"Keine Chance für Kirchholztunnel!"

+
Ditmar Hungers Meinung war am Dienstagabend schwer gefragt.

Bad Reichenhall - Der Bund Naturschutz hat mit einem hochbesetzten Podium am Dienstagabend noch einmal dazu aufgerufen, gegen den Kirchholztunnel mobil zu machen.

"Wir brauchen den Kirchholztunnel nicht", so das Fazit von Verkehrsplaner Ditmar Hunger. Er hatte sich auf Bitte des Bund Naturschutz die ausgelegten Unterlagen angesehen. Zu allererst kritisierte er, dass die Neuauflage des Planfeststellungverfahrens mit der Olympia-Bewerbung Münchens begründet werde. "Das Bewerbungskonzept sieht vor, den Schienenverkehr zuverbessern. Lediglich in die Ertüchtigung der Kreisstraße BGL4 sollen drei Millionen Euro gesteckt werden. Der Kirchholztunnel wird nicht genannt."

Hunger hatte sich auch die Mühe gemacht, die Fahrzeiten von Piding an den Königssee über die verschiedenen Straßen auszurechnen. "Über die Villacher-Autobahn und Berchtesgaden ist man am schnellsten und auf den anderen Strecken über Bad Reichenhall bringt ein Tunnel lediglich zwei bis drei Minuten Zeitersparnis." Der Verkehrsplaner empfiehlt demnach, die bestehende Ortsumfahrung an den Knotenpunkten auszubauen, eventuell mit Geschwindigkeitsbegrenzungen zu arbeiten und eine Verbindung der B21 mit der B20 außerhalb des Stadtgebietes zu schaffen, um die Oberstadt zu entlasten. "Die Probleme in Piding wären allerdings vordringlich zu lösen", appellierte Hunger. Dort würde es sich wesentlich mehr stauen, als rund um Reichenhall.

Volker Leib rief die Bürger dazu auf, ihre Beteiligungsmöglichkeit zu nutzen.

Volker Leib, aus dem Büro des Grünen-Bundestagsabgeordneten Toni Hofreiter, rief anschließend die Besucher in dem vollbesetzten Saal im alten Feuerhaus dazu auf, Einwendungen bei der Regierung von Oberbayern einzugeben. "Auch die Stadt selbst sollte zusätzlich zu ihrer Stellungnahme als Träger öffentlicher Belange eine Einwendung formulieren", so Leib.

Er kritisierte außerdem den Investitionsplan der Bundesregierung: "Neue Projekte haben kaum eine Chance da reinzukommen. Die Pläne sind mehrfach überzeichnet." Doch das sei nicht das einzige Argument gegen die Pläne zum Kirchholztunnel: "Der Abluftkamin verteilt die Schadstoffe - vor allem dahin, wo vorher keine waren. Die Belastung ändert sich also für Bad Reichenhall, die Grenzwerte werden aber eingehalten." Noch dazu sei Lärmschutz laut einem Gutachten gar nicht notwendig, da die Pegel nicht erreicht werden. Diese, für die Anwohner wichtigen, Punkte würden also kaum Beachtung finden.

Neben Hunger und Leib kritisierten auch der ehemalige Landtagsabgeordnete Gustav Starzmann und Stadtheimatpfleger Johannes Lang die Pläne für den Kirchholztunnel. Auch die Auslegung der Unterlagen wurde als nicht bürgerfreundich bezeichnet - zu schnell, zu viel, zu wenig Zeit, war aus mehreren Richtungen zu vernehmen. Außerdem befürchten die Reichenhaller eine Zunahme des Transitverkehrs, wenn man den "Vorbeifahrern" mit einer neuen Straße bessere Anbindungen biete.

Deshalb bot Grünen-Stadtrat Bruno Rettelbach den vielen Anwesenden die Möglichkeit, seine Einwendungen zu unterschreiben, die er dann als Sammeleinwendungen einreichen wird. Rund um den kleinen Tisch staute es sich bereits vor der Veranstaltung und auch danach rissen die Diskussionen im Saal nicht ab. Nur eine Frage blieb im Raum stehen: Was passiert nach dem 6. Juli? Dann fällt die Entscheidung für oder gegen Olympia 2018 in München, Garmisch-Partenkrichen und Königssee. Fällt dann auch eine Entscheidung für oder gegen den Kirchholztunnel?

Christine Zigon

Zurück zur Übersicht: Region Bad Reichenhall

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser