Bürgermeisterkandidaten sprechen bei Verkehrsforum

Gemeindebus für Ainring, kostenloser Stadtbus für Freilassing

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Neun Bürgermeisterkandidaten aus vier Kommunen folgten der Einladung des ‚Verkehrsforum BGL‘, um zu Verkehrsthemen Stellung zu nehmen, die sich dann aber hauptsächlich um Freilassing drehten.

Landkreis - Ein Gemeindebus für Ainring nach dem Vorbild von Wals-Siezenheim und ein Probebetrieb mit einem kostenlosen Stadtbus in Freilassing - das waren thematisch die beiden Highlights, zumindest für die beiden Kommunen.

An einen gut besetzten Bahnhofs-Wartesaal erinnerte der Rathaussaal in Freilassing am Dienstagabend, rund 50 Besucher interessierten sich für das Hearing des Verkehrsforums Berchtesgadener Land mit neun Bürgermeisterkandidaten aus vier Kommunen im nördlichen Landkreis. Mutig war die Einstiegsfrage von Vereinsvorstand Karl Bösenecker an Besucher und die Kandidaten, wer denn mit dem Bus oder der Bahn gekommen sei? Ein Besucher hob die Hand, betroffenes Schweigen bei den Kandidaten.


Bei der eher rhetorischen Frage, wie wichtig denn Mobilität in der jeweiligen Kommune sei antwortete Sven Kluba, CSU- Bürgermeisterkandidat in Ainring, dass seiner Meinung nach der öffentliche Verkehr zu den Menschen kommen müsse und nicht umgekehrt. Später folgte eine klare Ansage, die ältere Bürger in Ainring oder Menschen ohne eigenes Auto freuem wird, „wir wollen einen Gemeindebus haben nach dem Vorbild von Wals-Siezenheim“, so Kluba. Welche Förderungen es dafür am Ende gebe müsse man sich ansehen, aber die Gemeinde sollte das selbst auf die Beine stellen, „dann ruft man 30 Minuten vorher an und der Bus holt einen ab“, alle Gemeindeteile könnten so bedient werden. Die Kosten seien überschaubar, „wir haben das mit einem Busunternehmer schon einmal durchgerechnet, und ein Schwimmbad ist wesentlich teurer“. 

Nicht ganz so rosig sind die Erfahrungen mit dem Rufbus in Teisendorf, SPD-Bürgermeisterkandidat Johann Rauscher berichtete von Kosten in Höhe von 120.000 Euro pro Jahr, „dem stehen Einnahmen von 4 000 Euro gegenüber, also eher eine magere Geschichte“. Der Rufbus würde oft den ganzen Tag herumstehen und auf einen Anruf warten, man müsse zwei Stunden vorher anrufen und zahle dann pro Fahrt vier Euro. „Warum lässt man den Bus nicht über die Gemeindegrenzen hinaus weiterfahren, also auch nach Ainring oder Saaldorf-Surheim?“


Kommt „höheres Niveau“ in Laufen?

Laufens Bürgermeister Hans Feil bewertete sein Stadtbus-System als positiv, ob dieses System in dieser Form erhalten bleibe „oder auf ein gemeinsames, höheres Niveau kommt“ hänge auch von den Ergebnissen einer Nahverkehrsstudie des Landkreises ab. Für ihn sei aber ein gemeinsamer Tarifverbund mit dem Landkreis Traunstein und dem Land Salzburg unverzichtbar.

Stadtbus kostenlos testen

Ein interessanter Ansatz, um mehr Bürger in die Busse zu locken, schwebt CSU- Bürgermeisterkandidat Thomas Wagner vor. Die Kommune sei mit dem Stadtbus unter der Woche schon sehr gut ausgestattet, wenn er zusätzlich als Schulbus unterwegs sei werde er auch sehr gut genutzt, den restlichen Tag eher weniger. Natürlich könne man die Takte verkürzen und den Stadtbus auch am Wochenende fahren lassen, „wünschen kann man sich alles, aber das wird finanziell nicht darstellbar sein“, der Stadtrat habe diese Möglichkeiten schon zig Mal diskutiert. 

Trotzdem schlägt er einen Versuch vor, für den die Stadt auch in die Tasche greifen wird müssen: da seiner Erfahrung nach die Busse bei gesponserten, also für den Nutzer kostenlosen Fahrten an ausgesuchten Samstagen sehr gut genutzt würden, könnte man versuchen, „den Stadtbus unter der Woche eine Zeit lang kostenfrei fahren zu lassen um dann zu sehen, ob er besser angenommen wird, ob’s also wirklich nur am Preis liegt“. Und wenn es tatsächlich am Preis läge müsste der Stadtrat eben entscheiden, ob er den Busservice auf Dauer kostenlos anbieten will.

„Die Mischung machts“

Eine Mischung aus Stadtbus und Rufbus stellt sich der Bürgermeisterkandidat von Saaldorf-Surheim, Andreas Nutz, vor. „Am Morgen haben viele das gleiche Ziel, nämlich Freilassing, entweder das Gewerbegebiet oder den Bahnhof, da wird ein Stadtbus sinnvoll sein, danach möglicherweise ein Rufbus“. Gemeinden mit einer großen Fläche wie Saaldorf- Surheim dürften die Bewohner in den kleinen Ortschaften nicht vergessen, die dort keine Geschäfte mehr hätten und auf den öffentlichen Verkehr angewiesen seien.

hud

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