Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Berchtesgadener Land im Interview

Sparkassenvorstand zur Bargeldabschaffung: „Kriminelle Geldwäscher hätten es deutlich schwerer“

Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Berchtesgadener Land, Helmut Grundner.
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Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Berchtesgadener Land, Helmut Grundner.

Während die EU-Kommission eine Obergrenze für Barzahlungen erwägt, bastelt die EZB an einem digitalen Euro. Müssen wir uns bald komplett vom Bargeld verabschieden? Es wird viel diskutiert. BGLand24.de hat den Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse  Berchtesgadener Land, Helmut Grundner dazu befragt.

Bayern lehnt jegliche Pläne zur Abschaffung oder Einschränkung der Bargeldnutzung ab. „Nicht nur Bares ist Wahres, aber Bargeld muss auch in Zukunft eine zentrale Stütze unseres Zahlungsverkehrs bleiben“, sagte Finanzminister Albert Füracker (CSU) am Mittwoch, 28. April in München. Die Diskussionen um die Abschaffung des Bargeldes sind groß. Helmut Grundner, der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Berchtesgadener Land stand BGLand24.de zu dem Thema Rede und Antwort:

BGLand24.de: Hat Bargeld noch eine Zukunft?
Grundner: Ja, denn das Bargeld wird nicht abgeschafft werden. Auch wenn mancherorts über Beschränkungen von Bargeldzahlungen diskutiert wird und viele Zahlungen schon heute bargeldlos durchgeführt werden: Eine komplette Abschaffung des Bargelds wird es nicht geben. Die Menschen in Deutschland möchten das im Übrigen auch nicht. Bei einer Umfrage im Auftrag des Bundesverbands deutscher Banken fanden nur acht Prozent die Vorstellung, es gäbe kein Bargeld mehr, gut oder sehr gut.
BGLand24.de: Wer würde von der Abschaffung des Bargelds profitieren?
Grundner: Kriminelle Geldwäscher, die jetzt noch mit Geldkoffern unterwegs sind, hätten es dadurch deutlich schwerer. Auch die Finanzämter dürften sich freuen: Ohne Bargeld wäre es viel komplizierter, Schwarzarbeit zu entlohnen. Es entstünde auch eine größere Transparenz, da es kein Schwarzgeld mehr gäbe.
BGLand24.de: Was würde die Abschaffung des Bargeldes für die Banken bedeuten?
Grundner: Ein deutliche Senkung des logistischen Aufwandes für die Banken. Die Bargeldver- und –entsorgung, sowie die Lagerung ist sehr aufwändig und damit auch sehr kostenintensiv. Die Bundesbank hat sich hier schon seit Jahren sehr zurückgenommen und die meisten Aufgaben auf die Banken verlagert. Ein Beispiel hierfür ist die Überprüfung von Geldscheinen und Münzen auf ihre Echtheit.
BGLand24.de: Wie hat sich die Verwendung von Bargeld während der Corona-Krise geändert?
Grundner: Grundsätzlich hat die Nutzung von bargeldlosen Zahlungen zugenommen. Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern ist sie aber immer noch gering.
BGLand24.de: Was hat sich bei Ihren Kunden im Umgang mit Bargeld generell verändert?
Grundner: Wie bei allem die Technik, es gibt immer mehr Alternativen, wer hätte zum Beispiel vor 10 Jahren gedacht, dass man mit einer Uhr bezahlen kann?
BGLand24.de: Was sind die Vor- und Nachteile von Kartenzahlung?
Grundner: Die Vorteile sind ganz klar die Schnelligkeit, man hat es immer passend und man muss keine zusätzlichen Wege in Kauf nehmen um Geld abzuheben. Auch Falschgeld ist hier natürlich kein Thema. Es besteht natürlich auch die Gefahr des „gläsernen“ Kunden, man sollte also gut aufpassen mit wem man hier zusammenarbeitet.
BGLand24.de: Wie verbreitet ist Kartenzahlung in der Region?
Grundner: Wie im Rest der Republik. Ich glaube wir sind hier Durchschnitt.
BGLand24.de: Wäre auch ein Szenario realistisch/denkbar, dass die Menschen wieder vermehrt auf Bargeld umsteigen?
Grundner: Denkbar ist grundsätzlich vieles, aber in der Realität wird auch in Deutschland der Bargeldanteil weiter abnehmen. Völlig ohne Bargeld wird es aber nicht gehen, sogar in Schweden gibt es wieder „Cash-Initiativen“. Hinter den schwedischen Initiativen steckt die Sorge, dass es im Fall einer schweren Krise – beispielsweise wegen Terrorismus oder Cyberangriffen – zu einem Zusammenbruch der Stromversorgung oder des Mobilfunknetzes kommen könnte. Denn dann wäre auch Schluss mit jeglichem Zahlungsverkehr.
BGLand24.de: Ein häufiges Argument der Finanzlobby gegen das Bargeld ist der gefürchtete „Bank Run“ - Was sagen Sie zu diesem Argument?
Grundner: Das halten wir für sehr unwahrscheinlich, durch Regulierung wird aber auch hier dafür gesorgt, dass die Banken im Fall der Fälle genug Liquidität haben um einen solchen „Bank-Run“ zu überstehen. Aber auch ohne Bargeld können Kunden ihr Geld abziehen und so für Liquiditätsengpässe sorgen.
BGLand24.de: Was passiert, wenn es kein Bargeld mehr gibt? Kann dann mehr spekuliert werden mit Geld, das eigentlich nicht da ist?
Grundner: Was in anderen Ländern Alltag ist, ist bei uns in Deutschland nicht vorstellbar. Die Menschen hierzulande bezahlen gern mit Bargeld und möchten, dass das so bleibt. Trotzdem werden wir alle digitaler und das nicht nur beim Geld, sondern in allen Lebenslagen. Was das Thema Kriminalität und Spekulationen angeht würde ich sagen, dass es hier wohl leider eine Kreativität gibt, die sich nur sehr schwer aufhalten lässt.

jb

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