Hat der Landkreis ein Arbeitslosen-Problem?

+
Konrad Lohner vor "seiner" Agentur für Arbeit in Bad Reichenhall.
  • schließen

Landkreis - Jammern auf hohem Niveau oder begründete Sorge? Bei den Arbeitslosen bildet das BGL Oberbayerns Schlusslicht. Konrad Lohner von der Arbeitsagentur kennt die Gründe:

2815 Arbeitslose im Februar - eine Quote von 5,7 Prozent. Es gibt Regionen in Deutschland, die träumen von solchen Zahlen, doch im regionalen Vergleich schneidet das Berchtesgadener Land damit schlecht ab: Nur 4,2 Prozent sind's im Kreis Altötting, 3,8 Prozent im Kreis Traunstein und im Landkreis Rosenheim gar nur 3,4 Prozent. Sogar in der Millionenmetropole München ist die Quote niedriger.

"Eigentlich haben wir einen guten Branchenmix, der nicht so krisenanfällig ist", weiß Konrad Lohner, Geschäftsstellenleiter der Agentur für Arbeit im Berchtesgadener Land: Wenige Großunternehmen, dafür umso mehr Klein- und Mittelbetriebe. Wo liegt also das Problem? Es sind Baugewerbe und Tourismus, die für die relativ hohen Zahlen verantwortlich sind. "Die Arbeitslosenquote im Landkreis ist sehr saisonabhängig. Im Vergleich zu den Sommermonaten liegt sie im Winter um rund 60 Prozent höher", so Lohner. Nur neun Landkreise in Deutschland sind noch schwankungsanfälliger.

Gastgewerbe: Ab Oktober wird ausgestellt

Die Arbeitslosenzahlen im Landkreis in der Entwicklung der vergangenen Jahre: Vor allem die Spitzen in den Wintermonaten fallen auf.

Vor allem in den Tourismusgemeinden im Talkessel kommen drei Viertel der Urlauber in den Sommermonaten - in den Wintermonaten wird dagegen kräftig ausgestellt. Der starke Sommertourismus wird zwischen Oktober und März also regelmäßig zum Problem. "Der Lohn ist niedrig, das Image schlecht - aber auch im Gastgewerbe gäbe es gute Karrierechancen", meint Konrad Lohner.

Schwierig sei in dieser Branche außerdem, dass die Betriebe die vielen Sommer-Helferstellen vorübergehend mit ausländischen Saisonarbeitern besetzen würden - so lässt sich die Arbeitslosenquote schwerer drücken. Aber auch rund 800 Leute aus dem Landkreis sind vom saisonalen "Hire and Fire" betroffen. Immerhin sind es über acht Prozent, die im Gastgewerbe arbeiten.

Arbeitslosenzuzüge wegen der schönen Landschaft?

Der Chef der Arbeitsagentur in Bad Reichenhall kennt auch noch einen anderen möglichen Grund für die relativ hohe Arbeitslosigkeit. Ein Grund, der wie ein Kompliment klingt: "Wir haben auch Zuzüge von arbeitsmarktfernen Leuten, die keine Perspektive mehr haben - und die ziehen dann her, weil es ihnen bei uns einfach gefällt", so Lohner. Quasi: Wenn schon arbeitslos, dann doch mit Bergen außenrum.

Und auch jenseits der Grenze lauern Probleme: Die Arbeitslosigkeit in Österreich zieht seit einiger Zeit deutlich an. Im Bundesland Salzburg liegt sie momentan bei 6,5 Prozent - vor allem der angrenzende Flachgau, Tennengau und die Stadt Salzburg haben hohe Zuwächse: "4000 Leute aus dem Landkreis arbeiten drüben - und die Salzburger Arbeitslosenprognosen sind auch für die nächsten Jahre nicht gut. Wenn's so weitergeht, werden wir das hier auch merken", befürchtet Konrad Lohner.

Für das Jahr 2015 rechnet Lohner etwa mit gleichbleibenden Zahlen für das Berchtesgadener Land. Aber er erinnert: Gerade für die Jugend seien die Perspektiven, vor der Haustüre einen Job zu finden, nicht schlecht: Im vergangenen Sommer standen 776 Lehrstellen 612 Bewerbern gegenüber.

xe

Zurück zur Übersicht: Region Bad Reichenhall

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser