Häuserboote, Füße und schiache Piraten

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Der kleine Valentin aus Karlstein hatte seine Lieblingsfigur schnell gefunden: das Häuserboot hatte es dem Jungen besonders angetan.

Bad Reichenhall - Fünf Tage lang haben acht Studenten der Kunstakademie Bad Reichenhall dem Atelierraum den Rücken gekehrt und stattdessen auf einer freien Fläche im Wald gearbeitet.

Der Titel des Seminars: „Figürliches Arbeiten mit Holz“ unter Anleitung von Richard Allgaier, dem Reichenhalls Stadtrat und Forstmitarbeiter Hubert Graßl als Assistent zur Seite stand. Im Rahmen einer Frei-Luft Ausstellung am Listanger präsentierten die Teilnehmer ihre fast fertigen Werke einem kleinen Publikum.

Der Reichenhaller Künstler Helmut Erben (l.) im Fachgespräch mit einem Ausstellungsbesucher.

Trotz leichtem Nieselregen und kühlen Temperaturen waren einige Neugierige der Einladung der Kunstakademie Bad Reichenhall hinauf zum Listanger gefolgt. Dort hatten die Studenten unter einem Zeltdach bereits ein buntes Sammelsurium an Arbeiten aufgebaut. So unterschiedlich wie die Vorgaben des Materials, waren auch ihre Werke. Intensiv haben sie sich mit dem zu bearbeitenden Holzstück auseinandergesetzt. Sie haben versucht zu erspüren und zu ertasten, welche Formen vorgegeben sind und sich davon inspirieren lassen. Herausgekommen seien Werke, die für sich sprechen, findet Kursassistent Hubert Graßl. Auf seine Initiative hin fand der Kurs vor zwei Jahren das erste Mal statt. Die Geräte und das Material für den „Outdoor-Kurs“ der Kunstakademie stiftet sein Arbeitgeber, die Bayerischen Staatsforste. Jede Menge Linden-, Pappeln- und Eichenstämme stellen sie den Kursteilnehmern kostenlos zur Verfügung.

Man weiß nie, was rauskommt

Der Reihe nach stellten die Teilnehmer den Ausstellungsbesuchern ihre Objekte vor. Magdalena Rother-Weichenmeier hatte ein großes Stück Lindenholz bearbeitet. „Nachdem ich im letzten Jahr ein Schiff gemacht habe, hat mir dafür noch ein Pirat gefehlt. Ich habe mit der Nase angefangen und dann hat plötzlich das Holz begonnen zu bröseln. Jetzt ist es halt ein furchtbar schiacher Pirat mit einem Loch“, erklärte sie lachend.

Bevor Joachim Seifert seine Figur, die ein wenig an die amerikanische Freiheitsstatue erinnert, ins Ausstellungszelt brachte, verpasste er ihr noch den letzten Schliff.

Anders als gedacht lief es auch für Gernot Richter, der eigentlich mit der Idee nach Reichenhall kam, etwas streng Geometrisches zu machen. Entstanden ist stattdessen ein Fuß. „Köpfe gibt es so viel, aber Füße sind selten“, findet er. Johann Rother aus Landsberg weiß zwar, dass das Thema des Seminars figürliches Arbeiten ist, gab aber frei raus zu: „Das kann ich nicht und das mache ich auch nicht.“ Stattdessen versuche er, aus dem Holz rauszuholen, was es vorgibt und setzt dabei auf den Kontrast zwischen einem abgeschälten Stamm „und dem was noch oben raus draus entsteht.“

Stolz zeigte Dr. Anton Weichenmeier seine dritte Dame, dessen „Grunderzeuger“ allerdings Dozent Richard Allgaier gewesen sei. „Er hat mich drauf gebracht und mit der Kettensäge vorgearbeitet.“ Dass am Anfang einer Arbeit nie klar sei, was letztlich rauskommt, fasziniere Weichenmeier am Material Holz. Genug von Frauen hatte Andreas Gerhard, der sich auch zuhause im saarländischen Pirmasens viel dem figürlichen Arbeiten widmet. „Dieses Jahr keine Busen, sondern nur gerade Formen“, hatte sich der Jurist vorgenommen. Aus einem großen Holzblock hat er eine abstrakte Figur geschält, in der sich zwei Elemente gegenüberstehen. „Er hat gesägt wie ein Weltmeister und das ist richtig harte Arbeit“, lobte Richard Allgaier.

Die Heilige Familie hat Krippenbauer Johann Schwaiger aus Rauris schon fertig. Als nächstes hat er sich von einer Astgabel zu einer neuen Figur inspirieren lassen.

Ein Geburtstagsgeschenk war der Holzkurs für Krippenbauer Hans Schwaiger aus dem österreichischen Rauris. Sein erstes Objekt, eine Heilige Familie, fand beim Publikum besonders viel Gefallen. „Ich werde künftig noch bewusster durch den Wald gehen und schauen, wo einem das Holz schon die Linie zeigt. Wo man nur mehr das weggeben muss, was zu viel ist und dann passt’s.“ Ganz der Inspiration hingegeben hatte sich auch Joachim Seifert und einen Stamm mit seitlich abstehendem Ast in eine Frauenfigur verwandelt, die mit ihrem ausgestreckten Arm an die Freiheitsstatue von New York erinnert. Der Reichenhaller Künstler Helmut Erben war heuer zum zweiten Mal beim Allgaier-Kurs und erschuf als Einstimmung ein Häuserboot, bevor er sich an etwas wagte, „was mir eigentlich gar nicht liegt, nämlich etwas organisches, rundes.“ Das Ergebnis kann sich sehen lassen, auch wenn die weibliche Figur noch nicht ganz fertig ist. Sie muss noch gewässert und geölt werden.

Die Arbeiten würden ein größeres Publikum verdienen, sprach der Akademie-Direktor Rupert Fegg allen Studenten seine Anerkennung aus. Im nächsten Jahr plane er deswegen eine Ausstellung am Rathausplatz oder vor der Galerie des Alten Feuerhauses.

Pressemitteilung Kunstakademie Bad Reichenhall

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