Legendenpfad in Ramsau oder Science Center in Freilassing

Gemeinden planen Projekte für "Biosphärendrehscheibe"

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Den Ideenwettbewerb, der mit der „Biosphärendrehscheibe“ einher gegangen war, gewann in den Bereichen „intensivstes Vernetzungsprojekt“, „innovativste Umsetzungsidee“ und „beste Gesamtidee“ die Stadt Freilassing.

Reichenhall - Die Biosphärenregion Berchtesgadener Land möchte besser wahrgenommen werden. Mit der „Biosphärendrehscheibe“ sollen alle Landkreisgemeinden mit eigenen Projekten eingebunden werden.

Es waren besondere Ankündigungen und eine ausführliche Ideensammlung, die Simon Rahe und Ralf Trimborn vom Büro „inspektour“ vor den Landkreis-Bürgermeistern, Tourismusvertretern und Landrat Georg Grabner im Landratsamt präsentierten. Eine erste Kostenschätzung hat das zuständige Hamburger Fachbüro bereits vorgelegt. „Mit der Annahme, dass alle zehn Umsetzungsideen in vollem inhaltlichen Umfang, also in maximaler Ausprägung umgesetzt werden, ist dabei eine Gesamtinvestitionssumme für alle Standorte vonetwa 14 Millionen Euro netto ermittelt worden“, heißt es auf Nachfrage aus dem Landratsamt. 

70.000 Euro hat die Ideensammlung gekostet, die von der Regierung von Oberbayern und Leader, einem Maßnahmenprogramm der Europäischen Union, gefördert werden. Herausgekommen sind zwei Bände mit mehreren Hundert Seiten, auf denen alle Ideen gelistet sind. „Die Kosten-Bandbreite für die zehn Drehscheiben beläuft sich dabei von 210.000 Euro bis rund 6 Millionen Euro Netto-Investitionskosten, wobei vier Umsetzungsideen unter 350.000 Euro und drei Ideen zwischen 600.000 und 800.000 Euro liegen. 

So ist etwa für Bayerisch Gmain geplant, einen Kräuter-Tunnel anzulegen. „Dort drin könnten etwa alle Kräuter aus der Region wachsen“, sagt Ralf Trimborn. Silhouetten mit betastbaren Reliefs zum Rausziehen sollen Pflanzenformen fühlbar machen. Neben Duftstationen könnten digitale Erkennungsspiele für Abwechslung sorgen.
In den Gemeinden Ainring, Anger und Piding soll sich alles um das Thema Sandstein drehen. Angedacht ist ein Rundweg um den Högl, vorbei an der Stroblalm. Geplant ist in der Projektidee eine historische Steinmetzhütte, in der bildhaft die Geschichte des Sandsteins dargestellt wird. Neben Steinbearbeitungsworkshops sollen Besucher in der Steinmetzhütte interagieren können.
In Reichenhall soll an der Zwieselalm ein neuer Anbau mit Seminar- und Ausstellungsräumen für Ökoworkshops entstehen, ebenso wird darüber nachgedacht, einen Themenweg von der Zwieselalm zum Stadtmuseum anzulegen – inklusive Audiostationen und Themenpunkten.
In Berchtesgaden könnte der Eingangsbereich der Watzmanntherme zum zentralen Infopunkt der Biosphärenregion werden. Eine Almsauna erscheint dort ebenso möglich wie die Erweiterung der Rutschenwelt – alles unter dem Motto des „mächtigsten Bergerlebnisses Deutschlands“.  

Das größte, mit beinahe 6 Millionen Euro kostenintensivste Projekt dürfte das der Stadt Freilassing sein. In der Lokwelt würde, wenn es nach den Konzeptverantwortlichen geht, eine „Drehscheibe Mobilität“ verwirklicht werden, samt Wechselausstellungen und Wissenschaftszentrum auf der Galerie. Veranstaltungen im Bereich der ersten zwei Gleisstände wären dort dann möglich.
Für Laufen plant man einen Themenweg inklusive Augmented Reality in 3D, nebst möglicher Smartphone-App, über die man Laufen als Schifferstadt entdecken kann. In der Salzachhalle denkt man an Infopunkte zu den Themen Salz, Schiff, Hochwasser und Fluss.

Das Bergsteigerdorf Ramsau könnte ehemalige Bergsteigerlegenden wieder zum Leben erwecken – auf einem Rundweg durch den Ort zur Hirscheckbahn - inklusive Audioguides und Themenstationen, bereichert durch Silhouetten der ehemaligen Bergsteiger. In Saaldorf-Surheim wünscht man sich ein „Haus der Kulturlandschaft“ mit interaktiven Ausstellungselementen und regionalen Produktpräsentationen.
Auch Schneizlreuth plant Ähnliches, eine Typen- und Naturgewalten-Ausstellung. In Teisendorf existieren bislang Ideenskizzen für einen Regionalladen samt Gastronomiebereich. Die Themen, die im Vordergrund stehen werden: Holz, Erz und Erlebnis.  

Seitens des Leader-Maßnahmenprogramms stehen bis zu 1,8 Millionen Euro zur Verfügun g. „Das dient zur Anschubfinanzierung“, sagt der Leader-Verantwortliche Sascha Schnürer. Maximal für zwei Jahre. Wie die Gemeinden die teils kostenintensiven Projekte im Folgenden finanzieren, wie die Erlebniswelten gewartet werden und mit welchen personellen Mitteln diese ausgestattet werden, vor allem, wer das alles zahlen wird, darüber existieren noch keine Festlegungen. Den Ideenwettbewerb, der mit der „Biosphärendrehscheibe“ einher gegangen war, gewann in den Bereichen „intensivstes Vernetzungsprojekt“, „innovativste Umsetzungsidee“ und „beste Gesamtidee“ die Stadt Freilassing. Reichenhall ging als Sieger im Bereich „stärkster Bürgerbeteiligungsprozess“ durch.

fpk

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