Leser-Meinungen zu Corona-Situation im BGL

„Einschränkungen des öffentlichen Lebens sind notwendig und angebracht“

Im Landkreis Berchtesgadener Land gilt wegen extrem gestiegener Corona-Zahlen nun für zwei Wochen ein weitreichender „Lockdown“. Auch unser Leser Patrick Weiß aus Traunstein äußert ihre Meinung dazu.
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Im Landkreis Berchtesgadener Land gilt wegen extrem gestiegener Corona-Zahlen nun für zwei Wochen ein weitreichender „Lockdown“. Auch unser Leser Patrick Weiß aus Traunstein äußert ihre Meinung dazu.

Berchtesgadener Land - Wegen der enorm hohen Corona-Zahlen im Berchtesgadener Land wurde am Dienstag eine Allgemeinverfügung erlassen. Doch was haltet ihr davon? Zahlreiche Leser haben uns ihre Meinungen zum regionalen „Lockdown“ geschildert: 

Die Zahl der Covid-19-Neuinfektionen in Bayern steigt weiter stark an. Auch in unserer Region gehen die Zahlen nach oben. So hat der Landkreis Berchtesgadener Land laut RKI eine 7-Tages-Inzidenz von 250,2 (Stand: 25. Oktober, 0 Uhr) - das ist der höchte Wer für Bayern. Markus Söder ergänzte die bestehende Corona-Ampel am Mittwoch, 21. Oktober, sogar um die Farbe dunkelrot - hier gibt es alle Regelungen und Details zur Corona-Ampel.


Wegen dieser Zahlen traten am Dienstag, 20. Oktober, um 14 Uhr umfangreiche Corona-Maßnahmen in Kraft. In der erlassenen Allgemeinverfügung werden eine allgemeine Ausgangsbeschränkung, ein Veranstaltungsverbot, Betriebsuntersagungen, Besuchsverbote, Schulen und KiTas, Maskenpflicht, Bußgelder und so weiter behandelt. Wir haben Euch gefragt, was Ihr von den aktuellen Maßnahmen haltet. Haltet Ihr den „Lockdown“ im Berchtesgadener Land für überzogen oder ist es die einzig richtige Maßnahme?

Das sind Eure Meinungen zum regionalen „Lockdown“ im Berchtesgadener Land:


Anm. der Red.: Der Inhalt der Leserbriefe gibt ausschließlich die Meinung der Einsender wieder und spiegelt nicht die Ansicht(en) der Redaktion wieder.

Ulrike Thiel aus Bad Reichenhall:

Meine Meinung ist, dass diesmal über das Ziel hinausgeschossen wurde. Unser Landkreis hat ca. 104.000 Einwohner. Davon sind 877 infiziert und ca. die Hälfte davon wieder genesen. Wegen dieser Zahlen werden Hotels und Gastronomien geschlossen, die sich an alle Auflagen gehalten haben und Existenzen kaputtgemacht. Die Eltern waren beim letzten Lockdown schon am Limit und werden jetzt wieder dorthin getrieben. Das verstehe, wer will. 

Eine Maskenpflicht und Abstandsregeln finde ich sinnvoll und ich würde mir wünschen, dass sich alle daran halten. Nur, ob man denen, die sich bis jetzt nicht an die geltenden Regeln gehalten haben, mit der neuen, meiner Meinung nach undurchdachten Aktion eine Sinnhaftigkeit vermittelt? Wünschen würde ich es mir. Ich möchte mich auch wieder mit Freunden treffen und feiern können wie früher. An alle: Gsund bleim!

Patrick Weiß aus Traunstein:

Unser Leser Patrick Weiß aus Traunstein äußert ihre Meinung zum regionalen „Lockdown“ im Berchtesgadener Land.

Nach den sprunghaft gestiegenen Infektionszahlen im Berchtesgadener Land, die weit über dem Grenzwert von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner liegen, sind Einschränkungen des öffentlichen Lebens notwendig und angebracht. Bei solchen Maßnahmen gilt es jedoch immer auch die Verhältnismäßigkeit in Betracht zu ziehen. Wie viele Intensivbetten sind verfügbar, sind Infektionsketten noch nachvollziehbar, etc. – hiernach sollte sich eben auch die Schwere der Maßnahmen richten.

Vor allem aber muss es auch klare Regeln für eine Aufhebung des Lockdowns geben. Sei es beispielsweise ein fester 7-Tages Inzidenzwert, ab dem die Aufhebung des Lockdowns greift. Es braucht jedoch klare Regeln, die auch für die Menschen vor Ort nachvollziehbar sind und ihnen eine Perspektive aufzeigen. Wenn dies nicht passiert, verliert man für diese Maßnahmen nach und nach den Rückhalt in der Bevölkerung – das wäre tragisch!

Gleichzeitig wurde beim Lockdown in unserem schönen Berchtesgadener Land die gesamte Gastronomie und Tourismusbranche vergessen. Viele stehen schon jetzt vor dem finanziellen Ruin und brauchen schnellstens Hilfe. Hier erwarte ich eigentlich bei einem Lockdown einzelner Regionen gezielte Hilfspakete für stark betroffene Betriebe dieser Regionen – bisher ist hierzu in unserer Region nichts passiert. Es wäre in meinen Augen aber auch Aufgabe der Staatsregierung gewesen, hier Maßnahmen und Vorgehen für den Fall einer zweiten Welle zu definieren.

Melanie Schöndorfer aus Bayerisch Gmain:

Mit dem Lockdown wurde ein weiteres Mal deutlich über das Ziel hinausgeschossen. Die Maßnahmen, die getroffen wurden, stehen in keinerlei Verhältnis zu dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Schaden, der angerichtet wird. Wo bleibt denn auch die so oft von Politikern angebrachte Solidarität? Ich denke nicht, dass es solidarisch ist, wenn Bewohner aus Altenheimen regelrecht eingesperrt und isoliert werden. Und was ist mit der Solidarität gegenüber unseren Kindern? Kontaktverbote, geschlossene Kitas und Schulen tragen wohl kaum zum Recht auf Bildung und eine kindgerechte Entwicklung bei.

Solidarisch ist wohl auch keine Corona-Politik, die seit Monaten ohne parlamentarische Beteiligung abläuft und bei der unser Ministerpräsident im Alleingang Verfügungen erlässt. Während Gastronomie, Schulen, Veranstalter & Co ihre Pflichten erfüllt haben, kommen von den meisten Politikern nur Schwarzmalereien und Androhungen. Die erlassenen Maßnahmen treffen nicht nur die Schwächsten, sondern unterwandern zunehmend unsere Demokratie.

Magdalena Angerer aus dem Berchtesgadener Land:

Jeder sollte sich zu dem Thema Corona, „Lockdown“ etc. selbst eine Meinung bilden, auch ich habe dies gemacht und möchte meine Meinung teilen. Meiner Meinung nach ist dieser „Lockdown“, der ja angeblich keiner ist, vollständig überzogen. Ich bin schockiert, wie schnell und einfach die Regierung mithilfe der sogenannten „Experten“ die Grundrechte eines jedes Menschen außer Kraft setzen können. Wir werden wieder eingeschränkt und eingesperrt und warum? Weil massenweise Tests durchgeführt werden und wir dadurch zu viele Test-Positive haben.

Was heiß test-positiv, das ein Test positiv ist, ja und jetzt? Wie viele „Corona Positive“ sind denn wirklich erkrankt? Das ist doch die große Frage, es sollte hier um wirkliche erkrankte Menschen gehen, in der Medizin werden kranke Menschen behandelt und keine „Test Positiven“. Wie viele Corona-Patienten liegen denn in unseren Krankenhäusern, wie viele davon liegen denn auf der Intensivstation und müssen beatmet werden? Die Sterblichkeitsrate liegt aktuell bei unter 1 Prozent und das sind öffentlich für alle zugängliche Zahlen.

Die Großzahl der unter 45-Jährigen haben, auch wenn sie an dem Virus erkrankt sind, keine schlimmeren Symptome wie bei einer normalen Grippe. Ja, ältere Menschen, Risikogruppen müssen geschützt werden, dort kann das Virus wirklich einen schlimmen Verlauf haben. Auch jüngere Menschen kann es schlimmer treffen, ja ich kenne auch Fälle, in denen das leider der Fall ist, aber seit wann wird denn auf Einzelfälle geschaut? Bei jeder Krankheit gibt es verschiedene Schweregrade und da wird nicht auf Einzelne geschaut. Deswegen zusätzlich die ganze Wirtschaft im Berchtesgadener Land weiter zerstören und runterfahren, das steht doch in keinem Verhältnis mehr.

Renate Huber aus Bad Reichenhall:

Ich kann mich kurz fassen: Hätten wir uns über den Sommer alle, auch unsere dringend ersehnten Urlaubsgäste, an die Regeln gehalten, müssten wir hier nicht über die Maßnahmen diskutieren!

Die nächsten Leserbriefe werden am Dienstag, 27. Oktober, in einem neuen Artikel veröffentlicht.  

Regionaler „Lockdown“ im Berchtesgadener Land: Schickt uns Euere Leserbriefe

Die hohen Corona-Zahlen im Berchtesgadener Land führten dazu, dass eine Allgemeinverfügung erlassen wurde. Doch was haltet Ihr von den aktuellen Maßnahmen? Haltet Ihr den „Lockdown“ im Berchtesgadener Land für überzogen oder ist es die einzig richtige Maßnahme? Erwartet Ihr weitere Lockdowns in der Region und findet Ihr die Corona-Politik der Regierung noch nachvollziehbar? Wir sind auf Eure Meinungen gespannt. Schickt uns Eueren Leserbrief zum Thema per Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: „Lockdown im Berchtesgadener Land“ im Betreff).

Bitte sendet uns neben Euren Zeilen auch unbedingt Euren Namen und Euren Wohnort; auch ein Foto von Euch könnt Ihr gerne mitschicken. Wir veröffentlichen Eure Leserbriefe samt kompletten Namen und Wohnort anschließend in einem Artikel.

Anm. der Red.: Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften entsprechend zu kürzen oder die Veröffentlichung gegebenenfalls ohne Angabe von Gründen zu verweigern.

Massive Beschränkungen im Berchtesgadener Land

Landrat Bernhard Kern (CSU) und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) sehen durch die neue Allgemeinverfügung eine Chance, der Corona-Pandemie die Stirn zu bieten, Infektionsketten zu unterbrechen und bald wieder einen geregelten Ablauf im Landkreis möglich zu machen. Die Allgemeinverfügung gilt vorerst bis Montag, 2. November um 24 Uhr.

Auch zahlreiche Veranstaltungen mussten nun im Berchtesgadener Land abgesagt werden. Eine Liste mit allen abgesagten Events und geschlossenen Einrichtungen findet Ihr hier.

jg

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