Hundsgemeine Übung: Canyon-Unfall im Scharnbach

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Weißbach – Die Bergwacht Bad Reichenhall und die Canyon-Rettungsgruppe haben am Freitagabend an der Einmündung des Scharnbachs in den Weißbach die Rettung eines schwer verletzten Canyonisten geübt.

„Widrige Verhältnisse mit nasskalter Witterung, Dauerregen und rutschigen Steilhängen machten diese hundsgemeine Übung zu einer echten Herausforderung für alle Beteiligten“, erklärt Bergwacht-Pressesprecher Marcus Goebel.

Eifrige Betriebsamkeit im Einsatzraum

Als die Teilnehmer gegen 17.30 Uhr zu einer angekündigten Geländeübung an der Bergrettungswache eintreffen, herrscht zur allgemeinen Verwunderung bereits eifrige Betriebsamkeit. Hektische Telefonate und Funksprüche schwirren durch den Einsatzraum und jeder Bergwachtmann wird von den bereits Anwesenden mit der kurzen Bemerkung informiert: „Canyoning-Unfall im Scharnbach“. Kurze Zeit später kann der Einsatzleiter seine Mannschaft genauer aufklären: „Ein Canyonist liegt mit Bein-, Arm- und Kopfverletzungen im Scharnbach; zwei Canyon-Retter sind bereits vor Ort und es ist wetterbedingt kein Hubschrauber verfügbar.“ In Windeseile packen die Retter alle notwendigen zusätzlichen Ausrüstungsgegenstände zusammen und teilen die Aufgaben untereinander auf; gerade noch rechtzeitig trifft auch der Bergwacht-Notarzt ein. Hauptberuflich arbeitet er im Team des Salzburger Notarzthubschraubers „Christophorus 6“ mit.

Alles ist nur eine Übung!

Da die die Abläufe alle sehr realistisch anmuten, bremst der Einsatzleiter vorsichtshalber ein: „Alles ist nur eine Übung!“ In aller Ruhe fahren die Einsatzkräfte nach Weißbach an der Alpenstraße, wo sie auf der Südseite des Weißbachs zurück bis auf Höhe des Mauthäusls gehen müssen, wo der Scharnbach in den Weißbach einmündet. Nach einem kurzen Fußmarsch sind alle angekommen und beginnen mit der Arbeit: Sie richten eine Abseilpiste für die Rettungskräfte in den Bach ein und bauen einen Flaschenzug auf, mit dem der vom Jugendrotkreuz (JRK) täuschend echt geschminkte Verletzte im Anschluss nach oben gezogen werden soll.

Canyon-Rettungsübung aus Scharnbach

Komplette medizinische Versorgung am Bachufer

Der Bergwacht-Notarzt und drei Bergwachtmänner werden sofort zum Verletzten und den beiden wartenden Canyon-Rettern in das Bachbett abgelassen. „Auch bei der medizinischen Versorgung haben wir so realitätsnah wie nur möglich alles eingespielt, wobei der Arzt die anderen so richtig mit eingespannt hat: Wundversorgung durchführen, Infusion herrichten, Medikamente aufziehen, und diverse Diagnose- und Überwachungsgeräte anlegen – jede Menge Arbeit für alle“, berichtet Goebel. Sicher eingepackt in die Gebirgstrage wird der Patient von den Rettungskräften im Anschluss mit vereinten Kräften per Flaschenzug rund 20 Meter über einen steilen und rutschigen Hang zum Wanderweg hinauf gezogen und weiter zu den Einsatzfahrzeugen transportiert.

Abschließende Manöverkritik

Als der Patient und alle 16 Einsatzkräfte bei einbrechender Dunkelheit vollständig zurück bei den Fahrzeugen sind, wird noch ausgiebig Manöverkritik geübt. Wichtigstes Fazit: Obwohl alle 13 Teilnehmer pausenlos beschäftigt waren, empfanden der Patientendarsteller und die beiden wartenden Canyon-Retter die Zeit zwischen Eintreffen der Bergwacht-Mannschaft am Weg oberhalb der Unfallstelle bis zum Abtransport als besonders lang. „Für uns ist diese Erkenntnis neben der fachlichen Übung eines kompletten Bergrettungseinsatzes besonders wichtig, da die wartenden Angehörigen und Freunde eines realen Verunfallten oft in der Phase der Versorgung einer besonderen psychischen Betreuung bedürfen, die wir zunächst selbst leisten müssen, da die speziell ausgebildeten Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams erst nach einer längeren Anfahrtstrecke eintreffen und an der Unfallstelle selbst nicht zur Verfügung stehen“, erklärt Goebel.

Pressemitteilung BRK BGL

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