Wo landen eigentlich ausgemusterte Rettungsdienst-Fahrzeuge?

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Markus Zekert mit den Navis und Frühdefis für die BRK-Einsatzfahrzeuge.

Landkreis - Die BRK-Bereitschaften halten für Sanitätsdienste und Großschadensfälle aller Art zusätzliche Fahrzeuge und Ausrüstung bereit, die fast ausschließlich über Spendengelder finanziert werden.

Oft sind das ausgemusterte Fahrzeuge aus dem Rettungsdienst, die der jeweilige Kreisverband zum Restwert gekauft und mit Spendengeldern instandgesetzt und ausgestattet hat.

Markus Leitner von der Pressestelle des Roten Kreuzes sprach mit Markus Zekert, Leiter Rettungsdienst im BRK-Kreisverband Berchtesgadener Land über die Finanzierung von Fahrzeugen des Rettungsdienstes und der BRK-Bereitschaften.

Was passiert eigentlich mit ausgemusterten Fahrzeugen des Rettungsdienstes?

Markus Zekert: Öffentliche Versteigerungen ausgemusterter Rettungsdienstfahrzeuge gibt es seit gut eineinhalb Jahren nicht mehr. Die Spezialfahrzeuge werden mittlerweile über bekannte Plattformen wie Autoscout24, Mobile.de oder Ebay im Internet vermarktet. Ein unabhängiger Gutachter bestimmt zunächst den Restwert des ausgemusterten Fahrzeugs, das dann an Interessierte weiterverkauft wird. Die Fahrzeuge gehören bis dahin dem Rettungsdienst Bayern und werden lediglich durch Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz im Rettungsdienst und Krankentransport eingesetzt.

Immer wieder kauft das BRK ausgemusterte Rettungs- und Krankenwagen selbst, um sie dann nach Instandsetzung weiter für verbandseigene Aufgaben im Sanitätsdienst, erweiterten Rettungsdienst und Katastrophenschutz zu verwenden. Der Restwert wird dann durch den jeweiligen Kreisverband an den Rettungsdienst Bayern erstattet.

Vielleicht können Sie mir auch noch einmal kurz die grundsätzlichen Besitzverhältnisse schildern.

Die Kosten für die öffentlich-rechtliche Notfallrettung und den Krankentransport sind im Bayerischen Rettungsdienstgesetz (BayRDG) geregelt. Die Finanzierung des Rettungsdienstes, also auch der Fahrzeuge im öffentlich-rechtlichen Rettungsdienst und Krankentransport erfolgt durch die Sozialversicherungsträger (Krankenkassen und -versicherungen) mit jährlich neu vereinbarten Benutzungsentgelten, die die Kosten für Personal, Fahrzeuge, Ausstattung, Betriebsstoffe und medizinisches Verbrauchsmaterial  decken sollen. Es gibt jedoch zwei Ausnahmen: Im Berg- und Wasserrettungsdienst werden ausschließlich die Einsatzfahrzeuge durch den Freistaat Bayern bezahlt; die Betriebs- und Unterhaltskosten sowie die Unterbringung der Fahrzeuge und zusätzliche Ausstattung finanziert das Rote Kreuz über Spenden und Benutzungsentgelte für Einsätze.

Die Höhe der Benutzungsentgelte für die öffentlich-rechtliche Notfallrettung und den Krankentransport wird von der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Krankenkassenverbände, dem Landesverband Bayern der gewerblichen Berufsgenossenschaften sowie den Landesverbänden der Durchführenden des Rettungsdienstes wie dem BRK vereinbart. Diese Vereinbarung wird vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Verkehr geprüft und genehmigt.

Ziel dieser Tarifgestaltung ist es, eine kostendeckende Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Notfallrettung und des Krankentransportes zu erreichen. Eine schnelle und qualifizierte Hilfe der Bevölkerung ist somit flächendeckend, sowohl in den ländlichen Gebieten als auch in den Ballungsräumen und rund um die Uhr in ganz Bayern zu einheitlichen Preisen möglich.

Warum sammelt das Rote Kreuz dann überhaupt Spenden für Fahrzeuge, wenn sie sowieso von den Krankenkassen und vom Freistaat bezahlt werden?

Bei Unfällen und Unglücken aller Art schnelle Hilfe zu leisten, ist die Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rettungsdienstes. Wenn es aber mehr Verletzte und Betroffene gibt, als der Rettungsdienst ordnungsgemäß versorgen kann, alarmiert die Leitstelle die freiwilligen Helfer der Schnell-Einsatz-Gruppen (SEG´n) Sanität und Betreuung.

Die BRK-Bereitschaften halten für Sanitätsdienste und Großschadensfälle aller Art zusätzliche Fahrzeuge und Ausrüstung bereit, die fast ausschließlich über Spendengelder finanziert werden; oft sind das ausgemusterte Fahrzeuge aus dem Rettungsdienst, die der jeweilige Kreisverband zum Restwert gekauft und mit Spendengeldern instandgesetzt und ausgestattet hat. Die Fahrzeuge im öffentlich-rechtlichen Rettungsdienst und Krankentransport werden dagegen grundsätzlich durch die Sozialversicherungsträger finanziert, die den Durchführenden im Rettungsdienst jährlich einen so genannten Sockelbetrag gewähren. Auch der Erlös aus der Verwertung der Altfahrzeuge fließt wieder in diesen Topf.

Wie die Hilfsorganisationen und privaten Rettungsdienste entsprechend des Wirtschaftlichkeitsprinzips sowie aktueller technischer und medizinischer Neuerungen das Optimum aus diesem Sockelbetrag herausholen, bleibt ihnen im Großen und Ganzen selbst überlassen. Während der vergangenen sieben Jahre hat sich unter der Federführung des Roten Kreuzes in Bayern viel getan: Alle Durchführenden nutzen mittlerweile einheitliche Fahrzeuge („Bayern Rettungswagen“, „Bayern Krankenwagen“), die in hohen Stückzahlen gemeinsam beschafft und ausgebaut werden, wodurch die Kosten erheblich reduziert wurden.

Also sind alle zusätzlichen Fahrzeuge für große Schadenslagen mit Spenden und der reguläre Rettungsdienst von den Sozialversicherungsträgern finanziert?

Nein! Auch in den öffentlich-rechtlichen Rettungsdienst fließen erhebliche Summen an Spendengeldern, da wir als Rotes Kreuz die Ausstattung in der Notfallrettung zum Wohl der Bevölkerung in der Region stetig verbessern wollen. Mit unserer jährlichen „Aktion Leben schützen“ haben wir zum Beispiel Navigationsgeräte für alle Rettungsdienstfahrzeuge gekauft. Über Einzelspenden wurden ein besonders schonender Tragestuhl und Spezialgeräte zur Bestimmung des Kohlendioxidgehalts in der Ausatemluft bei der künstlichen Beatmung beschafft.

Obwohl diese Messtechnik heute zum Standard in der Intensivmedizin gehört und hilft, eine lebensbedrohliche Fehlintubation auszuschließen, werden derartige Geräte nicht durch die Krankenkassen finanziert. Von den zuständigen Kostenträgern werden pauschal nur 27.300 Euro für ein Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) bereitgestellt, auch wenn das Fahrzeug für den Einsatz in den Bergen zusätzlich Allradantrieb bräuchte, der mit Mehrkosten verbunden ist. Deshalb haben wir für die Fahrzeuge in Bad Reichenhall und Freilassing zusätzlich Spenden gesammelt. Eigentlich stecken in jedem unserer Einsatzfahrzeuge Spenden.

Was kommt da in der Regel zur Versteigerung?

Prinzipiell werden alle Geräte verkauft, die im Rettungsdienst nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden können oder nicht mehr dem aktuellen technischen und medizinischen Standard entsprechen. Das sind zum Beispiel Rettungs- und Krankenwagen, Notarzteinsatzfahrzeuge, EKG- und Beatmungsgeräte und Krankentragen, aber auch Spezialfahrzeuge der Bergwacht im BRK und der BRK-Wasserwacht.

Wer kauft sich solche Spezialfahrzeuge und wie bewegen sich die Preise?

Ausgemusterte Einsatzfahrzeuge werden größtenteils ins Ausland, schwerpunkmäßig nach Osteuropa verkauft, wo sie kostengünstig instandgesetzt und weiter im Rettungsdienst eingesetzt werden. Gerade über die Plattformen im Internet finden sich aber auch Liebhaber und Sammler, die verhältnismäßig hohe Preise für die ausgedienten Autos zahlen. Der Restwert wird durch einen unabhängigen Gutachter bestimmt.

Da die Fahrzeuge im Rettungsdienst über Jahre hinweg stark beansprucht wurden, fallen zunächst meist hohe Reparaturkosten an, bevor sie überhaupt weiter betrieben werden können. Ausgemusterte Krankenwagen fahren aber auch auf den heimischen Straßen als umgebaute Wohnmobile und kostengünstige Partybusse herum. Einen alten Krankenwagen hat zum Beispiel vor einigen Jahren ein Hundeführer der Bergwacht gekauft und als Transport- und Schlaffahrzeug für sich und seinen Vierbeiner ausgebaut.

Je nach Zustand bewegt sich der Restwert des Spezialfahrzeugs ohne Ausstattung zwischen zehn und zwanzig Prozent des ursprünglichen Kaufpreises, wobei die Rettungswagen oft schon 200.000 Kilometer auf dem Buckel haben und rund sechs Jahre alt sind. Medizinische Geräte werden je nach Zustand weitaus länger in den Nachfolge-Fahrzeugen genutzt.

Pressemitteilung BRK BGL

 

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