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Alexander Huber als prominenter Pate

Gedreht in Bad Reichenhall: „Kino lebt“-Clip soll deutschlandweit viral gehen

Gedreht in Bad Reichenhall: „Kino lebt“-Clip soll deutschlandweit viral gehen 
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Zur Vorstellung des im Park-Kino gedrehten Clips „Kino lebt“ kamen (von links) RUFO-Vorstand Mike Rupin, Theater-Schauspielerin Julia Weindl, Andrea Hailer (Soulkino-Marketing), Filmtheater-Betreiber Josef Loibl, Landrat-Stellvertreter Michael Koller, Touristikfachwirtin Andrea Wittmann und Produzent Bernhard Fleischer.

Ein im Bad Reichenhaller Lichtspielhaus gedrehter 36-Sekunden-Clip soll die Menschen dazu animieren, wieder an kulturellen Veranstaltungen teilzunehmen.

Bad Reichenhall - Es geht darum, Hemmschwellen zu überwinden: „Die Menschen sollten sich wieder trauen, ins Theater, zum Kabarett, zu Konzerten und ins Kino zu gehen“, sagt Andrea Hailer von Soulkino (Kino-Marketing) bei der Vorstellung eines 36-Sekunden-Clips, gedreht im Reichenhaller Lichtspielhaus. Er soll nun deutschlandweit in den Filmtheatern gezeigt werden, die Menschen aber vor allem über die sozialen Kanäle erreichen und zu ermutigen, nach dieser langen Corona-Zeit des „Eingesperrtseins“ wieder rauszugehen, um etwas zu unternehmen.

„Bei all der Begeisterung über die so lange ersehnten Lockerungen spüren wir in dieser Sache eine gewisse Scheu bei unseren Gästen“, berichtet Park-Kino-Betreiber Josef Loibl aus seiner Erfahrung der ersten Öffnungswoche. „Unsere Besucher haben so viele Fragen: Was alles für den Besuch bei uns nötig ist? Was sie tun und vorlegen müssen? Ja, es ist eine ganze Menge, aber am Ende sollte doch der Filmgenuss und das ,zwei Stunden abschalten‘ im Fokus stehen“.

Kino-Betreiber Loibl muss immer wieder Absagen verkraften, weil die Menschen – durchaus verständlich – große Sorgen begleiten. Es gehe jedoch gerade jetzt darum, weg von der Angst-, hin zu einer Mut-Politik zu kommen, betont Touristikfachwirtin Andrea Wittmann aus Traunstein, die ebenfalls aktiv im Kino-Clip mitwirkte.

Für den kurzen Film war ein unbeschreiblicher Aufwand nötig: „Aus einem zunächst nur klein geplanten Foto-Shooting entwickelte sich rasch ein aufwändiger Drehtag im Kino mit allem Drum und Dran“, berichtet Initiator Mike Rupin, Vorsitzender des Reichenhaller Unternehmerforums (RUFO).

Rund ums und im Lichtspielhaus wuselten zahlreiche weibliche und männliche Models, Friseur/-innen, Fotograf/innen, eine Kosmetikerin, ein Bekleidungsausstatter und viele mehr – unter strengsten Hygieneregeln inklusive einer Teststraße in den Axelmannstein-Kolonnaden, in Absprache mit dem Gesundheitsamt sowie den nötigen Freigaben der entsprechenden Behörden.

Profi-Kletterer Alexander Huber („Huber-Buam“) ist das Gesicht der Reichenhaller Kino-Initiative und baut als Prominenter laut Produzent Bernhard Fleischer „einen gewissen Druck auf“. Der Clip soll nun deutschlandweit viral gehen.

Neue Wahrnehmung des Zusammenlebens

Für sein „Anliegen“ konnte Mike Rupin Kunst- und Kultur-Filmemacher Bernhard Fleischer gewinnen. Der Produzent aus Bad Reichenhall lieferte ein professionelles Werk ab, als prominenter Pate und Gesicht des Clips sowie für die Grafiken stellte sich Profi-Kletterer Alexander Huber („Huber-Buam“) zur Verfügung.

Die „bewusste und neue Wahrnehmung des Zusammenlebens“ müssten viele wohl erst wieder ganz neu erlernen, meinte Landrat-Stellvertreter Michael Koller. „Diese Besonderheiten, die Vielfältigkeit in unserem Landkreis, sind auch eine Chance – wenngleich wir hart daran arbeiten und Mut beweisen müssen“. Dafür ist die kurze Film-Sequenz ebenfalls gedacht: „Ihr seht, das Kino lebt. Und jetzt erst recht“, sagt Huber am Ende des Clips. „Da bekomme ich Gänsehaut“, so Rupin, begeistert vom Ergebnis.

Andrea Hailer wird den Reichenhaller Clip nun deutschlandweit verbreiten, einige Kinos sagten bereits zu, ihn zu zeigen: „Wir sind kein Ponyhof. Wir sind ein Wirtschaftsfaktor, und kein unerheblicher.“ Die Kultur-Branche litt und leidet extrem unter der Pandemie. „Wir waren nach dem ersten Lockdown die letzten, die öffnen durften. Jetzt waren wir ein paar Tage vor den Hotels dran“, ergänzt Loibl.

Die Einbußen nicht nur in den Kassen sind kaum noch bezifferbar. Dazu kommt ein Verlust an Empathie für die Kunst – gerade in der großen Politik – und erhebliche Ängste bei vielen Gästen, hervorgerufen durch so viele unterschiedliche Regelungen und missverständliche Nachrichten. „Uns wurde hier seitens der Entscheider massiv geschadet“, ist Loibl enttäuscht. Vor allem, weil er zu spüren bekam, wie wenig Söder & Co. für die Kultur letztlich übrighaben.

„Was weiterhin fehlt, ist Einheitlichkeit. Wir haben hier viele Besucher aus Salzburg, für die meistens ganz andere Bestimmungen gelten. Wie sollen wir in diesen Punkten überhaupt vorgehen?“, fragt der immer wieder vor großen Problemen stehende Park-Kino-Betreiber. Umso glücklicher ist er über die Tatsache, dass sein Haus für den Clip auserwählt wurde. „Vorreiter von Aktionen dieser Art war Oscar-Gewinner Matthew McConaughey, der in einem kurzen Video sein Lieblingskino in den USA vorstellte. Das machte eine Riesenrunde“, informiert der Reichenhaller. Der HDF Kino e.V., der Hauptverband Deutscher Filmtheater, sprang auf diesen Zug auf, das Park-Kino war nun eines der ersten Häuser bundesweit, das „mitfuhr“.

Der Stil des Clips passt zum Haus

Unter dem Titel „Kino leuchtet. Für Dich.“ gingen bereits im Februar bundesweit in vielen Kinos, die Lichter an. Die Idee entstand am Rande einer virtuellen Mitgliederversammlung der AG Kino – Gilde. Die Filmtheater zeigten gemeinsam, dass sie sehnsüchtig auf ihre Zuschauer warten und bestens vorbereitet sind, ihre Projektoren wieder einzuschalten.

In Bad Reichenhall wurde die Aktion unter dem Motto „Kino lebt“ auf den Weg gebracht, passend zum Haus im Stil der goldenen 1950er- und 1960er-Jahre. Unter anderem waren Landrat Bernhard Kern, Reichenhalls Oberbürgermeister Dr. Christoph Lung oder Comedian Cengiz Öztunc mit dabei.

Produzent Bernhard Fleischer wünscht sich, dass viel mehr dieser privaten Initiativen – im Übrigen arbeiteten alle ohne Honorar – entstehen, gerade in den großen Städten. Bad Reichenhall sei nun in positiver Art und Weise vorausgegangen, viele weitere soll(t)en folgen.

Hans-Joachim Bittner

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