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Bergsteiger aus dem BGL versuchten die Eiger-Nordwand zu durchklettern

Auf den Spuren von Kurz und Hinterstoißer: „Das waren krasse Typen“

Die Nordwand der Eiger ist über 1800 Meter hoch. Dieser Herausforderung stellten sich Martin Schidlowski und Philipp Reiter aus dem Berchtesgadener Land.
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Die Nordwand der Eiger ist über 1800 Meter hoch. Dieser Herausforderung stellten sich Martin Schidlowski und Philipp Reiter aus dem Berchtesgadener Land.

560 Kilometer Radfahren um anschließend noch die Eiger-Nordwand, eine der anspruchsvollsten Wände der Alpen, zu durchklettern – diese Tour absolvierten Philipp Reiter und Martin Schidlowski im April und haben sich damit auf die Spuren ihrer Vorbilder gemacht. 

Landkreis Berchtesgadener Land - Martin Schidlowski und Philipp Reiter kennen sich bereits seit der fünften Klasse. Im Teenager-Alter sind die zwei leidenschaftlichen Bergsteiger bereits drei Mal zum Watzmann-Hocheck hoch. Es war der Beginn ihres „Projekt Friendship“, bei dem die beiden jedes Jahr eine gemeinsame Aktion starten. Und in diesem Jahr war das Ziel die Eiger-Nordwand in der Schweiz.

Auf den Spuren von Toni Kurz und Anderl Hinterstoißer: Tour zur Eiger-Nordwand

„Wenn man sich bei uns in der Region mit Bergsport beschäftigt, stolpert man automatisch über die Namen Kurz und Hinterstoißer“, so Philipp Reiter gegenüber BGLand24.de über die Gründe der Tour. Der Berchtesgadener Toni Kurz und der Bad Reichenhaller Anderl Hinterstoißer sind wahre Legenden unter den Bergsteigern. „Die haben damals Alpin-Geschichte geschrieben und haben viele Touren eröffnet, auch in den Berchtesgadener Alpen, die sehr ordentlich und sportlich sind. Das waren krasse Typen und in gewisser Weise auch Vorbilder“, erzählt der 29-Jährige.

1936 sterben die beiden bei ihrem gemeinsamen Versuch einer Erstdurchsteigung der Eiger-Nordwand, der im Film „Die Nordwand“ dargestellt wurde. Dabei werde dem Zuschauer bildlich vorgeführt, welch großen Mut die beiden hatten. Besonders der Pioniergeist der beiden imponiere Reiter. Vor der Nordwand frage man sich schon, wie haben die das gemacht.

Die beiden Freunde wollen immer hoch hinaus.

Reiter: „Die Eroberung der Alpen war nationalsozialistisch und propagandistisch verfärbt“

Heutzutage könne man sich von der Route ein durchgängiges Video auf YouTube anschauen. Dann kenne man die Schlüsselstellen. Fast jede davon hat einen eigenen Namen, was die Bedeutung hervorhebt. Mit dem Material von damals und ohne Vorwissen erfordere dies großen Mut und Courage. „Natürlich muss das auch relativiert werden. Die Eroberung der Alpen war auch nationalsozialistisch und propagandistisch verfärbt. Hätten Sie es geschafft, wären sie damals Volkshelden gewesen“, so Reiter.

Wie die Bergsteiger-Pioniere sind auch Reiter und Schidlowski Freunde. Das sei aber auch eine Grundbedingung für solche Touren. Zum einen ist man permanent mit dieser Person zusammen, zum anderen muss es beim Klettern ein blindes Vertrauen geben. „Wir haben einfach schon eine gewisse Routine in den Sicherungsabläufen oder in der Aufgabenverteilung. Man braucht einfach einen Partner, auf den man sich hundertprozentig verlassen kann“, so Reiter. Bei langen Touren müsse man zudem zügig klettern können.

Mit dem Rad 560 Kilometer zur Eiger-Nordwand

Den Weg zur Eiger-Nordwand haben die beiden mit dem Rad bestritten – wie ihre Vorbilder 85 Jahre zuvor. Um den Pioniergeist zu wecken hatten sie auch das ganze Equipment in Packtaschen am Rad dabei gehabt. „Besonders den Arlberg hoch hat man das brutal gemerkt. Das war so anstrengend. Das war so viel Gewicht und ich hatte das Gefühl, dass mich permanent jemand mit einem Gummiseil nach hinten zieht“, schildert Reiter.

Mit dem Rad haben die beiden Bergsteiger Martin Schidlowski (r.) und Philipp Reiter (l.) zunächst rund 560 Kilometer bis zur Eiger-Nordwand absolviert.

Aber auch die sportliche Herausforderung spielte eine Rolle. „Martin ist zwar schon Mal durch die Eiger-Nordwand geklettert, dafür radelt er eigentlich nicht. Es war also für beide eine Challenge“, schildert Reiter. Sein Partner sei zuvor nie mehr als 100 Kilometer geradelt, die erste Etappe hatte aber schon stolze 220 Kilometer.

Schneesturm und eine Anzeige

Bereits in Lofer sind die zwei in einen Schneesturm geradelt. „Wir hatten 30 Zentimeter Neuschnee auf der Straße gehabt“, berichtet Reiter mit einem Lächeln. Sie hätten richtig kalte Tage erwischt. Dabei haben sie auch in einem Heustadel draußen übernachtet. Ein Fernsehteam, das die beiden bei der Tour begleitet hat, wollte diese Szene unbedingt filmen. „Doch durch das Licht hat es keine zwanzig Minuten gedauert, dann war die Polizei da. Wildcampen ist in Tirol verboten, das haben wir gar nicht gewusst und es hagelte eine Anzeige“, so der 29-Jährige.

Doch es hatte auch einen Grund, warum sie die Tour im April gestartet haben. Anders als früher sei die Klimaerwärmung inzwischen bei gewissen Touren ein Thema. Heutzutage könne die Eiger-Nordwand jedoch nicht mehr im Sommer durchklettert werden. „Der Permafrostboden in der Wand erwärmt sich im Sommer zu stark. Dann gibt es zu viel Eis-und Steinschläge“, erklärt Reiter. Daher gehe es nur, wenn noch alles festgefroren ist.

Versuch wegen Neuschnee abgebrochen

Insgesamt lief es dieses Mal einfach nicht, besonders das Wetter machte den beiden einen Strich durch die Rechnung. „Das war kein Geheimnis. Doch wir sind beide berufstätig und das Filmteam war ja auch dabei. Wenn es dann irgendwie die Hoffnung gibt, dass es funktioniert, dann probiert man es auch“, nennt der Bergsteiger die Gründe. Als sie an der Wand angekommen sind, war diese komplett weiß mit Neuschnee.

Trotz alledem haben es die beiden versucht, doch der Schnee kam permanent runter. „Das ist so stark, dass es dich fast aus der Wand herauswäscht. Das war dann doch zu gefährlich“, berichtet Reiter. Der Versuch musste damit abgebrochen werden. Doch die beiden Bergsteiger wollen es nochmal probieren – entweder im Herbst oder im nächsten Frühjahr.

jz

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