Hoch über dem Gardasee

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Gardasee – Die Canyon-Rettungs-Gruppe Chiemgau hat bei einer viertägigen Aus- und Fortbildung am Gardasee ihre Fähigkeiten für Einsätze in den heimischen Gebirgsbächen trainiert.

Die Schulung findet seit mehreren Jahren statt und soll die Retter auf die bevorstehende Saison vorbereiten.

Die CRG setzt sich aus Spezialisten der Bergwacht-Region Chiemgau im Bayerischen Roten Kreuz (BRK) und der BRK-Kreis-Wasserwacht Berchtesgadener Land zusammen. „Unsere Aufgabe ist die Rettung von Verunfallten aus wasserführenden Schluchten“, erklärt Gruppenleiter Hannes Jahrstorfer.

Regelmäßig nehmen die Ehrenamtlichen an der Fortbildung des Internationalen Berufsbergführerverbandes (IVBV) teil, um auf hohem Niveau ihr persönliches Können zu erweitern. Bei den Kursen werden die international gültigen Standards bei Rettungstechniken und in der Sicherungstechnik vermittelt. „Das kombinierte Einsatzteam aus Berg- und Wasserwacht ist das erste dieser Art in der Bundesrepublik Deutschland. Die Zusammenarbeit in der Gruppe funktioniert hervorragend, weil alle Einsatzkräfte den gleichen Ausbildungsgang absolviert haben und hoch motiviert sind“, erklärt Jahrstorfer.

Zur Vertiefung der Einsatzabläufe führte die CRG im nördlichen Gardasee-Gebiet bereits zum vierten Mal ihre jährliche Fortbildung durch, wobei die Gruppe insgesamt fünf Schluchten beging. Noch am Anreisetag bildete der „Torrente Albola“ mit seinen acht bis zu 20 Meter tiefen Abseilstellen einen anspruchsvollen Auftakt. Am nächsten Tag nahm sich die Gruppe den „Torrente Rio Val“ und den daran anschließenden „Torrente Palvico“ vor. In einer Begehungszeit von rund vier Stunden meisterten die Canyonretter 25 bis zu 50 Meter tiefe Abseilstellen und einen Gesamthöhenunterschied von rund 380 Metern. Noch höhere Anforderungen stellten die beiden Teile des „Torrente Vione“ dar: 535 Höhenmeter vom Einstieg bis zum Gardasee, aufgeteilt in 28 bis zu 45 Meter tiefe Abseilstellen. Schon fast traditionell nahm sich die Gruppe am Sonntagvormittag den „Torrente Baes“ am Westufer des Gardasees in der Nähe von Limone vor, der nach einem 50 Meter hohen Wasserfall und einigen weiteren Abseilstellen direkt in den Gardasee einmündet. Jahrstorfer: „Der Vorteil an dieser Schlucht ist vor allem, dass die Begehung ohne Autotransfer durchgeführt werden kann. Nur der halbstündige Aufstieg über den Fußsteig durch die sonnendurchflutete Steilwand bringt einen etwas ins Schwitzen.“

Canyoning-Rettung am Gardasee

Unter der Führung ihres stellvertretenden Gruppenleiters Michael Wolf verbesserten die 13 Spezialeinsatzkräfte (sieben Bergretter und sechs Wasserretter) im Verlauf des intensiven Einsatztrainings vor allem ihre Fähigkeiten in den speziellen Abseil- und Sicherungstechniken, die zur Fortbewegung im schwierigen, wasserführenden Canyon-Gelände notwendig sind. Weitere Schwerpunkte waren das Risikomanagement und die professionelle Vorbereitung von Touren: Jeder Teilnehmer sollte die Begehungsmöglichkeiten und Gefahren selbst einschätzen lernen.

„Das wesentliche Ziel der Weiterbildung, die Retter nach der Winterpause schnell wieder auf den aktuellen Stand der Sicherungstechnik und Einsatztaktik für die kommende Saison zu bringen, haben wir im vollen Umfang erreicht“, freut sich Jahrstorfer. Am Gardasee ist es zu dieser Jahreszeit einfach wärmer als in den heimischen Schluchten, weshalb sich die Region südlich der Alpen für längere Weiterbildungen besonders gut eignet.

Während der vier Tage bewältigten die Berg- und Wasserretter wesentlich höhere Schwierigkeitsgrade, als sie die heimischen Canyons bieten. Gerade dadurch sind sie bei Rettungseinsätzen im Berchtesgadener Land besonders sicher und erfahren. Da das Gelände eine besonders effektive Fortbildung ermöglicht, wird die CRG auch 2011 wieder an den Gardasee fahren; die ersten Vorbereitungen wurden bereits getroffen.

Pressemitteilung BRK BGL

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