesucht werden, die auf dem Gebiet des Zusammenlebens von Einheimischen und Gästen forscht. 

Auftrag an die Politik

Oberbayerns Bürgermeistersprecher Stefan Schelle aus Unterhaching stellte klar, dass er die Ideen der Bürgermeister, wenn diese gebündelt und konkretisiert sind, unmittelbar an die Staatsregierung weiterleiten möchte: „Wir werden unsere Forderungen klar formulieren und erwarten dann auch eine Reaktion.“

Die Tourismusgemeinden wollen aus der Sicht der Praxis mithelfen, die derzeit laufenden Initiativen weiter zu entwickeln aber auch notwendige neue Projekte anstoßen. Es muss nicht in jeder Gemeinde das Rad neu erfunden werden. Es hilft oft schon, von den Kollegen zu lernen und einheitliche, praxisgerechte und realisierbare Vorgaben in allen Gemeinden zu haben.

Dazu wird der begonnene Erfahrungsaustausch fortgeführt und vertieft, um zur nächsten Sommersaison schon erste konkrete Maßnahmen präsentieren zu können. Dennoch werden die aktuellen Vorgaben in Sachen Ausflugsverbot nach Österreich die Situation mit den Tagesausflüglern an Weihnachten eher verschärfen als entlasten, waren sich die Bürgermeister einig.

Pressemitteilung der Bürgermeister

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