"Kaleidoskop meines Lebens"

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Fred Ulrich (Summit Historys, l.) hat Kurt Diemberger (m.) zusammen mit Robert Kern vom DAV (r.) nach Bad Reichenhall geholt.

Bad Reichenhall - Ob Broad Peak, Dhaulagiri, Mount Everest oder K2 - Kurt Diemberger hat die höchsten Berge der Welt bestiegen, zwei sogar als Erster.

"Das ist meine Tochter Karen, sie ist mein Schutzengel", beginnt Kurt Diemberger im Bad Reichenhaller Magazin 4 seinen Vortrag. Die Stille in dem abgedunkelten Saal macht die Spannung spürbar. Die Spannung auf das, was Bergsteiger Kurt Diemberger zu erzählen hat.

Kein Wunder, ist er doch der einzige - noch lebende - Erstbesteiger von zwei 8000ern. Da hat man mit 78 Jahren schon so einiges zu erzählen.

Aber wie immer geht es am Anfang los: "Schon als Student war ich lieber auf den Bergen als im Hörsaal", gibt Diemberger zu. Trotzdem arbeitete er fünf Jahre als Handelslehrer in Salzburg, bis er feststellt, dass ihm das "zu sicher" ist. Ab diesem Zeitpunkt sollte er sein Leben seiner Leidenschaft dem Bergsteigen widmen und als Bergführer am Mont Blanc sein Geld verdienen.

Dem Himalaya verfallen

Jahre zuvor stand aber die Expedition zum Broad Peak an. Einen bis zu diesem Zeitpunkt (9. Juni 1957) unbestiegenen Berg. Zusammen mit Hermann Buhl, Marcus Schmuck und Fritz Wintersteller kämpfte sich der damals 25-Jährige ohne die Hilfe von Hochträgern oder Sauerstoffgeräten zum Gipfel des 8051 Meter hohen Berges. Im „Westalpenstil“ - so nannte es Hermann Buhl - stiegen und kletterten die vier vom Karakorum (zwischen Pakistan und China) auf über 8000 Meter.

Das Gefühl als erster Mensch auf dem Broad Peak zu stehen muss unbeschreiblich gewesen sein. Auch wenn er kurz danach geglaubt hat, nie wieder dorthin zurückzukehren.

Bergsteigen ist gefährlich

Bereits auf dem Mont Blanc hatte Diemberger erfahren, wie gefährlich Bergsteigen eigentlich ist. "Ein falscher Schritt und das Leben kann vorbei sein", erinnert sich der 78-Jährige an den Absturz eines Kameraden. Schlimmer war aber wohl das Gefühl, als Kurt Diemberger und Hermann Buhl nach dem Broad Peak auf den Chogolisa steigen wollten.

"Das Wetter war immer schlechter geworden. Ich konnte gerade noch die Hand vor Augen sehen und die Schneewächten neben mir erahnen", berichtet der Bergsteiger und die Zuhörer halten den Atem an. Diemberger ging voran, Buhl folgte. Auf einmal vernahm Diemberger ein Krachen und sah eine Lawine in die Tiefe stürzen. Wen er nicht sah, war Buhl und er sollte ihn auch nie wieder sehen. Der damals 33-Jährige war abgestürzt. Seine Kameraden gedachten mit den Worten an ihn: „Lieber Hermann, es ist für uns nicht leicht von dir Abschied zu nehmen, du warst uns ein guter Kamerad. Wir kennen deine letzten Züge nicht, mögen es dir deine geliebten Berge nicht schwer gemacht haben. Ruhe im Schosse der Chogolisa, wir vergessen dich nicht ­wir kommen wieder!“

Aber der 25-Jährige Diemberger hatte nicht daran geglaubt, dass er wiederkommen würde. Bis zu dem Zeitpunkt, als er wirklich wiederkam. Sein Buch "Seiltanz" ist der Erfahrung gewidmet, "auf schmalem Grad unterwegs zu sein".

Die zweite 8000er-Erstbesteigung: Dhaulagiri

Zuerst sollte drei Jahre später eine weitere Erstbesteigung kommen. Zusammen mit Nawang Dorje, Ernst Forrer, Albin Schelbert, Peter Diener und Nyima Dorje bestieg der geborene Kärntner den Dhaulagiri, einen 8167 Meter hohen Berg im Himalaya. Dieser Erfolg, 50 Jahre Erstbesteigung Dhaulagiri, wurde Anfang Mai in Nepal gefeiert.

"Wenn man die feenhaften Wolken einmal gesehen hat, ist man den Himalaya verfallen", beschreibt Kurt Diemberger das Gefühl, als er am Gipfel des Dhaulagiri die "Geister der Luft" gesehen hat.

Das und noch vieles mehr, zum Beispiel die Kristalle, die die Natur entstehen lässt, machen für ihn das Bergsteigen aus. "Mit dem Mann kann man nicht mehr umgehen, wenn er eine zeitlang nicht am Berg war", spricht Diemberger wohl nicht nur seiner eigenen Frau aus der Seele.

K2 - trauriger Erfolg

Deshalb war es auch nur eine Frage der Zeit, bis der junge Mann wieder im Karakorum landen sollte. Von 1982 bis 1986 war er des öfteren auf den Bergen dort unterwegs, zum Schluß auf dem K2 (8611 Meter). Dort sollte er seine Seilkameradin Julie Tullis verlieren. Sie starb als erste britische Frau auf dem K2. Eine Weisheit lebt auch nach ihrem Tod weiter: "Die Schwerkraft gilt für alles, aber nicht für unsere Träume."

Nach Julies Tod irrte der damals 54-Jährige herum. "Man sucht irgendwie", beschreibt er seine Gefühle. Wiedergefunden hat er sein Glück in der Filmerei. Zusammen mit Julie war er das "höchste Filmteam" der Welt. Danach zog es ihn vor allem nach Südamerika und Tibet.

Aber auch das Bergsteigen kann der 78-Jährige bis heute nicht lassen. 2004 war er wieder auf dem K2 - aber nicht ganz oben. Im Basislager hat er den jungen Bergsteigern Ratschläge gegeben. "Wenn man es nicht zu oft sagt, machen sie es auch", lacht er und hat Recht. Die Männer sind vom Gipfel zurückgekommen und sagten: "Kurt, am Gipfel haben wir an dich gedacht." Und so kommt der 78-Jährige noch heute auf die höchsten Berge der Welt.

red-bgl24/cz

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