Zwei Millionen extra für marodes Gymnasium

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Das Karlsgymnasium in Bad Reichenhall

Landkreis - Hilfe für das teils marode Karlsgymnasium in Bad Reichenhall: Der Kreistag beschloss jetzt eine umfangreiche Sanierung der Heizanlagen.

Umbau, Erweiterung und Generalsanierung des öffentlichen Gebäudes „mit Vorbildfunktion“, so einige Stimmberechtigte, hätten ursprünglich 9,8 Millionen Euro verschlungen. Mittlerweile sind die Mindestkosten auf 10,5 Millionen Euro angewachsen, weil das Büro Zeller und Romstätter im März diese „nur“ grob überschlagen hatte. Die letztlich gewählte Variante beinhaltet sogar 12,4 Millionen Euro Gesamtvolumen, also rund zwei Millionen mehr.

Gefahr der Legionellen-Bildung

Zunächst war angedacht, die Installationen wie Heizkörper und Heizungsleitungen im Fachtrakt und Zentralbau zum größten Teil zu belassen beziehungsweise lediglich einen Austausch der Pumpen vorzunehmen. Doch wie sich mittlerweile herausstellte, befindet sich vieles in marodem und diverse Abwasserinstallationen in unzumutbarem Zustand. „Damit ist der raschen Verbreitung von Legionellen natürlich Tür und Tor geöffnet“, so Sabine Graßmann von den Fachplanern ARGE Graßmann, Mayer und Meier Ingenieure, die dem Kreistag die drei übriggebliebenen (von ursprünglich neun möglichen) Varianten der Sanierung erläuterte.

Der Kreistag musste sich zwischen Variante 1 und 3 entscheiden (die zweite fiel rasch aus der Diskussion), wobei zahlreiche Wortmeldungen die unterschiedlichsten Sichtweisen verdeutlichten. Eklatante und letztlich streitbare Differenz der beiden Lösungen: Rund zwei Millionen Euro. „Machbar, klar, aber auch Geld, das wir bei 38 Millionen Euro Schulden einfach nicht haben oder ausgeben sollten“, so Teisendorfs Bürgermeister Franz Schießl (FWG) zur Haltung seiner Fraktion. Etliche Kreistagskollegen vertraten vorrangig eine Meinung: „Lieber jetzt mehr investieren und damit in ein paar Jahren nicht nachrüsten müssen“. Der Vorbildcharakter öffentlicher Gebäude rückte immer wieder in den Vordergrund der über zweistündigen „Verhandlungen“ im Landratsamt.

Zehn Gegenstimmen aus der FWG, die der Mehrheit vor allem Kontraproduktivität vorwarf, und Teilen der SPD waren es am Ende, die gegen die teurere Variante 3 stimmten: Die zirka zwei Millionen Euro Mehraufwand werden für die Passivhausweise mit neuer Lüftungsanlage (0,9) und Wand-Wärmedämmung (1,1) aufgewandt. Die Maßnahmen versprechen optimale Luftqualität und daher höhere Konzentrationsfähigkeit für Lehrkräfte und Schüler, keine Schimmelbildung durch falsches Lüften und somit keine Bauwerksschäden durch Baufeuchtigkeit. Die Fenster werden nur im Zentralbau ausgetauscht, die Lüftungsanlage spart trotz des Stromverbrauchs noch Energie - der Gewinn ist jedoch weit geringer als bei den anderen Lösungen. Die Lüftungsanlage kommt in alle Gebäude.

Keine Statikprüfung bislang

Dr. Bartl Wimmer von den Grünen prangerte an, durch mangelhafte Instandhaltung öffentlicher Gebäude auch Bausubstanz zu vernichten. Gleichzeitigt verlangte er, die bislang verabsäumte Statikprüfung - für die womöglich angedachte Anbringung einer Photovoltaikanlage – baldmöglichst nachzuholen.

Landrat Georg Grabner schlug die Ausschreibung für die Sanierung der Schule im Herbst dieses Jahres vor, die Baumaßnahmen sollen spätestens in zwei Jahren abgeschlossen sein.

bit

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